Wochenrückblick: AMK-Höchststand, Ibuflam-Rückruf und Demo-Pläne

Rekordzahlen bei Arzneimittelmeldungen, ein wichtiger Rückruf, ein Arbeitsrechtsurteil und eine Studie, die zum Umdenken bei Sicherheit und Erste Hilfe anregt. Dein Wochenrückblick für die erste Märzwoche!

Pharmakovigilanz: Apotheken melden so viele Arzneimittelrisiken wie nie

Die Arzneimittelkommission der Deutschen Apotheker (AMK) meldet für 2025 einen neuen Höchststand: 11.154 Verdachtsmeldungen zu Arzneimittelrisiken gingen ein – aus 4.978 verschiedenen (Krankenhaus-)Apotheken. Damit wurde der Vorjahreswert erneut übertroffen (2024 waren es 10.882 und 2023 sogar nur 8.320). Auffällig ist, dass rund zwei Drittel der Meldungen sich auf Qualitätsprobleme, und etwa ein Drittel auf unerwünschte Arzneimittelwirkungen bezogen. Für das pharmazeutische Personal ist das auch eine kleine Erinnerung daran, wie viel Sicherheitsarbeit im Alltag steckt, vom Verdachtsfall bis zur umfassenden Dokumentation und Weitergabe an die entsprechende Stelle. 

Versorgung: Mit dem Auto fast immer schnell – zu Fuß wird’s schwieriger

Ein Gutachten des IGES-Instituts bezüglich der Erreichbarkeit der Apotheken in Deutschland im Auftrag der Krankenkassen kommt zu einem zweigeteilten Bild: Trotz Apothekenschwunds erreichen 99,9 % der Bevölkerung 2025 eine Apotheke innerhalb von 15 Minuten mit dem Auto. Zu Fuß verschlechtert sich die Lage jedoch, denn der Anteil der Menschen mit einer Apotheke in 5 Minuten Laufnähe sank seit dem Jahr 2020 auf 5,3 % (minus 0,7 Prozentpunkte). Das entspricht etwa einer halben Million Menschen die nun weitere Wege auf sich nehmen müssen. Rund 1,7 Mio. Menschen die im Jahr 2020 zu Fuß innerhalb von 15 Minuten eine Apotheke erreichen konnten, können das heute nicht mehr.

Protesttag am 23. März: Demo-Route in Berlin und Kundgebung in Düsseldorf

Die Proteste der Apothekerschaft gegen die geplante Apothekenreform und für eine bessere Vergütung nehmen Fahrt auf: Am 23. März sind bundesweit Aktionen in mehreren Großstädten geplant. Für Berlin wurden jetzt Details genannt: Treffpunkt 12 Uhr am Potsdamer Platz, anschließend Demonstrationszug zum Neptunbrunnen vor dem Roten Rathaus, Abschlusskundgebung gegen 13:30 Uhr. Der Berliner Apotheker-Verein ruft zudem dazu auf, dass am Protesttag die Berliner Apotheken alle geschlossen bleiben und die Versorgung ausschließlich nur noch über Notdienste läuft. 

Düsseldorf: Die Apothekenteams versammeln sich auf dem Burgplatz in Düsseldorf, um ebenfalls auf die zunehmend kritische wirtschaftliche Lage der Vor-Ort-Apotheken aufmerksam zu machen. Unter dem Motto „Apothekensterben stoppen – Koalitionsvertrag jetzt umsetzen!“ fordern Apothekerverbände eine Erhöhung des Packungsfixums auf 9,50 Euro und wenden sich klar gegen Modelle wie die „Apotheke ohne Labor“ oder ohne pharmazeutisches Personal. Die Teilnehmenden sollen sich ab 11 Uhr in weißen Kitteln einfinden, um Geschlossenheit und Sichtbarkeit für ihre Anliegen zu zeigen; die zentrale Kundgebung findet von 12 bis etwa 13 Uhr statt.

Arbeitsrecht: Zwei Krankschreibungen hintereinander verlängern die Lohnfortzahlung nicht automatisch

Ein aktuelles Urteil des Landesarbeitsgerichts Thüringen (Urteil vom 16.12.2025) wird gerade breit diskutiert: Wer nahtlos von einer Arbeitsunfähigkeit in die nächste rutscht, bekommt nicht automatisch noch einmal „frische“ sechs Wochen Entgeltfortzahlung. Entscheidend ist, ob tatsächlich eine neue, unabhängige Erkrankung vorliegt. Das muss im Zweifel der bzw. die Beschäftigte darlegen, wenn der Arbeitgeber die Fortsetzungserkrankung annimmt. Für Apothekenteams ist das mögicherweise auch relevant, vor allem aber auch, weil Kund:innen bei AU-Fragen oft „nebenbei“ Rat suchen. Hier hilft der Hinweis, dass die reine Folge-AU nicht immer genügt und es auf den konkreten Fall ankommt. 

Chargenrückruf: Ibuflam 600 mg Lichtenstein (50 Filmtabletten) wegen Fremdkörper

Ein Thema, das diese Woche einige Apotheken durch die Berichterstattung der Laienpresse beschäftigt hat: Bei einem häufig genutzten Schmerz- und Entzündungs- Klassiker gibt es einen Chargenrückruf. Bei Ibuflam 600 mg Lichtenstein, 50 Filmtabletten von Zentiva wird die Charge 5R02514 zurückgerufen. Grund ist ein metallischer Fremdkörper, der in einer Tablette festgestellt wurde. Die Apotheken sollen ihre Lagerbestände prüfen und betroffene Packungen über den Großhandel retournieren. In der Beratung gilt: Kund:innen zur Chargenprüfung anleiten und betroffene Packungen nicht weiter einnehmen, sondern zurück in die Apotheke bringen lassen. 

Gesundheit allgemein: Zucker gegen Schmerz bei Neugeborenen & „Gender Gap“ bei Reanimation

Zwei Meldungen aus der Forschung sind diese Woche ebenfalls interessant, auch wenn es sich nicht um klassische Apothekenthemen handelt: Ein neues Cochrane Review (29 Studien, die über 2.700 Früh- und Reifgeborene einschließen) deutet darauf hin, dass eine winzige Menge Saccharose im Mund bei Neugeborenen wahrscheinlich die Schmerzen beim Blutabnehmen lindert. Gut zu wissen für alle betroffenen Eltern, die ihren Kleinen allzu viel Pein ersparen möchten.

Aus Innsbruck kommt ein „Aha“ zur Ersten Hilfe: In einer Simulation war die Reanimationsqualität an einer weiblichen Übungspuppe schlechter als an einer männlichen. Die Forschenden werten das als Hinweis, dass Training und Lehrmaterial diverser werden müssen , damit im Ernstfall niemand benachteiligt wird.