Wochenrückblick: GKV-Sparpläne, Teil-Krankschreibung & Fieberleitlinie
Politik, Praxis, Prävention: Diese Woche geht’s unter anderem um GKV-Sparpläne, neue Ideen bei Krankschreibung, Fieberberatung und mögliche Handschuh-Engpässe.
GKV-Spargesetz: ABDA warnt vor „irreparablem Schaden“
Die ABDA hat ihre Stellungnahme zum geplanten GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetz vorgelegt: Das Ziel, die GKV-Finanzen zu stabilisieren, wird grundsätzlich unterstützt, die konkrete Ausgestaltung aber scharf kritisiert. Aus Sicht der ABDA würden Apotheken überproportional belastet, während wirksamere Alternativen wie beispielsweise die Steuerfinanzierung versicherungsfremder Leistungen nicht konsequent genutzt würden. Besonders brisant: Die ABDA stellt heraus, dass das Packungsfixum seit 2013 eingefroren ist und Apotheken dadurch bereits erhebliche Einsparungen mitgetragen hätten – gleichzeitig würden Kürzungen nun gesetzlich festgeschrieben, während Honoraranpassungen politisch zwar angekündigt, aber nicht verlässlich verankert seien.
Teil-Krankschreibung & Teil-Krankengeld
Ein Vorschlag aus der sogenannten Warken-Kommission sorgt für Debatte: Neben der klassischen Krankschreibung könnte es künftig häufiger „teilweise arbeitsfähig“ geben – mit einem Teil-Krankengeld, das den Einkommensverlust abfedert. Das klingt nach mehr Flexibilität, birgt aber auch Risiken: Wer krank ist, könnte sich unter Druck gesetzt fühlen, zu früh wieder einzusteigen. Für Apothekenteams ist das Thema nicht nur privat relevant, es passt auch zur Realität in vielen Betrieben, in denen Personalmangel und hohe Belastung ohnehin ein Dauerthema sind.
Studie kontert „AU-Missbrauch“-Narrativ
Passend dazu liefert eine neue Studie der Universitätsmedizin Mannheim eine spannende neue Erkenntnis: Immer mehr Menschen gehen eher trotz Krankheit zur Arbeit, als dass sie sich „zu Unrecht“ krankmelden. In der Erhebung gaben 67,2 % an, trotz Krankheit gearbeitet zu haben, „falsche“ Krankmeldungen wurden (je nach Befragungsmethode) deutlich seltener berichtet. Zusätzlich gab es eine entscheidende Erkenntnis: Telefonische Krankschreibungen spielten für Missbrauch keine zentrale Rolle. Viel stärker verknüpft waren die Befunde mit Arbeitsstress, Rollenkonflikten und geringer Bindung an die Arbeit.
Neue Leitlinie: Fieber bei Kindern nicht reflexhaft senken
Im HV ist das ein Dauerbrenner: Eine neue S3-Leitlinie zum Fiebermanagement bei Kindern und Jugendlichen setzt einen klaren Schwerpunkt, denn nicht die Zahl auf dem Thermometer, sondern das Befinden und mögliche Warnzeichen sollen die Entscheidung pro oder contra fiebersenkender Medikamente leiten. Fiebersenker sind demnach vor allem zur Beschwerdelinderung da, nicht zur „Temperaturkosmetik“. Für die Beratung heißt das: die Eltern gezielt nach Alarmzeichen fragen und Dosierung und Intervalle der jeweiligen Medikamente ruhig und sachlich erklären. In den Apotheken sollte auch vermittelt werden, dass Fieber oft eine sinnvolle Abwehrreaktion des Körpers ist.
Irankrieg – drohender Engpass bei Einweghandschuhen
Ein Thema wird derzeit wieder aktuell, das viele noch aus der Pandemie kennen: Einweghandschuhe könnten knapp werden, als Folge gestörter Lieferketten und knapper petrochemischer Vorprodukte. Kliniken und Gesundheitsbereiche warnen bereits vor Preis- und Verfügbarkeitsproblemen. Für Apotheken ist das praktisch relevant, weil Handschuhe zu den Basis- Verbrauchsmaterialien und zur Versorgung mit Pflegehilfsmitteln zwingend dazugehören: Wer jetzt seine Lagerbestände und den Bestellrhythmus prüft, verhindert möglicherweise böse Überraschungen.
ePA/E-Rezept bald nicht mehr auf vielen „alten“ Android-Handys
Ab dem 1. Juli 2026 sollen mehrere Krankenkassen den App-Zugang zu ePA und E-Rezept auf Smartphones mit Android 13 oder älter sperren. Der Hintergrund sind strengere BSI-Sicherheitsvorgaben, weil für ältere Systeme irgendwann keine Sicherheitsupdates mehr kommen. Für Apotheken heißt das: die Kunden frühzeitig informieren und Alternativen wie beispielsweise ein Geräte-/OS-Update oder – je nach Kasse – Nutzung anderer Zugangswege aufzeigen und erklären.
Fun Fact der Woche
Das bisher älteste Cannabis kommt aus Sachsen-Anhalt. Kein spezielles Apothekenthema, aber dennoch kurios: Ein Cannabis-Pflanzenfossil aus der Nähe von Eisleben wurde neu datiert und soll 56 bis 48 Millionen Jahre alt sein. Beruhigend: Dieses Cannabis ist so uralt, dass sich jede Haltbarkeitsdiskussion erledigt.