Wochenrückblick: Fixum, Teilzeit-Debatte, Landapothekerquote

Protestwelle, Fixums- und Teilzeit-Debatte, Notdienstschutz, E‑Zigaretten‑Warnung, Landapothekerquote und weiteres: Die Woche zeigt wieder, dass viele Weichen politisch neu gestellt werden müssen.

ABDA bereitet neue Protestwelle vor: „Uns gibt’s nicht zum Nulltarif“

Die ABDA bereitet für das Frühjahr 2026 eine umfassende Protestwelle vor, mit der die Apothekerschaft auf den weiterhin fehlenden finanziellen Ausgleich im Apothekenreform‑Entwurf reagiert. Unter dem Kampagnenmotto „Uns gibt’s nicht zum Nulltarif“ wollen Apotheken bundesweit in Betrieben, auf öffentlichen Flächen und in sozialen Medien auf die wirtschaftlich angespannte Lage aufmerksam machen; zugleich sollen Patientinnen und Patienten über die Folgen weiterer Schließungen informiert werden. Bereits im Dezember hatte ein „Versorgungs‑Blackout“ die Dramatik verdeutlicht. 

ABDA-Präsident Thomas Preis warnt vor „massiven Gefahren“ und verweist auf ein seit 13 Jahren eingefrorenes Honorar, steigende Kosten und ein ungebremstes Apothekensterben: „Der Politik muss klar sein, dass jedes weitere Abwarten die Wege zur nächsten Apotheke verlängert und die Versorgung gefährdet.“ Am 25. Februar will die ABDA auf einer außerordentlichen Mitgliederversammlung zusätzliche Protestmaßnahmen beschließen – und kündigt mit Blick auf die anstehende Bundesratsbefassung zum ApoVWG bereits „massiven politischen Widerstand“ an.

Bundesgesundheitsministerin verspricht Erhöhung des Fixums

Wie die Pharmazeutische Zeitung berichtet, hat Bundesgesundheitsministerin Nina Warken (CDU) im Rahmen des neuen multimedialen Formats „Alex‘ Doppelte Dosis“ zugesichert, die im Koalitionsvertrag vereinbarte Erhöhung des Apothekenfixums auf 9,50 Euro umzusetzen. Warken betonte, dass sie „vertragstreu“ bleiben wolle und die Apotheken sich auf die Erhöhung verlassen könnten – trotz erwarteter politischer Debatten aufgrund der Kostendrucksituation im Gesundheitswesen. Die Ministerin stellte klar, dass die geplante jährliche Honorarverhandlung zwischen Apotheken und Krankenkassen auf Basis des erhöhten Fixums erfolgen solle und nicht auf dem bisherigen Satz von 8,35 Euro.

Zudem bestätigte Warken laut Pharmazeutischer Zeitung, dass der Reformprozess im vorgesehenen Zeitplan voranschreite und bis zum Sommer abgeschlossen sein solle. Die Bundesratsbefassung zum Apothekenreformgesetz (ApoVWG) stehe unmittelbar bevor; der Gesundheitsausschuss habe bereits zahlreiche Nachbesserungen angemahnt – darunter die vollständige Herausnahme der PTA-Vertretungsregelung und eine zügige Umsetzung der Honoraranhebung. Die Bundesregierung werde bis Mitte Februar eine Gegenäußerung dazu vorlegen.

Belästigung im Notdienst: Bundesjustizministerium plant besseren Schutz 

Mitarbeitende in Apotheken sehen sich zunehmend Übergriffen und belästigenden Anrufen – besonders im Notdienst – ausgesetzt. Ein neuer Gesetzentwurf des Bundesjustizministeriums soll nun Menschen, die für das Gemeinwohl tätig sind, besser schützen. Dr. Armin Hoffmann, Präsident der Bundesapothekerkammer, begrüßt diesen Schritt ausdrücklich: „Diese Gewalt verursacht nicht nur individuelles psychisches Leid, sondern kann auch die Funktionsfähigkeit des Gemeinwesens beeinträchtigen.“ Er betont, dass Apotheker:innen im Notdienst belästigenden oder politisch motivierten Anrufen oft schutzlos ausgeliefert sind, da sie telefonisch erreichbar sein müssen. Die ABDA hat daher eine Stellungnahme zur geplanten Gesetzesänderung abgegeben, die vorsieht, Gewalt und Behinderung der beruflichen Tätigkeit künftig unter Freiheitsstrafe zu stellen.

Laumann fordert verlässliche und verhandelbare Honorarlösungen für Apotheken

NRW‑Gesundheitsminister Karl‑Josef Laumann hat beim Neujahrsempfang der Apothekerkammer Nordrhein seine Unterstützung für eine starke, wohnortnahe Arzneimittelversorgung durch Vor‑Ort‑Apotheken bekräftigt und betont, dass „Apotheken auch in Zukunft ein zentraler Bestandteil unseres Gesundheitswesens“ bleiben sollen. Eine rein politisch festgelegte Honorarerhöhung reiche jedoch nicht aus – stattdessen brauche es verlässliche, verhandelbare Lösungen wie in anderen Bereichen des Gesundheitswesens. Kammerpräsident Dr. Armin Hoffmann unterstrich diese Forderung und verwies auf die wachsende Diskrepanz zwischen dem gesetzlichen Versorgungsauftrag und der wirtschaftlichen Realität vieler Apotheken, deren Zahl trotz steigenden Versorgungsbedarfs kontinuierlich sinke. Die entstehende Lücke müsse dringend geschlossen werden, „und zwar schnell“.

ADEXA warnt vor Rückschritt in der Teilzeit-Debatte

In der aktuellen politischen Debatte um eine mögliche Abschaffung des gesetzlichen Anspruchs auf Teilzeitarbeit warnt die Apothekengewerkschaft ADEXA deutlich vor einem sozialen Rückschritt. Der Wirtschaftsflügel der CDU fordert, Teilzeit künftig nur noch bei nachweisbaren Gründen zu ermöglichen – ein Vorschlag, der aus Sicht der Gewerkschaft die Realität in Apotheken völlig verkenne. Rund zwei Drittel der angestellten Apotheker:innen, PTA und PKA arbeiten in Teilzeit, häufig aus Gründen der Vereinbarkeit von Beruf, Familie und Pflege. ADEXA kritisiert, dass flexible Arbeitszeiten essenziell seien, um Personal zu halten und Nachwuchs zu gewinnen. „Eine politische Debatte, die das Teilzeitrecht infrage stellt, ignoriert die Realität eines weiblich geprägten Gesundheitsberufs mit hoher gesellschaftlicher Verantwortung“, mahnt ADEXA‑Vorstandsmitglied Tanja Kratt.

BfR warnt vor gesundheitlichen Risiken durch Kühlstoffe in E‑Zigaretten

Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) warnt in einer aktuellen Stellungnahme davor, dass in E‑Zigaretten verwendete Kühlstoffe – sogenannte „Cooling Agents“ wie Menthol, Menthylacetat oder Eucalyptol – potenziell gesundheitsschädlich sein können. Bereits bei mittlerem Konsum könnten viele dieser Stoffe langfristig Leber und Nieren beeinträchtigen, bei einigen Substanzen seien gesundheitliche Auswirkungen sogar schon bei geringen Mengen nicht auszuschließen. Da kaum Daten zur inhalativen Aufnahme vorliegen, stützt sich das BfR auf orale Tierstudien und betont einen deutlichen Forschungsbedarf. Verbraucher:innen rät die Behörde vom Gebrauch kühlstoffhaltiger Liquids ab.

Start des ABDA‑WhatsApp‑Kanals

Seit Januar 2026 bietet die ABDA einen eigenen WhatsApp‑Kanal an und erweitert damit ihre digitalen Informationswege für Apothekenteams. Über den kostenfreien und DSGVO‑konformen Kanal erhalten Abonnent:innen künftig regelmäßige Updates zu Kampagnen, Publikationen, Veranstaltungen und Newsroom‑Beiträgen. Das neue Format soll bestehende Angebote wie Newsletter, abda.de und die Social‑Media‑Kanäle ergänzen. Apotheken können den Kanal über den bereitgestellten Link der ABDA oder per QR‑Code abonnieren.

Landapothekerquote in Mecklenburg-Vorpommern 

Die SPD-Fraktion Mecklenburg‑Vorpommern hat kürzlich ein Gesetz zur Stärkung der medizinischen Versorgung im ländlichen Raum vorgestellt, das die bestehende Landarztquote deutlich erweitert: Künftig sollen auch Pharmazie-Studierende über eine neue Landapothekerquote Zugang zu einem reservierten Studienplatz erhalten. Wie die Fraktion mitteilt, wird die Quote neben Humanmedizin und Zahnmedizin erstmals auch auf Pharmazie ausgeweitet – jeweils 10 Prozent der Studienplätze sollen für Bewerberinnen und Bewerber reserviert werden, die sich verpflichten, nach dem Abschluss in unterversorgten Regionen tätig zu werden. 

Damit reagiert das Land auf den zunehmenden Fachkräftemangel, der auch die Apotheken betrifft. Besonders im pharmazeutischen Bereich hat sich die Lage laut SPD weiter zugespitzt, weshalb gezielt mehr pharmazeutischer Nachwuchs für ländliche Regionen gewonnen werden soll.