Bindehautentzündung: Kosmetika als Keimhotspot
Rötungen, Brennen, tränende Augen? Dahinter kann auch eine unsachgemäße Benutzung von Make up stecken. Wir geben dir Tipps, wie du deine Augen und die deiner Kundinnen mit einfachen Gewohnheiten schützen kannst.
Warum Make-up die Augen reizen kann
Beauty kann so schön sein – bis das Auge plötzlich rot aufleuchtet wie ein schlecht verblendeter Lidschatten. Viele unterschätzen, wie sensibel die Augenpartie auf Produkte reagiert, die wir und unsere Kundinnen täglich verwenden. Mascara, die schon ein paar Wochen auf dem Buckel hat, entwickelt sich gern zum Mini‑Biotop: Warm, feucht, dunkel – genau die Umgebung, die Keime mögen. Besonders, wenn die Bürste beim Auftragen die Wasserlinie streift oder wir das Produkt unbewusst mit den Fingern verunreinigen. Auch Kajalstifte, die am Innenlid aufgetragen werden, können reizend wirken, wenn die Mine bereits Keime oder Make‑up‑Rückstände enthält.
Und dann wären da noch Kontaktlinsen: kleine, transparente Scheibchen, die aber leider alles, was an Partikeln oder Bakterien unterwegs ist, direkt am Auge festhalten können. Eine perfekte Bühne für Ärger und Reizung.

(Bildquelle: istock/gvictoria)
Schminktaschen als „Bakterien‑Airbnb“
Ein klassischer Beauty‑Fail: Pinsel, die seit Monaten keinen Waschtag mehr erlebt haben. Sie nehmen nicht nur Pigmente auf, sondern auch Schmutzpartikel, Hautschuppen und Keime. Kombiniert mit Cremes, Seren und Foundations, die täglich geöffnet werden, entsteht schnell ein kleines Ökosystem.
Schminktaschen selbst sind ebenfalls unterschätzte Keimhotspots. Innenfutter aus Stoff oder Kunstleder speichern Produktreste, Staub und Feuchtigkeit – und wenn man dann mal blind nach dem Eyeliner greift, verteilt man das Gemisch großzügig über die Lider. Auch gemeinsam genutzte Produkte, etwa beim Feiern mit Freundinnen, erhöhen das Risiko von Reizungen.
Kurz: Schönheit kann unabsichtlich zum Übertragungsweg werden. Und das Auge reagiert schnell – mal mit Rötung, mal mit Tränen, gelegentlich auch mit einer Entzündung.
Eine Bindehautentzündung (Konjunktivitis) ist eine häufig auftretende Augeninfektion, die verschiedene Ursachen haben kann. Wie weit sie in der Selbstmedikation behandelt werden kann und wie die Rx-Therapien aussehen, liest du hier.
So bleibt dein Augen-Make-up augenfreundlich
Ein paar einfache Gewohnheiten können bereits helfen, das Risiko für eine Augen-Infektion zu verringern:
- Anbruchdatum direkt auf der Primärverpackung (Tube, Tiegel, etc.) notieren, ggf. ein Klebe-Etikett dafür nutzen
- Schminksachen regelmäßig auf Verfall prüfen und aussortieren
- Pinsel und Schwämme mindestens einmal pro Woche waschen
- Mascara rechtzeitig nach Ablauf des Verfallsdatums austauschen
- Bei empfindlichen Augen keine Produkte am Innenlid anwenden
- Kontaktlinsen erst nach dem Schminken einsetzen
- Hände vor jeder Augenpflege gründlich waschen
- Keine Schminkprodukte von anderen verwenden
Auch klimatische Einflüsse spielen mit: Klimaanlagen, Heizungsluft und Bildschirme sorgen oft für trockene Augen. Ein paar bewusste Pausen, regelmäßiges Blinzeln und frische Luft können Beschwerden vorbeugen.
Und: Finger weg vom Reiben! Reizungen werden dadurch fast immer schlimmer.
Wenn die Reizung kommt: Was jetzt hilft
Manchmal passiert es trotz aller Vorsicht: Das Auge brennt, juckt oder tränt – oder wird einfach unerwartet rot. Dann gilt: Back to Basics.
Zuerst sollte man Make‑up komplett entfernen und die Augenregion so sauber halten wie möglich. Tränenersatzmittel können helfen, die Augenoberfläche zu beruhigen und auszuspülen. Kühlende Kompressen lindern Schwellungen.
Während der Beschwerden heißt es: Make‑up‑Pause einlegen, Produkte nicht teilen und Mascara sowie Eyeliner, die zuletzt verwendet wurden, lieber entsorgen. Kontaktlinsen sollten solange im Etui bleiben – Brille ist angesagt.
Klingen die Beschwerden nicht rasch ab, werden stärker oder kommt eitriges Sekret hinzu, ist ärztlicher Rat einzuholen. Aber in den meisten Fällen lautet die Devise: sanfte Pflege, Ruhe und ein paar Tage Beauty‑Detox. Danach kann das Make‑up‑Regal wieder guten Gewissens geöffnet werden – sauberer, bewusster und deutlich augenfreundlicher als zuvor.