Fieber: Nicht die Zahl, das Kind zählt
Fieber bei Kindern verunsichert viele Eltern. Die kürzlich erschienene Ärzteblatt-Veröffentlichung zeigt: Entscheidend ist nicht die Temperatur allein, sondern der Zustand des Kindes.
Fiebermanagement bei Kindern
Mit der aktuellen Veröffentlichung zum ambulanten Fiebermanagement bei Kindern und Jugendlichen ist ein Thema wieder stärker in den Fokus gerückt, dem Apothekenteams regelmäßig begegnen. Grundlage ist die S3-Leitlinie „Fiebermanagement bei Kindern und Jugendlichen“, die bereits 2025 von der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin unter Beteiligung weiterer Fachgesellschaften erarbeitet wurde. Für die Beratung in der Apotheke ist vor allem eine Botschaft wichtig: Behandelt werden soll nicht die Zahl auf dem Thermometer, sondern das Kind.
Orientierung für die Eltern
Fieber ist bei ansonsten gesunden Kindern meist eine sinnvolle Immunreaktion und keine eigenständige Erkrankung. Viele Eltern kommen dennoch mit großer Sorge in die Apotheke, besonders wenn die Temperatur rasch steigt oder das Kind schlapp wirkt. Hier kannst du Orientierung geben, ohne Fieber grundsätzlich zu verharmlosen. Entscheidend sind Alter, Allgemeinzustand, Trinkmenge, Fieberdauer, Begleitsymptome und die Frage, wie gemessen wurde. Bei Säuglingen unter drei Monaten ist eine rektal gemessene Temperatur ab 38 °C immer ein Grund für eine ärztliche Abklärung.
Zusätzlich gehören diese Symptome nicht in die reine Selbstmedikation:
- ein schwer krank wirkendes Kind,
- Bewusstseinsstörungen,
- starke Schmerzen,
- schrilles Schreien,
- nicht wegdrückbare Hauteinblutungen,
- Austrocknungszeichen,
- sehr schnelles Atmen,
- eine auffallend blasse,
- graue oder blaue Haut oder Fieber über mehr als drei Tage.
Sinnvolle Messmethoden
Auch bei der Messmethode kann das pharmazeutische Personal die Eltern gut beraten. Bei Neugeborenen und Säuglingen ist die rektale Messung mit einem Digitalthermometer am zuverlässigsten. Ab etwa einem Jahr kann ein Infrarot-Ohrthermometer in vielen Fällen ausreichend genau sein. Stirn- oder Schläfenthermometer sind bequemer, aber ungenauer. Von der axillären Messung (unter der Achsel) rät die Leitlinie zur verlässlichen Fieberbestimmung ab, obwohl sie noch sehr häufig praktiziert wird. Sie ist zu ungenau und fehleranfällig.
Im häuslichen Management stehen Flüssigkeit, Ruhe, Schlaf und Zuwendung im Vordergrund. Ein ruhig schlafendes Kind sollte nicht geweckt werden, nur um Temperatur zu messen oder ein fiebersenkendes Mittel zu geben. Friert das Kind, hat kalte Hände und Füße oder Schüttelfrost, braucht es Wärme. Ist ihm zu warm, kann es leichter bedeckt werden. Wadenwickel sind nur sinnvoll, wenn Hände und Füße warm sind und das Kind unter dem Fieber leidet. Die Wickel sollten bei der Anwendung körperwarm sein, nicht kalt.
Sinnvolle Medikamente für fiebernde Kinder
Paracetamol und Ibuprofen bleiben wichtige Optionen, aber sie sollen nicht allein eingesetzt werden, um eine bestimmte Temperatur zu erreichen. Sinnvoll sind sie bei Schmerzen oder deutlich beeinträchtigtem Befinden. Paracetamol wird immer gewichtsbezogen dosiert, üblicherweise mit 10 bis 15 mg/kg Körpergewicht pro Einzeldosis, Ibuprofen mit 7 bis 10 mg/kg und erst ab einem Alter von drei Monaten. Für die Praxis heißt das: immer Gewicht und Alter erfragen, dann die Konzentration des Präparats und die Tageshöchstdosis prüfen und anschließend die Anwendung mit Dosierspritze oder Pipette genau erklären. Sollten die Eltern verunsichert wirken, ist es sinnvoll, die Einzeldosis auf der Einnahmespritze zu markieren.
Vom eigenständigen Wechsel zwischen Paracetamol und Ibuprofen sollten Eltern nicht grundsätzlich einfach ausgehen. Das gehört nur nach ärztlicher Rücksprache in Einzelfällen in Betracht gezogen. Wichtig ist außerdem: Antipyretika verhindern Fieberkrämpfe nicht. Sie sollten auch nicht routinemäßig vor oder nach Impfungen gegeben werden, sofern keine spezielle Empfehlung besteht.
Wann ist das Kind wieder gesund?
Auf die häufige Frage, wann Kinder wieder in Kita oder Schule dürfen, gibt die aktuelle Leitlinie ebenfalls eine alltagstaugliche Antwort: Die betroffenen Kinder sollten mindestens einen Tag fit und fieberfrei sein, bevor sie wieder gehen. Das ist oft die beste Beratung – für das einzelne Kind und für alle anderen. Gute Beratung bedeutet deshalb: beruhigen, Warnzeichen erkennen, korrekt dosieren und Eltern darin zu stärken, ihr Kind zu beobachten statt nur die Zahl auf dem Thermometer.