Wochenrückblick: Reform beschlossen, Rossmann startet Rx-Versand

Reform, Spargesetz und neuer Versanddruck: Für Apotheken war diese Woche einiges dabei. Dazu mehr ePA-Zugriff, weniger Fax, Millionenschäden durch Betrug und neue Daten zu E-Zigaretten.

Apothekenreform: Bundesrat gibt grünes Licht für den letzten Baustein

Die Apothekenreform hat eine weitere entscheidende Hürde genommen: Der Bundesrat stimmte der Verordnung zur Änderung der Apothekenbetriebsordnung und weiterer Vorschriften zu. Künftig sollen das Apothekenhonorar regelmäßig neu verhandelt und handelsübliche Skonti auf verschreibungspflichtige Arzneimittel wieder ermöglicht werden. Außerdem werden Öffnungszeiten flexibilisiert und einzelne Anforderungen an Labor, Rezeptur sowie Zweigapotheken vereinfacht. Noch nicht vollständig geklärt sind allerdings die Vorgaben für Versandhandel und Botendienst, da hier auch die EU-Kommission mitzureden hat.

GKV-Spargesetz: Kassenabschlag steigt dauerhaft auf 2,07 Euro

Während die Reform an einigen Stellen Entlastung verspricht, folgt an anderer Stelle die nächste Belastung: Bundestag und Bundesrat haben das GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetz beschlossen. Der von Apotheken an die gesetzlichen Krankenkassen zu zahlende Abschlag steigt unbefristet von 1,77 auf 2,07 Euro je abgegebener Rx-Packung. Nach Berechnungen aus der Fachpresse bedeutet das für die Apotheken insgesamt eine zusätzliche Belastung von rund 162,5 Millionen Euro jährlich. Bei einer durchschnittlichen Betriebsstätte können sich die Mehrkosten auf knapp 10.000 Euro pro Jahr summieren.

Rossmann startet mit Rx in den Arzneimittelversand

Nach dm drängt nun auch Rossmann in den Apothekenmarkt – und geht gleich einen Schritt weiter. Die Drogeriekette plant für Ende 2026 eine Versandapotheke im niederländischen Emmen, über die von Beginn an auch verschreibungspflichtige Arzneimittel bestellt werden können. E-Rezepte sollen über die Rossmann-App eingelöst werden. Dass bereits gezielt Apothekerinnen, Apotheker und PTA gesucht werden, zeigt, wie konkret die Pläne sind. Für Vor-Ort-Apotheken wächst damit der Wettbewerbsdruck durch einen weiteren finanzstarken und reichweitenstarken Anbieter.

Digitalgesetz GeDIG: mehr ePA-Zugriff – und das Ende des Faxens

Das Bundeskabinett hat das Gesetz für Daten und digitale Innovation im Gesundheitswesen, kurz GeDIG, auf den parlamentarischen Weg gebracht. Für Apotheken soll der Zugriff auf die elektronische Patientenakte erleichtert werden: Künftig könnte ein begrenzter Zugang auch über den E-Rezept-Token möglich sein. Zudem soll sich die reguläre Zugriffsdauer von drei auf sieben Tage verlängern. Das soll es dem pharmazeutischen Personal einfacher machen, Lieferengpässen, Rückfragen und Prüfungen der Arzneimitteltherapiesicherheit besser Rechnung tragen. Ein Schreck für viele Arztpraxen: Gleichzeitig soll die Übertragung medizinischer Daten per Fax künftig nicht mehr zulässig sein – stattdessen wird KIM verpflichtend.

Abrechnungsbetrug: AOK Hessen meldet Millionenschäden

Die AOK Hessen hat für die Jahre 2024 und 2025 so viele Hinweise auf mögliches Fehlverhalten im Gesundheitswesen erhalten wie nie zuvor. Die meisten Verdachtsfälle entfielen zwar auf den Pflegebereich, den höchsten finanziellen Schaden verzeichnete die Krankenkasse jedoch bei Arznei- und Verbandmitteln. Die Meldung zeigt erneut, dass Abrechnungsbetrug keineswegs ein Randphänomen ist und erhebliche Mittel bindet, die der regulären Versorgung fehlen. Auch aufgrund solches Fehlverhaltens werden die Beiträge für die Krankenkassen immer teurer.

E-Zigaretten: vollständiger Rauchstopp bleibt die bessere Option

Eine südkoreanische Studie mit mehr als 4,5 Millionen ehemaligen Rauchenden zeigt: Wer nach dem Tabakstopp E-Zigaretten nutzte, entwickelte häufiger Lungenkrebs als Personen, die vollständig auf Nikotin verzichteten. Auch die Zahl der lungenkrebsbedingten Todesfälle war höher. Wichtig für die Einordnung im Apothekenteam: Untersucht wurde nicht der Vergleich mit fortgesetztem Tabakrauchen. Für die Beratung – auch im Hinblick auf die neue pDl zum Thema “Rauchstop” - bleibt dennoch klar, dass E-Zigaretten keinen gesundheitlich gleichwertigen Ersatz für einen vollständigen Rauchstopp darstellen.

Frankreich erlaubt Sterbehilfe unter strengen Voraussetzungen

Kein typisches Apothekenthema, aber dennoch ein Thema, das möglicherweise trotzdem am HV-Tisch mit euren Kunden aufkommt: Nach jahrelanger Debatte hat die französische Nationalversammlung ein Gesetz zur Sterbehilfe verabschiedet. Unheilbar erkrankte Menschen im fortgeschrittenen Stadium sollen bei unerträglichem Leiden assistierten Suizid in Anspruch nehmen können. Jeder Antrag wird von einem interdisziplinären Gremium geprüft, das medizinische Personal darf die Mitwirkung aus Gewissensgründen aber auch ablehnen. Wie steht ihr zu diesem kontroversen Thema?