Wochenrückblick: Linnemann kommt zum Deutschen Apothekertag
Diese Woche im Fokus stehen Linnemanns Besuch beim Deutschen Apothekertag, neue Abnehmtabletten, Hitzeschutz für Herzpatienten sowie aktuelle Entwicklungen in Versorgung und Umwelt.
Linnemann kündigt Besuch beim Deutschen Apothekertag an
ABDA-Präsident Thomas Preis und Hauptgeschäftsführerin Franziska Erdle haben sich zu einem ersten Auftaktgespräch mit dem neuen Bundesgesundheitsminister Dr. Carsten Linnemann (CDU) getroffen. Dabei betonte die ABDA die Bedeutung der Apotheken für die Arzneimittelversorgung und als mittelständischer Wirtschaftsfaktor. Zu den angesprochenen Themen zählten unter anderem die Regulierung des Arzneimittelversandhandels sowie die stärkere Einbindung der Apotheken in die Primärversorgung. Minister Linnemann sagte zudem seine Teilnahme am diesjährigen Deutschen Apothekertag in München zu und wird dort am 15. September ein Grußwort halten. Beide Seiten bezeichneten das Gespräch als konstruktiv und signalisierten den Wunsch nach einer weiterhin engen Zusammenarbeit.
Orforglipron: Neue Abnehmtablette in Großbritannien zugelassen
Der Markt für orale Arzneimittel zur Gewichtsreduktion kommt in Bewegung: Nachdem Novo Nordisk im Juli die EU-Zulassung für die Semaglutid-haltige Wegovy®-Tablette erhalten hat und den Markteintritt in Deutschland für September plant, hat Großbritannien nun als erstes europäisches Land Eli Lillys Tablettenpräparat Foundayo™ mit dem neuen Wirkstoff Orforglipron zugelassen. Die Zulassung umfasst sowohl das Gewichtsmanagement bei Adipositas als auch die Behandlung von Typ-2-Diabetes. Damit intensiviert sich der Wettbewerb zwischen den beiden Herstellern auch im Bereich der oral verfügbaren GLP-1-Rezeptoragonisten.
Pharmakologisch unterscheiden sich die Präparate deutlich: Während Semaglutid ein Peptidwirkstoff ist, der aufgrund seiner Resorption spezielle Einnahmevorgaben erfordert, handelt es sich bei Orforglipron um einen nicht peptidischen GLP-1-Rezeptoragonisten. Für Patient:innen könnte dies Vorteile bei der Anwendung bieten, da die einmal tägliche Einnahme von Orforglipron unabhängig von Mahlzeiten und Tageszeit erfolgen kann. Beide Präparate werden einschleichend dosiert und sind nur in Kombination mit einer kalorienreduzierten Ernährung und mehr körperlicher Aktivität vorgesehen.
Hitze erhöht Risiko für Herz-Kreislauf-Patienten
Die Deutsche Herzstiftung warnt in einer aktuellen Meldung angesichts zunehmender Hitzewellen vor den gesundheitlichen Risiken für Menschen mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Besonders gefährdet sind ältere Menschen sowie Patient:innen mit Herzinsuffizienz, KHK, Bluthochdruck, Herzrhythmusstörungen, Diabetes oder Nierenerkrankungen. Hohe Temperaturen belasten den Kreislauf zusätzlich: Durch Gefäßerweiterung, Flüssigkeits- und Elektrolytverluste kann der Blutdruck absinken, während das Herz stärker arbeiten muss. Mögliche Warnzeichen sind Schwindel, Erschöpfung, Herzrasen, Luftnot, Brustenge, Verwirrtheit oder ein deutlich verminderter Harndrang.
Für Apothekenteams bietet das Thema wichtige Anknüpfungspunkte in der Beratung: Betroffene sollten auf ausreichende, individuell abgestimmte Flüssigkeitszufuhr achten, Blutdruck und Puls regelmäßig kontrollieren und Medikamente nicht eigenständig anpassen. Besonders bei der Einnahme von Diuretika oder Antihypertensiva kann in Hitzeperioden eine ärztliche Überprüfung der Dosierung erforderlich sein. Zudem empfiehlt die Herzstiftung, auf einen ausgeglichenen Elektrolythaushalt zu achten und Warnzeichen eines Hitzschlags ernst zu nehmen. Bei Symptomen wie Brustschmerzen, schwerer Atemnot, Ohnmacht oder neurologischen Ausfällen ist umgehend der Notruf zu wählen.
Blutdrucktherapie im hohen Alter: Individualisierung statt starrer Zielwerte
Der renommierte Geriater und Kardiologe Prof. Dr. Athanase Benetos plädiert für ein Umdenken in der Blutdrucktherapie bei hochbetagten und gebrechlichen Menschen. Grundlage ist die von ihm geleitete französische RETREAT-FRAIL-Studie mit mehr als 1.000 Pflegeheimbewohnern. Darin wurde untersucht, ob eine schrittweise Reduktion blutdrucksenkender Medikamente unter engmaschiger ärztlicher Kontrolle sicher möglich ist. Das Ergebnis: Über einen Zeitraum von drei Jahren zeigten sich keine Unterschiede bei Sterblichkeit oder schweren Herz-Kreislauf-Komplikationen im Vergleich zur unveränderten Fortführung der Therapie. Nach Einschätzung von Benetos kann eine gezielte Reduktion der Medikation bei ausgewählten Patienten dazu beitragen, Arzneimittelbelastung und potenzielle Wechselwirkungen zu verringern.
Gleichzeitig betont der Experte, dass die Studienergebnisse kein Freibrief für ein pauschales Absetzen antihypertensiver Arzneimittel sind. Vielmehr sollten Nutzen und Risiken der Behandlung regelmäßig überprüft und an die individuelle Situation älterer Menschen angepasst werden. Besonders bei gebrechlichen Patienten sowie bei niedrigen systolischen Blutdruckwerten unter 130 mmHg können Nebenwirkungen einer intensiven Blutdrucksenkung stärker ins Gewicht fallen.
Steuer-ID könnte künftig auch im Gesundheitswesen zum Einsatz kommen
Die Bundesregierung plant, die persönliche Identifikationsnummer (IdNr) künftig stärker im Gesundheitswesen einzusetzen. Ziel ist es, Patienten unabhängig von Krankenkasse oder Versicherungsstatus eindeutig zu identifizieren und damit Verwaltungsprozesse zu vereinfachen. Zum 1. Januar 2027 sollen entsprechende rechtliche Änderungen umgesetzt werden.
Nach Ansicht der Befürworter könnten so Doppelstrukturen reduziert, digitale Anwendungen effizienter gestaltet und vorhandene staatliche Systeme besser genutzt werden. Für Apothekenteams könnte die Maßnahme perspektivisch vor allem im Zuge der fortschreitenden Digitalisierung relevant werden, etwa bei der eindeutigen Zuordnung von Gesundheitsdaten oder der Verknüpfung digitaler Versorgungsangebote.
Niedrigwasser erhöht Arzneimittelbelastung in Flüssen
Die anhaltende Trockenheit und sinkende Wasserstände in Rhein und Ruhr führen zu einem Anstieg von Arzneimittelrückständen in den Gewässern. In Mülheim an der Ruhr wurde beim Blutdrucksenker Candesartan eine Konzentration von 0,67 µg/L gemessen und damit die Meldeschwelle von 0,3 µg/L um mehr als das Doppelte überschritten. Das Landesumweltamt hat deshalb eine Warnmeldung herausgegeben, die sich insbesondere an Trinkwasserversorger richtet, die Flusswasser über Uferfiltration für die Trinkwassergewinnung nutzen.
Candesartan gelangt vor allem über kommunale Kläranlagen in die Flüsse und gilt als stark wassergefährdend. Nach Angaben der Behörden kann der Wirkstoff Wasserorganismen schädigen und unter anderem chronische toxische Effekte bei Fischen verursachen. Der aktuelle Fall verdeutlicht erneut die Herausforderungen durch Arzneimitteleinträge in die Umwelt und die Bedeutung wirksamer Maßnahmen zur Abwasserreinigung.