Weltfrauentag: Wir können mehr als Kosmetikaktionen

Der Weltfrauentag ist mehr als Blumen und Rabattaktionen. Die Apothekenspitzel:in fragt sich: Wie zeigen wir echte Wertschätzung und wie erreichen wir mehr Sichtbarkeit? Welche Aktion sie beeindruckt hat, liest du hier.

Warum mich der 8. März jedes Jahr neu nachdenken lässt

Jedes Jahr, wenn der Weltfrauentag näher rückt, fange ich an zu grübeln. Vielleicht liegt es daran, dass ich selbst mitten im Apothekenalltag stehe – zwischen Rezepturen, Medikationsanalysen, HV-Stress, Beratungsgesprächen und dem ganz normalen Chaos eben. Und wenn ich dann sehe, wie Apotheken zum 8. März großzügig 20 % auf Lippenstifte oder Anti‑Aging-Seren geben, frage ich mich: Ist das alles, was uns Frauen am Weltfrauentag zugestanden wird? Ein bisschen Rabatt auf das, was wir eh nicht brauchen?

Dabei hat dieser Tag eine so starke Geschichte. Er ist entstanden, weil Frauen jahrzehntelang unsichtbar waren. Weil sie auf Bühnen und in Büchern nicht vorkamen. Weil sie weniger Chancen auf Bildung hatten, weniger politische Rechte, weniger Gehör. Und weil Frauen wie Clara Zetkin überhaupt erst dafür sorgen mussten, dass wir heute selbstverständlich studieren, arbeiten, wählen – und ja, auch in Apotheken stehen dürfen.

Foto: iStock / Beatriz Herrera

Frauenpower im Apothekenalltag: sichtbar oder selbstverständlich?

Laut ABDA-Zahlen bestehen die meisten Apotheken heute zu rund 89,2 % aus Frauen – PTA, PKA, Apothekerinnen, Filialleitungen, Inhaberinnen. Wir halten den Laden am Laufen. Wir jonglieren zwischen Patientengesprächen, Lieferengpässen, Behördenanforderungen, Medikationsanalysen und all den Dingen, die keiner sieht, weil sie einfach funktionieren müssen.

Und trotzdem fühlt sich unser Einsatz manchmal selbstverständlich an, so selbstverständlich, dass mancher Chef meint, ein Schminkrabatt sei eine angemessene Form der Anerkennung. Ganz ehrlich: Ich finde, wir haben Besseres verdient.

Wenn Wertschätzung nicht nach Parfümwolke riecht

Vor Kurzem bin ich über eine Aktion gestolpert, die mich wirklich berührt hat: Die Taschentuch-Aktion der Apotheken im Landkreis Starnberg zusammen mit der Beratungsstelle Frauennotruf. Statt Kosmetikproben zu verteilen, machen sie auf ein Thema aufmerksam, das viele lieber übersehen: Gewalt gegen Frauen.

Im gesamten Landkreis werden in diesem Jahr über 4.500 Päckchen Taschentücher mit der Botschaft „Nase voll von Gewalt? Holen Sie sich Unterstützung!“ an Apothekenkundinnen und -kunden ausgegeben. Insgesamt machen 28 Apotheken bei der Aktion mit, wie der Kreisbote berichtet.

Ich finde das großartig! Das ist Frauentag. Nicht Rabatt, nicht pinke Deko, nicht Lippenstift als Trostpflaster. Sondern echte Unterstützung, echte Botschaften, echte Hilfe. Wenn wir als Apothekenteams unsere Reichweite nutzen können, um etwas Sinnvolles zu tun – warum sollten wir es nicht tun?

Mein Wunsch für zukünftige Weltfrauentage

Ich wünsche mir, dass wir den 8. März nicht als Marketing‑Tag für die Sichtwahl betrachten, sondern als Erinnerung daran, wie viel Frauen leisten und wie wenig davon noch immer sichtbar ist. Und ehrlich gesagt wünsche ich mir auch, dass der Weltfrauentag in ganz Deutschland ein offizieller Feiertag wird, nicht nur in Berlin und Mecklenburg‑Vorpommern. Ein Tag, der Frauen würdigt, sollte überall gelten.

Foto: iStock / melitas

Ich wünsche mir, dass wir überlegen:

  • Was würde Frauen wirklich helfen?
  • Was macht Mut?
  • Was bringt uns weiter?

Ob es Projekte gegen Gewalt sind, Aktionen zur Frauengesundheit, Workshops zu mentaler Belastung oder einfach ehrliche Wertschätzung im Team, all das sagt mehr aus als jeder Rabattcode.

Und vielleicht fangen wir im Kleinen an:

  • Ein „Danke, du machst hier einen großartigen Job.“
  • Ein „Ohne dich würde das heute nicht laufen.“
  • Ein „Ich sehe, wie viel du gibst.“

Denn wir Frauen im Apothekenbereich halten die Stellung. Jeden Tag. Oft dreifach belastet. Oft ohne Applaus. Der Weltfrauentag erinnert mich daran, dass wir endlich anfangen sollten, uns selbst nicht länger klein zu denken.

Und wenn wir schon so viel für andere tun, dann dürfen wir am 8. März ruhig mal laut sein. Für uns. Und vielleicht eines Tages für einen Feiertag, der überall anerkennt, was Frauen leisten.

 

In diesem Sinne: Alles Gute zum Weltfrauentag – möge er uns alle stärken, verbinden und ein Stück weiter nach vorn bringen.