Fortbildung in der Freizeit – oder auf Chefkosten?

Zwischen Onlinekurs und Urlaubsantrag diskutieren zwei PTA, wer zahlt, wann es zählt – und warum sich ein offenes Gespräch oft mehr lohnt als stiller Frust.

Es ist ein später Nachmittag in der Apotheke. Die Klimaanlage röchelt müde, draußen flirrt die Hitze, drinnen gibt’s Kaffee mit Hafermilch und ein paar Schokokekse vom Notdienst der letzten Woche. In der kleinen Teeküche sitzen Mira, langjährige PTA und Lena, die seit einem Jahr fertig ist mit der Ausbildung, die Füße ausgestreckt, die weißen Kittel halb geöffnet. Ein paar Minuten Pause – und wie so oft kommt man ins Plaudern. 

„Ich hab mich gestern für dieses neue Online-Seminar zur Dermokosmetik angemeldet“, sagt Lena, „eigentlich genau mein Ding. Aber als ich gestern nach dem Kaffee einfach mal gefragt hab, ob ich das auf Arbeitszeit machen darf, hat der Chef nur gelächelt und gemeint, diese Fortbildung sei Privatsache. Ich soll das nach Feierabend zuhause machen. Und das, obwohl ich auch alles selbst bezahle. Fortbildung ist also wie so vieles andere auch immer Privatsache. Die Arbeitgeber halten sich da schön raus.“ Sie verzieht das Gesicht. „Na, danke auch. Wenn ich das mal eher gewusst hätte.“ 

Chefpflicht oder Eigeninitiative? 

Mira grinst, aber nicht gehässig – sondern wissend. „Weißt du, das hab ich auch mal gedacht. Aber dann hab ich ein bisschen recherchiert. Es kommt total darauf an, wer die Fortbildung will. Wenn der Chef dich losschickt – sei es zu einem Seminar oder zu so ’nem Onlinekurs –, dann ist das ganz klar Arbeitszeit. Das hat der Europäische Gerichtshof sogar entschieden.“ 

Lena runzelt die Stirn. „Echt jetzt?“ 

„Ja, klar. Wenn es betrieblich veranlasst ist, dann muss nicht nur die Zeit vergütet werden, sondern auch die Kosten übernommen werden – inklusive Anfahrt, wenn’s außer Haus ist. Wenn du dich aber freiwillig weiterbildest, aus eigenem Interesse, ist das was anderes. Dann darfst du fragen, hoffen und verhandeln – aber ein Recht hast du nicht.“ Mira nippt am Kaffee. „So steht’s auch sinngemäß im Bundesrahmentarifvertrag.“ 

Lena lehnt sich zurück. „Ich dachte nach dem Gespräch gestern, Fortbildungen sind was, das man eben nebenher macht. Ich mein, man hört ja oft: Wer mehr wissen will, soll halt auch was investieren. Und das denkt der Chef offenbar auch, sonst hätte er mich nicht so stehen lassen.“ 

Frag klug – nicht spontan 

Mira zuckt mit den Schultern. „Kann man so sehen. Aber wenn der Arbeitgeber von deinem Wissen profitiert – und das tut er ja meistens –, dann darf er sich ruhig beteiligen. Und viele Chefs tun das auch, wenn man’s klug verpackt. Eine Kollegin von mir hat damals auch einfach gefragt, ob sie dafür Überstunden angerechnet bekommen kann – und siehe da, hat es geklappt. Sie hat das aber nicht einfach aus heiterem Himmel heraus nach der Kaffeepause gefragt, wie du jetzt. Sie hat um ein Gespräch gebeten, ihm die Fortbildung erklärt und ihm gesagt, dass es sich für die Apotheke lohnen wird, wenn wir in dem Bereich besser beraten können.  

Eine andere hat sogar ihr Gehalt nach einer Fortbildung zur Fach-PTA neu verhandelt. Beide arbeiten allerdings inzwischen in einer größeren Apotheke in der sie auch besser bezahlt werden. Es lohnt sich auf jeden Fall, mutig zu sein und zu fragen, aber es kommt auch oft darauf an, wie du fragst.“ 

Ein Gespräch kann der Anfang sein 

Während draußen eine Kundin die Eingangstür aufschwingt, stehen die beiden langsam auf. Der Alltag ruft – aber das Thema wirkt nach. Später, auf dem Nachhauseweg, denkt Lena nochmal darüber nach. Vielleicht ist es wirklich an der Zeit, mal in Ruhe mit dem Chef zu sprechen. Nicht fordernd, sondern offen. Vielleicht lässt sich ja etwas finden, das beiden Seiten nützt – ein Kompromiss aus Weiterbildung, fairer Bezahlung und ein bisschen Wertschätzung. Wissen kostet. Aber nicht immer nur die, die es sich aneignen.