Boarding completed, Impfschutz auch
Reise geplant? Welche Impfungen wirklich nötig sind, wann sie erfolgen sollten und worauf Apothekenteams achten müssen – ein kompakter Überblick für die reisemedizinische Beratung.
Reiseimpfungen: Was vor Fernreisen wichtig ist
Wer ins Ausland reist, sollte nicht nur an Sonnencreme und Mückenschutz denken, sondern auch an den Impfstatus. Grundlage jeder reisemedizinischen Beratung sind zunächst die Standardimpfungen nach nationalem Impfkalender, also etwa Schutz gegen Tetanus, Diphtherie, Pertussis, Polio und Masern. Erst darauf bauen die eigentlichen Reiseimpfungen auf. Relevant ist besonders die Hepatitis-A-Impfung, denn Hepatitis A zählt mit zu den häufigsten Infektionen auf Reisen. Empfohlen wird sie für Reisen in Länder mit hoher oder mittlerer Endemizität, also für große Teile Asiens, Afrikas sowie Mittel- und Südamerikas. Auch an Hepatitis B sollte gedacht werden, vor allem bei längeren Aufenthalten, möglichen Sexualkontakten oder medizinischen Maßnahmen vor Ort.
Besondere Impfungen für besondere Ziele
Welche zusätzliche Impfung sinnvoll ist, hängt stark vom Reiseziel, der Reiseart und der Aufenthaltsdauer ab. An Typhus sollte vor allem bei Reisen nach Südasien, aber auch in viele Regionen Afrikas, Mittel- und Südamerikas gedacht werden – besonders bei einfachen Hygienebedingungen, Rucksackurlauben oder engem Kontakt zur lokalen Bevölkerung. Eine Gelbfieber-Impfung kommt bei Reisen in Risikogebiete des tropischen Afrikas und Südamerikas infrage. In manchen Ländern ist der Nachweis der Impfung sogar eine Einreisevoraussetzung. Die Japanische-Enzephalitis-Impfung ist vor allem für längere Aufenthalte in Endemiegebieten Asiens und des westlichen Pazifiks relevant, insbesondere bei Reisen in ländliche Regionen während der Übertragungssaison. Eine Tollwut-Präexpositionsimpfung sollte immer dann erwogen werden, wenn Reisende engen Tierkontakt erwarten oder in abgelegene Gebiete mit erschwerter postexpositioneller Versorgung fahren.
Impfzeitpunkt von großer Bedeutung
Wichtig ist die zeitliche Planung. Idealerweise erfolgt die reisemedizinische Beratung vier bis sechs Wochen vor der Abreise, besser noch früher. Einige Impfstoffe benötigen mehrere Dosen, andere müssen eine bestimmte Frist vor der Einreise oder Exposition einhalten. Für Typhus muss die intramuskuläre Impfung mindestens zwei Wochen vor Reisebeginn erfolgen, die orale Impfserie mindestens eine Woche vor Exposition abgeschlossen sein. Auch die Gelbfieber-Impfung gilt für internationale Nachweise erst zehn Tage nach der Impfung als wirksam. Bei unterschiedlichen Lebendimpfstoffen ist außerdem zu beachten: Werden sie nicht am selben Tag verabreicht, sollte zwischen zwei parenteralen Lebendimpfstoffen in der Regel ein Abstand von mindestens 28 Tagen liegen. Zwischen Gelbfieber- und MMR-Impfung kann, wenn möglich, ein Abstand von 30 Tagen sinnvoll sein.
Selbst bei kurzfristiger Abreise ist eine Beratung sinnvoll, es ist nie zu spät für eine reisemedizinische Konsultation. Manche Impfungen lassen sich noch kurz vor Reisebeginn verabreichen, und Prioritäten können dann nach individuellem Risiko gesetzt werden. Für Hepatitis A gilt zudem: Auch eine späte Impfung kann noch sinnvoll sein. Bei bestimmten Risikogruppen kann bei sehr kurzfristiger Reise zusätzlich die Gabe eines Immunglobulins erwogen werden. Für Eltern wichtig: Kinder benötigen je nach Alter teils angepasste Reise-Impfschemata und auch bei ihnen sollten Standard- und Reiseimpfungen frühzeitig abgestimmt werden.
Die Beratungsrelevanz der Apothekenteams
Für Apothekenteams liegt eine wichtige Aufgabe darin, realistische Erwartungen zu vermitteln. Nicht jede Reiseimpfung ist für jede Person sinnvoll und kein Impfstoff ersetzt Hygieneregeln oder Expositionsprophylaxe. Typhusimpfstoffe schützen beispielsweise nicht vollständig, sodass Hinweise zu Trinkwasser-, Lebensmittel- und Handhygiene unverzichtbar bleiben. Ebenso wichtig ist die Beratung zu Mückenschutz, weil Erkrankungen wie Dengue oder Malaria durch Impfungen oft gar nicht oder nur sehr eingeschränkt abgedeckt sind.
Das pharmazeutische Personal sollte außerdem darauf hinweisen, dass Impfdokumente und Einreisebestimmungen frühzeitig geprüft werden und die Kund:innen sich bei komplexen Reiserouten, Schwangerschaft, Immunsuppression oder Vorerkrankungen ärztlich reisemedizinisch beraten lassen.
Wichtige Vorbereitungen auf den Hajj
Ein Sonderfall ist die Pilgerfahrt nach Mekka. Für den Hajj ist nach den saudischen Gesundheitsvorgaben für 2026 für alle Pilgerinnen und Pilger sowie saisonale Arbeitskräfte eine Meningokokken-Impfung mit einem quadrivalenten ACYW-Konjugat- oder Pentavalenz-Impfstoff vorgeschrieben. Sie muss mindestens zehn Tage vor Ankunft erfolgt sein und ist je nach Impfstoff drei oder fünf Jahre gültig. Zusätzlich können – abhängig von Herkunftsland und aktueller Vorgabe – Nachweise zu Polio, Gelbfieber oder COVID-19 verlangt werden. Empfohlen werden außerdem ein aktueller Influenza-Impfschutz und ein vollständiger Schutz mit Standardimpfungen. Gerade wegen der großen Menschenmengen und des Infektionsrisikos gilt hier besonders: Früh planen, Vorgaben jährlich prüfen und Reisende gezielt vorbereiten.