Wochenrückblick: Reformdebatten, Studien und BfArM-Warnung
Von PTA‑Reformstreit über Rassismusstudie im Gesundheitswesen bis zu neuen Digitalprojekten, Antibiotika‑Langzeitfolgen und einer wichtigen BfArM‑Warnung – das bewegte diese Woche die Branche.
ABDA und BVpta lehnen PTA‑Vertretungsregelung ab – Fokus auf Weiterqualifizierung
Die ABDA und der Bundesverband PTA (BVpta) sprechen sich klar gegen die im ApoVWG vorgesehenen Modellprojekte aus, nach denen PTA vorübergehend Apotheken leiten dürften. Beide Verbände fordern, diese Passagen ersatzlos zu streichen, und arbeiten stattdessen an einem gemeinsamen Konzept zur Weiterentwicklung des PTA-Berufs – unter anderem mit neuen Aufgaben in pharmazeutischen Dienstleistungen, besserem Zugang zum Pharmaziestudium und besseren finanziellen Rahmenbedingungen für die PTA‑Ausbildung. ABDA‑Präsident Thomas Preis betont: „PTA sind für öffentliche Apotheken unverzichtbar.“ Darüber hinaus macht er deutlich, dass er – aus seiner Sicht – die Weiterentwicklung des Berufs ohne Vertretungsbefugnis für notwendig hält und gemeinsam mit dem BVpta eine nachhaltige Reform anstrebt.
Auch der BVpta unterstreicht, dass die eigentliche Priorität nicht eine Leitungsvertretung, sondern echte berufliche Entwicklungsmöglichkeiten für PTA sind. BVpta‑Vorsitzende Anja Zierath erklärt: „‚Vertreten‘ zu dürfen war nie unser eigentliches, alleiniges Ziel.“ Sie hebt zudem hervor, dass der Verband – ihrer Aussage nach – die Bedenken der Apothekerschaft ernst nehme und auf gemeinsame Lösungen setze, etwa durch eine bundesweit einheitliche Weiterqualifikation, die sich auch in der Vergütung widerspiegeln müsse.
ePAMedix: Neues Digitalprojekt soll komplexe Medikation sicherer machen
Das neue Forschungsprojekt ePAMedix der Universität Duisburg‑Essen entwickelt eine digitale Lösung, um komplexe Medikationsschemata – zum Beispiel bei Epilepsie oder bipolaren Störungen – verständlich und eindeutig in der elektronischen Patientenakte (ePA) darzustellen. Gerade schrittweise Dosierungsanpassungen oder kontrolliertes Ausschleichen bergen hohe Risiken für Fehleinnahmen, wenn sie digital unklar abgebildet sind. Das Projekt wird mit 1,4 Millionen Euro bis Ende 2028 gefördert und verbindet systematische Literaturanalysen mit Interviews und Befragungen von Patient:innen, Ärzt:innen, Apotheker:innen und weiteren Akteur:innen.
Für Apothekenteams ist besonders relevant: Die Forschenden entwickeln ein differenziertes Anforderungsprofil für den digital gestützten Medikationsprozess, das ausdrücklich die Perspektive der Apothekerschaft einbezieht. Ziel ist eine praxisnahe digitale Darstellung, die Medikationswechsel, einschleichende Dosierungen und komplexe Therapieverläufe sicher nachvollziehbar macht und damit die Beratung im Alltag erleichtert. Ergänzend entstehen gesundheitspolitische Empfehlungen, um die Ergebnisse später in die Regelversorgung zu überführen.

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Rassismus im Gesundheitswesen: Neue Studie zeigt Ausmaß struktureller Diskriminierung
Eine Studie der Universität Witten/Herdecke wertet rund 800 Online‑Berichte über Erfahrungen im deutschen Gesundheitswesen aus und zeigt, dass rassistische Diskriminierung kein Einzelfall ist. Patient:innen berichten häufig, dass ihre Beschwerden aufgrund sprachlicher oder kultureller Zuschreibungen nicht ernst genommen oder falsch eingeschätzt wurden. Dies führte in vielen Fällen zu Fehldiagnosen, unzureichender Behandlung und wachsendem Misstrauen gegenüber medizinischem Personal und dem gesamten Gesundheitssystem. Zudem wurden rassistische Stereotype sowie mangelnde kulturelle Sensibilität als wiederkehrende Probleme identifiziert.
Besonders auffällig ist laut Studie die emotionale Intensität vieler Erfahrungsberichte, was nach Einschätzung der Forschenden zeigt, wie stark Diskriminierung das Vertrauen in die Versorgung beeinträchtigt. Die Analyse verdeutlicht, dass Rassismus sowohl auf individueller Ebene als auch strukturell im System verankert sein kann. Die Autor:innen betonen daher die Notwendigkeit größerer Diversität im Gesundheitspersonal sowie klarer Antidiskriminierungsstrukturen, um langfristig eine gerechtere und sichere Versorgung für alle Patient:innen zu gewährleisten.
Langzeitfolgen von Antibiotika auf den Darm
Eine aktuelle Studie aus Schweden zeigt, dass bestimmte Antibiotika den Darm über viele Jahre hinweg messbar beeinflussen können. Die Forschenden analysierten Mikrobiomdaten von fast 15.000 Erwachsenen und verknüpften sie mit Verordnungsdaten über einen Zeitraum von acht Jahren. Besonders deutlich waren die Veränderungen nach der Einnahme von Clindamycin, Fluorchinolonen und Flucloxacillin, die langfristig zu einer geringeren Artenvielfalt und veränderten Bakterienzusammensetzung führten. Andere Wirkstoffe wie Penicillin V oder Nitrofurantoin zeigten hingegen kaum nachhaltige Effekte. Die Autorenschaft betont: „Wir können sehen, dass Antibiotikanutzung selbst vor vier bis acht Jahren noch Spuren im Mikrobiom hinterlässt“, so Erstautor Gabriel Baldanzi, MD, MSc.
Für Apothekenteams ist besonders relevant, dass diese Ergebnisse die Bedeutung einer sorgfältigen Antibiotikaauswahl unterstreichen – nicht nur im Hinblick auf Resistenzentwicklung, sondern auch auf die langfristige Stabilität des Darmmikrobioms. Die Erkenntnisse können in der Beratung genutzt werden, um Patient:innen über mögliche Langzeitfolgen bestimmter Wirkstoffklassen zu informieren und die Bedeutung einer indikationsgerechten Verordnung hervorzuheben.
BfArM warnt vor Risiko durch nicht vollständig aufgelöste Vitamin‑D3/Fluorid‑Tabletten

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Das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) informiert über einen gemeldeten Todesfall eines Säuglings, bei dem der Verdacht auf eine Fremdkörperaspiration eines nicht vollständig aufgelösten Vitamin‑D3/Fluorid‑Tablettenfragments besteht. Um das Risiko einer versehentlichen Aspiration zu vermeiden, dürfen entsprechende Präparate bei Säuglingen und Kleinkindern ausschließlich vollständig aufgelöst und nur in den in der Gebrauchsinformation ausdrücklich genannten Flüssigkeiten – insbesondere Wasser – verabreicht werden. Andere Flüssigkeiten wie Milch oder Muttermilch können den Zerfall verzögern. Das BfArM fordert die Hersteller auf, Fach‑ und Gebrauchsinformationen zu prüfen und ruft Fachpersonal dazu auf, Eltern bei Verordnung und Anwendung besonders sorgfältig zu beraten.