Wochenrückblick: USA nehmen Arzneipreise ins Visier
Sparstreit um Apotheken, neue Daten zu Allergie und Fruchtbarkeit, Warnung vor Melatonin-Gummibärchen und Handelskonflikt mit den USA – die wichtigsten News dieser Woche für dich kompakt im Überblick.
Kassenabschlag bleibt Streitpunkt
Im Zuge der GKV-Sparpläne ist die Höhe des Kassenabschlags für Apotheken weiter offen. Die ursprünglich geplante Erhöhung um 30 Cent auf 2,07 Euro steht politisch zur Debatte, eine endgültige Entscheidung ist noch nicht gefallen. Innerhalb der Koalition wird weiter verhandelt, während die abschließende Lesung im Bundestag auf den 10. Juli verschoben wurde, wie die Pharmazeutische Zeitung berichtet.
Kritik kommt aus Apothekerschaft und Politik: Eine höhere Belastung könnte die jüngst beschlossene Fixumserhöhung teilweise wieder zunichtemachen und die wirtschaftliche Lage vieler Betriebe verschärfen. Gleichzeitig gilt politisch als Konsens, dass alle Akteure im Gesundheitssystem zum Sparpaket beitragen sollen – wie hoch dieser Beitrag für Apotheken am Ende ausfällt, ist noch nicht final geklärt.
Die ABDA unterstützt zwar das Ziel, die GKV-Finanzen zu stabilisieren, lehnt jedoch zusätzliche Belastungen für Apotheken im geplanten Spargesetz ab. Nach Jahren ohne Honorar-Anpassung hätten Apotheken bereits Milliarden zur Entlastung der Kassen beigetragen. Eine weitere Kürzung, etwa durch einen höheren Abschlag pro Rezept, gefährde laut Verband Planungssicherheit und flächendeckende Versorgung.
ABDA-Präsident Thomas Preis betont: „Politik und Gesellschaft sind sich einig, dass die Apotheken gestärkt und ihre pharmazeutischen Leistungen ausgeweitet werden müssen.“ Gleichzeitig kritisiert er die geplanten Maßnahmen deutlich und fordert den Gesetzgeber auf, zusätzliche Einschnitte zu stoppen, um die Versorgung vor Ort nicht zu schwächen.
Studie: Übergewicht mindert weibliche Fruchtbarkeit
Eine systematische Review zeigt: Adipositas wirkt sich deutlich negativ auf die weibliche Fruchtbarkeit aus. Vor allem ein erhöhter Taillenumfang und BMI verlängern die Zeit bis zur Schwangerschaft und erhöhen das Infertilitätsrisiko, wobei zentrale Adipositas besonders ins Gewicht fällt. Die Ergebnisse basieren auf 14 Studien und bestätigen einen klaren Zusammenhang zwischen Übergewicht und schlechteren Fertilitätschancen. Veröffentlicht wurde die Arbeit in Medicina de Familia – SEMERGEN; Studienleiterin ist M. Efstratiou.
Allergische Rhinitis: Nasenspray schlägt Tablette
Eine große Real‑World‑Analyse zeigt: Bei allergischer Rhinitis verbessern Kombinationspräparate aus intranasalem Antihistaminikum und Kortikosteroid die Lebensqualität stärker als orale Antihistaminika. Reine Nasenantihistaminika schneiden dagegen schlechter ab. Grundlage sind Daten aus einer App mit rund 70.000 Einträgen. Veröffentlicht wurde die Studie in Clinical & Experimental Allergy; korrespondierender Studienleiter ist Jean Bousquet. Beispiele für Kombinationspräparate auf dem deutschen Markt sind Lorano® Azelastin/Fluticason Allergiespray bei Heuschnupfen und DuoAllerg® 137 μg/50 μg/Sprühstoß Nasenspray.
Kinderärzte: Melatonin-Gummibärchen nicht verharmlosen
Die Deutsche Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin (DGKJ) warnt eindringlich vor melatoninhaltigen Gummibärchen für Kinder. Die als Nahrungsergänzungsmittel verkauften Produkte verharmlosten ein hormonell wirksames Schlafmittel und bergen Risiken wie Überdosierung, Nebenwirkungen (z. B. morgendliche Müdigkeit, Kopfschmerzen, Gangunsicherheit, Albträume) und unklare Langzeitfolgen – zumal sie nicht den strengen Vorgaben von Arzneimitteln unterliegen. Internationale Berichte zeigen zudem eine Zunahme melatoninassoziierter Notfälle bei Kindern infolge unsachgemäßer Anwendung. Statt schneller Lösungen sollte auf schlafhygienische Maßnahmen gesetzt und eine ärztliche Abklärung empfohlen werden.
USA prüfen deutsche Arzneimittelpreise
Die US-Regierung hat eine Untersuchung gegen die deutsche Arzneimittelpreisgestaltung eingeleitet und wirft Deutschland vor, innovative Medikamente zu niedrig zu vergüten. Washington sieht darin eine Benachteiligung amerikanischer Pharmaunternehmen sowie eine ungleiche Verteilung der globalen Forschungskosten. Grundlage ist ein Verfahren nach US-Handelsrecht, das weitreichende Maßnahmen ermöglicht.
Die Untersuchung könnte weitreichende Folgen haben: Neben einer öffentlichen Anhörung im September stehen auch mögliche Zölle oder Handelsbeschränkungen im Raum. Hintergrund ist ein angespanntes Handelsverhältnis im Pharmasektor, bei dem die USA ihre Interessen zunehmend offensiv vertreten und auf mehr Investitionen sowie höhere Preise für Innovationen drängen.