Wochenrückblick: Neues zu Honorar, PTA-Vertretung und Asthma

Honorar und Rendite: Zwischen politischer Hoffnung und harten Zahlen spitzt sich die Lage zu. Dazu Tarifstart in NRW, Streit um PTA-Vertretung, neue Debatte zu Medizinalcannabis – plus Updates zu Asthma und Migräne.

Honorar: BMG plant zweistufige Erhöhung

Beim Apothekenhonorar deutet sich ein zweistufiges Vorgehen an: Nach einem Bericht der Pharmazeutischen Zeitung (PZ) soll das Packungsfixum zum 1. Juli 2026 auf 8,92 Euro steigen. Eine zweite Erhöhungsstufe ist demnach ebenfalls vorgesehen, könnte aber zeitlich versetzt kommen – entweder zum 1. Januar 2027 oder erst zum 1. Juli 2027. Über den Fahrplan werde noch zwischen Bundesgesundheitsministerium (BMG) und dem formal zuständigen Wirtschaftsministerium verhandelt. Es gibt also endlich eine Bewegung in der Sache. Eine verlässliche Perspektive, wann welcher Schritt greift, ist aber noch nicht endgültig fix. 

Apothekenwirtschaftsbericht: Umsatzrendite rutscht auf neues Tief

Parallel zur geplanten Honorarerhöhung liefert der neue Apothekenwirtschaftsbericht ein eher ernüchterndes Lagebild. Die Umsatzrendite einer durchschnittlichen Apotheke sank 2025 auf 4,2 % des Netto-Umsatzes (4,00 Mio. Euro). Zum Vergleich: 2024 lagen die Werte bei 4,4 %, zehn Jahre zuvor (2015) bei 6,5 %. Das bedeutet, dass der wirtschaftliche Puffer stetig dünner wird. Damit werden Investitionen zur Personalbindung, Digitalisierung, Modernisierung oder auch Fortbildung im Zweifel zukünftig schneller zur Zitterpartie. 

Tarifrunde NRW: Auftakt zwischen ADEXA und TGL Nordrhein

Auch beim Thema Gehalt kommt Bewegung ins Spiel. Die Apothekengewerkschaft ADEXA und die Tarifgemeinschaft der Apothekenleiter (TGL) Nordrhein sind in die neue Runde gestartet: Der bestehende Gehaltstarifvertrag wurde fristgerecht zum 30. Juni 2026 gekündigt, die erste Verhandlungsrunde fand am 29. April 2026 statt. In der Auftaktrunde wurden zunächst die Positionen abgesteckt. Ein Ergebnis liegt naturgemäß noch nicht vor. Die nächsten Wochen entscheiden nun, ob es bei der Entlohnung echte Fortschritte gibt, oder ob das Thema weitergeschoben wird, bis die Apothekenreform greifbarer wird. 

PTA-Vertretung: 10-Minuten-Modell statt echter Entlastung?

Die (berufs-)politisch heiß diskutierte PTA-Vertretung wirkt derweil zunehmend wie ein Kompromiss mit angezogener Handbremse. Ein Änderungsantrag deutet darauf hin, dass die Vertretung nur noch sehr kurzfristig möglich sein soll – konkret steht eine Begrenzung auf „zehn Minuten“ im Raum. Damit würde aus dem ursprünglich erwarteten Entlastungsinstrument ein Modell, das im Alltag zwar einzelne Engstellen überbrücken kann, strukturelle Personalprobleme aber kaum abfedert. Auch eine gesteigerte Attraktivität für Berufsanfänger ist so nicht zu erwarten.

Medizinalcannabis: Streit um GKV-Erstattung für Blüten spitzt sich zu

Die Debatte um Medizinalcannabis gewinnt an Schärfe: Berliner Apotheker der Bezirksapotheke stellen sich gegen Überlegungen, Cannabisblüten aus der GKV-Erstattung zu nehmen, und unterstützen eine Petition. Sie betonen, dass die Versorgung mit Cannabisarzneimitteln längst strukturierte Apothekenarbeit ist – mit hohen Anforderungen an Beratung, Dokumentation und Qualitätssicherung. Blüten seien zudem in der Praxis nicht immer durch Extrakte oder Fertigarzneimittel ersetzbar, etwa wenn ein schneller Wirkeintritt benötigt wird. 

Die Verbände befürchten Versorgungseinbußen für schwerkranke Patient:innen sowie Kostenverlagerungen durch Therapieumstellungen oder Abbrüche.
Derweil zeigt ein Blick nach Neuss, wie präsent das Thema auch außerhalb der Versorgung ist: Dort wird über ein geplantes Cannabis-Fachgeschäft berichtet, inklusive Verweis auf wissenschaftliche Begleitung.

Therapie-Update: Depemokimab – Biologikum gegen schweres Asthma

Aus der Arzneimittelwelt kommt ein bemerkenswertes Convenience-Update: Depemokimab (Anti-IL-5) ist als ultralang wirksames Biologikum verfügbar und wird nur zweimal pro Jahr subkutan injiziert – für Patient:innen mit schwerem Asthma bzw. chronischer Rhinosinusitis mit Nasenpolypen. Für die Beratung zählt hier weniger „das Neue an sich“ als die Konsequenz: weniger Injektionstermine, dafür verstärktes Monitoring der Patienten inklusive Schulung und Erwartungsmanagement. 

Migräneprophylaxe: Candesartan liefert Rückenwind aus neuen Daten

Auch ein „alter Bekannter“ bekommt derzeit neue Aufmerksamkeit: In einer Studie reduzierten 8 mg Candesartan täglich die Migränetage im Mittel um 2,2 pro Monat gegenüber Placebo. Die häufigste Nebenwirkung war Benommenheit. Therapieabbrüche traten ähnlich häufig wie unter Placebo auf. Für den HV ist das vor allem Gesprächsstoff für Patient:innen, die eine Prophylaxeoption jenseits klassischer Migräne-Spezialmedikamente suchen – mit dem üblichen Blick auf Blutdruck, Schwindel/Orthostase und Komedikation.

Bundesrat stoppt 1000-Euro-Entlastungsprämie

Der Bundesrat hat die geplante steuer‑ und abgabenfreie Entlastungsprämie von bis zu 1.000 Euro für Beschäftigte vorerst gestoppt und dem zustimmungspflichtigen Gesetz nicht zugestimmt. Hauptstreitpunkt sind die Kosten: Die Länder kritisieren, dass sie zusammen mit den Kommunen fast zwei Drittel der Steuerausfälle tragen müssten, während der Bund nur teilweise gegenfinanziert. Vertreter der Länder sprachen von Steuermindereinnahmen in Milliardenhöhe und warfen dem Bund vor, erneut finanzielle Lasten nach unten weiterzureichen.

Auch Wirtschafts- und Arbeitgeberverbände hatten die freiwillige Prämie als kaum finanzierbar kritisiert, während Gewerkschaften bemängelten, dass es sich lediglich um eine einmalige Zahlung ohne nachhaltige Einkommenswirkung handele. Die Bundesregierung bedauerte die Entscheidung, hält aber an der Prämie als schneller Entlastungsoption fest und kündigte weitere Gespräche mit den Ländern sowie mögliche nächste Schritte an.

Assistierte Telemedizin in Apotheken

Ab dem 1. Juli 2026 könnte die assistierte Telemedizin in Apotheken starten, nachdem ein notwendiges Schiedsverfahren die Vergütung festgelegt hat, berichtet der Deutsche Apothekerverband (DAV). Versicherte haben laut Sozialgesetzbuch grundsätzlich Anspruch auf diese Leistung, der entsprechende Schiedsspruch muss allerdings noch vom Bundesgesundheitsministerium bestätigt werden. Geplant ist unter anderem ein strukturiertes medizinisches Ersteinschätzungsverfahren zur Vorbereitung von Videosprechstunden, die Apotheken in geschützten Beratungsräumen anbieten können. Aus Sicht des DAV ermöglicht das vielen Patientinnen und Patienten eine wohnortnahe, digitale Anbindung an Arztpraxen und unterstreicht zugleich die Rolle der Apotheken als niedrigschwelliger und zentraler Versorgungsort im Sinne der Digitalisierungsstrategie „Gemeinsam Digital 2026“. Wie die PZ berichtet, können Apotheken für die aTM künftig einen Pauschalbetrag von anfangs 30 Euro abrechnen.