Mehr als Tee: Kamille im Porträt
Ob als Tee, Creme oder Spray, innerlich oder äußerlich: Kamille ist ein echtes Multitalent. Erfahre hier, wie die Heilpflanze wirkt, wo sie hilft, was sie besonders macht und worauf bei der Anwendung zu achten ist.
Es gibt wohl kaum jemanden, der noch nie eine Zubereitung aus Kamille verwendet hat.
Die echte Kamille (lat. Matricaria recutita oder Matricaria chamomilla L.) gilt als eine der ältesten Heilpflanzen unseres Kulturkreises und wurde bereits in der Antike eingesetzt – ein echtes Allroundtalent.
Vorkommen und Aussehen
Die echte Kamille gehört zur Pflanzenfamilie der Korbblütler (lat. Asteraceae). Ursprünglich war sie in Süd- und Osteuropa heimisch, mittlerweile ist sie in ganz Europa verbreitet. Es handelt sich um eine einjährige, krautige Pflanze, die bis zu 50 cm hoch werden kann. Sie besitzt gefiederte Laubblätter und erinnert im Aussehen an ein Gänseblümchen. Der hohle, kegelförmige Blütenkorbboden trägt zahlreiche gelbe Röhrenblüten, umgeben von einem Kranz weißer Zungenblüten.
Alle Pflanzenteile verströmen einen starken, charakteristischen Geruch. Die Blütezeit reicht von Mai bis September, die Haupternte für pharmazeutische Zwecke liegt zwischen Juni und Juli.
Inhaltsstoffe und Wirkung
Pharmazeutisch verwendet werden fast ausschließlich die Kamillenblüten, da sie den höchsten Gehalt an ätherischem Kamillenöl enthalten. Dieses wird durch Wasserdampfdestillation gewonnen. Dabei entsteht durch chemische Prozesse die charakteristische Blaufärbung – aus Matricin entsteht durch Decarboylierung und Dehydrierung Chamazulen.

(Bildquelle: istock/PeterHermesFurian)
Weitere Inhaltsstoffe sind Flavonoide, Cumarine und Polysaccharide.
Die Kamille wirkt vor allem entzündungshemmend, wofür die Bestandteile α-Bisabolol und Chamazulen verantwortlich sind. Darüber hinaus besitzt sie antibakterielle, schleimhautschützende, wundheilungsfördernde, spasmolytische, karminative, leicht fungistatische und desodorierende Eigenschaften.
Die Wirkung hängt stark von der Zubereitungsart ab:
- In ethanolischen Auszügen lösen sich vor allem ätherische Öle und Flavonoide.
- In einem wässrigen Infus (Tee) werden hauptsächlich Schleimstoffe extrahiert.
Vielseitige Anwendugsgebiete
Laut der Kommission E des Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) besitzt die Kamille ein breites Anwendungsspektrum, sowohl innerlich als auch äußerlich.
- Innerlich: Tees und Extrakte helfen bei gastrointestinalen Spasmen und entzündlichen Erkrankungen des Magen-Darm-Trakts.
- Äußerlich: Dampfbäder oder Inhalationen lindern Atemwegsentzündungen.
- Haut und Schleimhäute: Salben, Cremes oder Umschläge mit Kamillenextrakten helfen bei Hautentzündungen und bakteriellen Infektionen.
- Mund- und Rachenraum: Spülungen bei Zahnfleischentzündungen oder Rachenschleimhautreizungen
- Genital- und Analbereich: Bäder und Spülungen bei entzündlichen Erkrankungen
Nicht umsonst wurde die echte Kamille 1987 zur ersten Heilpflanze des Jahres gekürt.
Präparate aus der Apotheke
In der Offizin gibt es zahlreiche Mono- und Kombipräparate, die Kamille enthalten. Hochwertige Kamillenblüten-Arzneiteepräparate in Arzneibuchqualität gibt es zum Beispiel von Sidroga, Bombastus, Salus oder H&S. Auch in zahlreichen Teemischungen ist Kamille ein wichtiger Bestandteil. Alkoholische Kamillenextrakte sind in Kamillosan®, in Kamillin® oder in Kamillan® supra enthalten.
Es gibt Konzentrate, Badezusätze, Salben, Cremes oder Mund- und Rachensprays. Im Kamistad® Gel bei Zahnfleischentzündungen und Aphthen ist neben dem Kamillenextrakt noch Lidocain enthalten.
In den bekannten Magen-Darm-Mitteln Iberogast®, Gasteo®, Pascoeventral® sowie im Erkältungsmittel Imupret® ist ebenfalls ein Auszug aus Kamillenblüten enthalten.
Was man vermeiden sollte
Kamillenzubereitungen sollten nicht bei Augenentzündungen angewendet werden, es besteht die Gefahr eines Lidrandekzems.
Auch bei einer Allergie gegen Korbblütler ist die Anwendung kontraindiziert.