Wann, was, wie – die unterschiedlichen Magnesiumsalze

Magnesiumpräparate gibt es in Hülle und Fülle und sie gehen sehr häufig über den HV-Tisch. Doch welches Präparat mit welchem Magnesium-Salz ist wann die beste Wahl? AMIRA hat die Lösung für dich.

Im Körper eines Erwachsenen sind circa 28 g Magnesium erhalten, davon ist der größte Teil in den Knochen sowie in den Muskeln gespeichert. Nach Kalium ist es das mengenmäßig zweithäufigste interzelluläre metallische Element in unserem Körper und erfüllt vielfältige Aufgaben. Magnesium fungiert als Cofaktor von über 600 verschiedenen Enzymen, es ist an Reaktionen der Energiebereitstellung sowie an der Protein- und Nucleinsäuren-Synthese beteiligt. Als Calciumantagonist setzt Magnesium den Tonus von Muskelzellen herab. Es stabilisiert darüber hinaus biologische Membranen, beeinflusst die Zelladhäsion, moduliert Ionenpumpen und -kanäle und ist wichtig für die Mineralisierung und das Wachstum des Knochens.

Eine unzureichende Versorgung (beispielsweise durch erhöhten Verlust oder erhöhtem Bedarf) kann zu Mangelsymptomen wie Muskelkrämpfe, Magen-Darm-Beschwerden (z. B. Übelkeit), nervöse Beschwerden wie Kopfschmerz oder Nervosität, Herzprobleme wie Herzrhythmusstörungen oder Tachykardie, vorzeitige Wehen in der Schwangerschaft, brüchige Fingernägel und Menstruationsbeschwerden führen.

Chemie & Bioverfügbarkeit

Im Periodensystem der Elemente steht Magnesium (abgekürzt Mg), in der zweiten Hauptgruppe und gehört somit zu den Erdalkalimetallen. Das zweiwertige Magnesium liegt in der Regel immer gebunden an ein Anion in Form von Salzen vor. Bei den Verbindungen unterscheidet man zwischen anorganischen Mg-Verbindungen (z. B. Oxid, Carbonat, Sulfat, Phosphat) und organischen Mg-Verbindungen (z. B. Aspartat, Citrat, Orotat, Gluconat, Aspartat-hydrochlorid). 

Laut Untersuchungen existieren hinsichtlich ihrer Bioverfügbarkeit große Unterschiede. Resorbiert wird im Darm nur das reine Magnesiumion. Deshalb spielt die Löslichkeit eine Rolle. Organische Verbindungen sind wesentlich besser wasserlöslich als die anorganischen. Dies bedeutet aber nicht, dass die anorganischen Verbindungen gar nicht aufgenommen werden, ihre Resorption erfolgt langsamer. Weiterhin haben die anorganischen Verbindungen einen höheren Gehalt an Magnesium. Beispielsweise sind in 300 mg Magnesiumoxid 180 mg elementares Magnesium enthalten, in 300 mg Magnesiumglycinat hingegen nur 42mg. Bei den unterschiedlichen Arzneiformen kann dies entscheidend sein, wenn man nur geringe Volumina (Kapseln verglichen mit Trinkgranulat) bei der Herstellung zur Verfügung hat.
Die begrenzten Studien hinsichtlich der Bioverfügbarkeit kommen zu dem Schluss, dass anorganische Verbindungen (Oxid, Sulfat, Carbonat) mit Ausnahme der Chlorid-Verbindungen eine wesentlich schlechtere Bioverfügbarkeit haben als die organischen (Citrat, Aspartat, Aspartat-hydrochlorid, Gluconat, Aminosäure-Komplexverbindungen) und deshalb bei der Supplementierung zu bevorzugen sind.

Allerdings konnte im Tierversuch festgestellt werden, dass die Magnesiumverbindungen im Darm kurz vor der Resorption gelöst vorliegen, egal aus welchem Salz sie kommen. Die tatsächliche Resorptionsrate hängt noch von verschiedenen anderen Faktoren ab.

Aufnahme von Magnesium 

Magnesium ist in vielen Lebensmitteln (z. B. Bananen, Brokkoli, Bitterschokolade, Vollkornprodukte, Kartoffeln, Naturreis, Nüsse, Hülsenfrüchte Sonnenblumenkerne) enthalten. Dennoch kann es schwierig werden den täglichen Bedarf zu decken, gerade wenn Verlust oder Bedarf erhöht sind. Die Resorption findet laut neueren Erkenntnissen im gesamten Darm durch zwei verschiedene Prozesse statt, zum einen durch einen Carrier-vermittelten Prozess an einem bestimmten Ionenkanal und zum anderen parazellulär durch passive Diffusion. Ersteres ist sehr effektiv, aber schneller erschöpft, aufgrund einer sehr begrenzten Menge des Transportproteins. 

(Bildquelle: istock/beats3)

Weniger effektiv ist die Aufnahme durch Diffusion, bei größerer Zufuhr steigt sie linear an. Die höchste Resorptionskapazität besitzt das Ileum, gefolgt von Colon und Jejunum. Ausgeschieden wird Magnesium vor allem renal, dabei werden aber 95 Prozent des primär filtrierten Magnesiums reabsorbiert (Homöostase). Je höher die Magnesiumzufuhr, desto geringer wird die Resorptionsrate. Kleinere Mengen werden also besser aufgenommen als größere. Daher ist es sinnvoller, in mehreren kleinen, statt einer großen Dose zu substituieren. Phosphate, Phytate und Oxalate aus Lebensmitteln verschlechtern ebenfalls die Aufnahme, da sie mit Magnesium unlösliche Komplexe bilden genauso wie Fette aus der Nahrung. 

Hilfe aus der Apotheke: Was kann wann empfohlen werden?

In den Apotheken gibt es viele verschiedene Produkte von unterschiedlichen Herstellern, in unterschiedlichen Stärken und mit unterschiedlichen Magnesiumverbindungen bzw. -salzen. Doch welche sollte gewählt werden? Was sicherlich entscheidend bei der Auswahl eines geeigneten Präparates sein sollte, ist die Adhärenz des Kunden. Wird ein Präparat ohne Geschmack bevorzugt, sind Direkt- oder Brausegranulate oder -tabletten eher ungeeignet, auch wenn sie organische Verbindungen enthalten. Genauso wenn ein Kunde angibt, dass er nicht mehrmals täglich an die Einnahme denken kann, sondern ein Produkt möchte, das einmal täglich einzunehmen ist. Wer Schwierigkeiten hat, eine Kapsel oder Tablette zu schlucken, wird dankbar für die Empfehlung eines Trinkgranulates oder einer Brause- oder Lutschtablette sein.

Hier eine kleine Übersicht an Magnesiumverbindungen und -präparaten, die teilweise auch Kombinationen aus sowohl organischen als auch anorganischen Magnesiumverbindungen enthalten:

Magnesiumoxid ist (u. a.) enthalten in Magnetrans® forte von Stada, Magnesium Diasporal® extra Kapseln von Protina, Biolectra® Magnesium Ultra Kapseln von Hermes, Magnesium-ratiopharm®, Hermes Cevitt Magnesium Brausetabletten und in Magnesium Verla® 400 Complex Direktgranulat und Kapseln von Verla.

Magnesiumcitrat ist (u. a.) enthalten in Magnesium Diasporal® Granulat von Protina sowie in verschiedenen Darreichungsformen bzw. Produkten von Magnesium Verla® (Kautabs, N Dragées, 300 uno Trinkgranulat, direkt Direktgranulat Typ Citrus oder Himbeere, purKaps , 400 complex Kapseln).

Magnesiumaspartat ist enthalten in Magnesiocard® 2,5mmol von Verla, Magnesium Verla® Brausetabletten, Magnesium Verla® Konzentrat

Magnesiumglutamat ist ein Wirkstoff, der in Magnesium Verla® N Dragées enthalten ist.

Magnesiumcarbonat ist enthalten in Taxofit® Magnesium 400 Tabletten von Klosterfrau sowie in Cebion® Magnesium plus Brausetabletten von Wick.

Magnesiumglycinat ist zu finden in Magnesium loges® Kapseln, in Vitagamma® D3 Duo von Wörwag und in PURE Encapsulations® Magnesiumglycinat von pure.

Das anorganische Magnesiumsulfat wird nur noch selten als Abführmittel vor Fastenkuren abgegeben. Zur Magnesiumsubstitution ist es gänzlich ungeeignet.