Wochenrückblick: Reformsignale, Drohnenlieferung und Rezeptur-Urteil
Apothekenreform, Bundestagsfahrplan, Rezeptur-Urteil, Drohnenlieferung, Prävention, Hormontherapie & Verordnungstrend bei ADHS-Medikamenten: Das bewegt die Offizin diese Woche – kompakt zusammengefasst.
Apothekenreform: das BGM gibt Kontra
Beim ApoVWG zieht das Bundesgesundheitsministerium in seiner Gegenäußerung zur Kritik des Bundesrats aus der vergangenen Woche eine klare Linie: Die begrenzte PTA-Vertretungsregelung soll als „Erprobung“ nicht gestrichen werden – ebenso wenig die erleichterte Gründung von Zweigapotheken zur Stärkung der Versorgung in ländlichen Regionen. Gleichzeitig signalisiert das BMG bei einzelnen Punkten Prüfbereitschaft (u. a. Notapotheken durch Gemeinden, Krisenregelungen sowie eine turnusmäßige Überprüfung der geplanten Preisvereinbarung zu Stoffen/Zubereitungen). Beim Honorar bleibt es dabei: Es ist entgegen den Hoffnungen der Apothekeninhaber*innen nicht Teil des ApoVWG – alternative Länderideen wie ein Grundkostenzuschlag werden vom Bund abgelehnt.
Fahrplan im Bundestag: ab Februar wird‘s spannend
Politisch wird es jetzt konkret: Für das ApoVWG ist die erste Lesung am 26. Februar 2026 angesetzt, die öffentliche Anhörung im Gesundheitsausschuss folgt am 4. März 2026 um 16 Uhr. Wichtig für die Einordnung im Team: Selbst wenn das Reformgesetz „auf die Zielgerade“ kommt, ist die Fixum-Erhöhung weiter als separates Thema angekündigt – mit Zusagen, aber ohne festes Datum.
Rezepturen: DAV begrüßt BSG-Urteil zur Preisbildung
Für die Rezepturpraxis kommt Rückenwind aus Kassel: Der DAV begrüßt ein Urteil des Bundessozialgerichts, dessen Urteilsgründe am 6. Februar 2026 veröffentlicht wurden. Die Kernaussage: Bei Rezepturen darf die Preisbildung einheitlich nach Arzneimittelpreisverordnung erfolgen – Apotheken dürfen dabei nicht nur ganze Packungen von eingesetzten Fertigarzneimitteln, sondern auch ganze Packungen von Arznei- und Hilfsstoffen ansetzen, wenn diese benötigt werden. Der DAV fordert Kassen auf, ungerechtfertigte Kürzungen zurückzunehmen und einbehaltene Beträge (inkl. Abschlag) zu erstatten.
Drohnenlieferung: „Letzte Meile“ aus der Luft
In Dessau soll im Rahmen der Studie „Pallidrohne“ eine drohnenbasierte Arzneimittellieferung in der Palliativversorgung erprobt werden – inklusive Bestellung per App. Besonders bemerkenswert: Das Luftfahrt-Bundesamt hat eine Abwurfgenehmigung über besiedeltem Gebiet erteilt (laut der Pharmazeutischen Zeitung europaweit bislang einmalig). In der Teststrecke fliegt die Drohne von einer Apotheke zum Hospiz, die Übergabe erfolgt per Abwurf einer Transportbox. Eine Landung vor Ort ist aus Sicherheitsgründen nicht vorgesehen. Für Apotheken stellt sich dabei neben der Technik vor allem die Frage nach sicheren Prozessen: Zugriffsschutz, Dokumentation und Verantwortlichkeiten.
Prävention: ABDA unterstützt „Rauchfrei im Mai“
Die ABDA unterstützt die Mitmachaktion „Rauchfrei im Mai“ (IFT Nord, gefördert u. a. von BZgA und Deutscher Krebshilfe). Apotheken können kostenfreie Printmaterialien bestellen, die Anmeldung für Raucher:innen soll ab Mitte März möglich sein, die Registrierung muss bis zum 1. Mai erfolgt sein. Eine Pressekonferenz ist für den 10. März 2026 in Düsseldorf angekündigt. Für die Offizin ist das eine gute Gelegenheit, Entwöhnungsberatung (NRT-Auswahl, Anwendung, Umgang mit Rückfällen) sichtbar zu machen. Vielleicht kannst du auch eine Schaufenster-Aktion zu diesem Thema planen?
Menopausale Hormontherapie und Demenz
Zum medizinischen Update der Woche: Eine systematische Übersichtsarbeit mit Metaanalyse (über 1 Mio. Frauen in zehn Studien) fand keinen Hinweis, dass eine menopausale Hormontherapie das Risiko für Demenz oder leichte kognitive Beeinträchtigung eindeutig erhöht oder senkt. Hierzu kannst du deine Kund:innen bei Bedenken also beruhigen. Gleichzeitig bleiben Detailfragen offen – etwa zu Präparatetyp, Dosis, Applikationsweg und Timing. Für die Beratung heißt das: die Hormonersatztherapie bleibt primär eine Therapie gegen belastende Wechseljahresbeschwerden. Mögliche Versprechen zur „Demenz-Prävention“ sind aktuell nicht gedeckt, aber pauschale Angstbotschaften ebensowenig.
ADHS-Medikamente – Verordnungen steigen in Europa deutlich
In den Apotheken merkt es das pharmazeutische Personal täglich, und nun zeigen auch neue Auswertungen einen klaren Trend: In Europa wurden ADHS-Medikamente von 2010 bis 2023 spürbar häufiger verordnet, ganz besonders bei Erwachsenen und zunehmend auch bei Frauen. Methylphenidat bleibt die häufigste Therapie, während neuere Optionen je nach Land zulegen. Auffällig ist außerdem, dass viele Behandlungen nicht langfristig fortgeführt werden.