Wochenrückblick: Neue Regeln, alte Engpässe und heiße Beratungstage
Die Woche im Rückblick: neue Regeln für Arzneimittel, wichtige Sicherheitshinweise, Lieferengpässe, Hitzeschutz und aktuelle Studienimpulse für die Beratung.
Neue Regeln bei der Arzneimittelverschreibungsverordnung
Eine wichtige Änderung in dieser Woche betrifft die Arzneimittelverschreibungsverordnung (AMVV). Seit dem 23. Mai gelten neue Regelungen zur Verschreibungspflicht. Für die Beratung in der Apotheke besonders interessant: Bestimmte Aciclovir-Buccaltabletten zur Behandlung wiederkehrender Lippenherpes-Episoden sind nun unter definierten Bedingungen nicht mehr verschreibungspflichtig. Auch Melatonin kann in einer bestimmten Dosierung zur kurzzeitigen Behandlung von Jetlag bei Erwachsenen rezeptfrei abgegeben werden. Für das pharmazeutische Personal bedeutet das: Die Beratung wird noch wichtiger. Bei Herpes sollte unter anderem abgeklärt werden, ob es sich tatsächlich um wiederkehrenden Lippenherpes handelt und keine komplizierten Verläufe oder andere Lokalisationen vorliegen. Bei Melatonin sind Einnahmezeitpunkt, Reisedauer, Begleiterkrankungen und mögliche Wechselwirkungen wichtige Beratungspunkte.
Probleme bei Antibiotika-Trockensäften
Die sachgerechte Herstellung von Antibiotika-Trockensäften war ein weiteres Thema der Woche. Die Arzneimittelkommission der Deutschen Apotheker (AMK) wies auf Probleme bei Cefaclor-Trockensäften hin. Gemeldet wurden unter anderem Klumpenbildungen und Agglomerate, die vor allem dann auftreten können, wenn die Suspension nicht korrekt rekonstituiert wird oder nach Zugabe von Wasser zu lange steht. In der Praxis ist daher eine genaue Beratung entscheidend. Eltern sollten wissen, wie viel Wasser zugegeben wird, dass kräftiges Schütteln notwendig ist und die Suspension vor jeder Gabe erneut gut aufgeschüttelt werden muss. Wenn möglich, kann die Zubereitung auch direkt in der Apotheke erfolgen, um Anwendungsfehler zu vermeiden.
Lieferengpässe bei Nifedipin
Lieferengpässe bleiben ebenfalls ein Dauerthema. In dieser Woche ging es unter anderem um Nifedipin Retardtabletten, die wegen eines drohenden versorgungsrelevanten Engpasses zeitweise auch in fremdsprachiger Aufmachung in Verkehr gebracht werden dürfen. Für das pharmazeutishce Personal ist dabei wichtig, Patientinnen und Patienten aktiv aufzuklären: Auch wenn die Packung anders aussieht oder fremdsprachig beschriftet ist, handelt es sich um das benötigte Arzneimittel. Gerade bei Herz-Kreislauf-Medikamenten können Unsicherheiten schnell zu Einnahmefehlern oder Therapieabbrüchen führen. Parallel gewinnt auch die europäische Rezepturdatenbank EDSForm an Bedeutung, da standardisierte Rezepturen bei Lieferengpässen helfen können, Versorgungslücken zu überbrücken.
Arzneimittel vor Hitze schützen
Mit Blick auf den beginnenden Sommer und die plötzliche Hitzewelle in Deutschland rückte außerdem das Thema Hitze und Arzneimittel stärker in den Fokus. Hohe Temperaturen können sowohl die Stabilität von Arzneimitteln als auch die Verträglichkeit bestimmter Therapien beeinflussen. Das pharmazeutische Personal sollte besonders ältere Menschen, chronisch Kranke und Patientinnen und Patienten mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen dazu aktiv ansprechen und beraten. Wichtig sind Hinweise zur richtigen Lagerung, zur ausreichenden Flüssigkeitszufuhr und zu Arzneimitteln, die bei Hitze problematisch werden können, etwa Diuretika, Antihypertensiva oder bestimmte Psychopharmaka.
Fosfomycin bei Blasenentzündung in der Kritik
Schließlich sorgte eine neue Diskussion zur Behandlung unkomplizierter Blasenentzündungen für Aufmerksamkeit. Studiendaten deuten darauf hin, dass Nitrofurantoin bei unkomplizierter Zystitis nach sieben Tagen häufiger zur Symptomfreiheit führte als eine Einmalgabe Fosfomycin. Für die Selbstmedikation heißt das nicht, dass sich die Beratung sofort grundlegend ändert. Aber in der Apotheke sollte weiterhin sorgfältig nach Warnzeichen gefragt werden: Fieber, Flankenschmerzen, Blut im Urin, Schwangerschaft, wiederkehrende Infekte oder Beschwerden bei Männern gehören ärztlich abgeklärt. Bei unkomplizierten Beschwerden bleiben Trinkmenge, Wärme und eine realistische Einschätzung der Grenzen der Selbstmedikation wichtige Bestandteile der Beratung.
Zum Schluss noch etwas aus der Präventionsecke
Wer beim Sport nach dem Motto „ganz oder gar nicht“ denkt, macht es sich oft unnötig schwer. Eine aktuelle Studie zeigt, dass viele Menschen ihre Fitnessroutine eher abbrechen, wenn sie ihr eigentliches Trainingsziel nicht perfekt erreichen können. Fällt der geplante Lauf aus oder reicht die Zeit nicht fürs komplette Workout, wird Bewegung dann häufig ganz gestrichen. Die praktischere Botschaft lautet: lieber kurz, aber trotzdem. Auch 15 Minuten zügiges Gehen oder ein kleines Training zu Hause können helfen, dranzubleiben – und sind besser als gar keine Bewegung.