Kann die Ernährung Aphthen beeinflussen?

Wiederkehrende Aphthen werfen bei vielen Betroffenen Ernährungsfragen auf. Nährstoffmängel können beteiligt sein, doch hinter den schmerzhaften Schleimhautveränderungen steckt nicht immer die Ernährung.

Wenn Essen im Mund brennt

Die Ursachen rezidivierender Aphthen sind bis heute nicht vollständig geklärt. Diskutiert werden genetische Faktoren, immunologische Prozesse, Stress sowie verschiedene Triggerfaktoren. Auch die Ernährung gerät dabei immer wieder in den Fokus. Viele Betroffene berichten, dass bestimmte Lebensmittel die Beschwerden verschlimmern oder neue Aphthen auslösen. Die wissenschaftliche Evidenz ist zwar nicht für alle Zusammenhänge eindeutig, einige Faktoren gelten jedoch als gut untersucht.

Nährstoffmängel als möglicher Risikofaktor

Besonders bei häufig wiederkehrenden Aphthen lohnt sich ein Blick auf die Nährstoffversorgung. Studien zeigen, dass Betroffene häufiger Defizite an Eisen, Vitamin B12 oder Folsäure aufweisen als die Allgemeinbevölkerung. Auch ein Zinkmangel wird diskutiert.

Die Gründe liegen auf der Hand: Die Mundschleimhaut erneuert sich ständig und benötigt dafür eine ausreichende Versorgung mit Mikronährstoffen. Fehlen diese, kann die Regeneration beeinträchtigt sein.

In der Apotheke können deshalb folgende Fragen hilfreich sein:

  • Treten die Aphthen immer wieder auf?
  • Besteht eine vegetarische oder vegane Ernährung?
  • Liegen chronische Magen-Darm-Erkrankungen vor?
  • Gibt es Hinweise auf Blutarmut oder chronische Müdigkeit?

 

Wichtig ist in jedem Fall: Eine routinemäßige Selbstmedikation mit hoch dosierten Vitaminen empfiehlt sich ohne nachgewiesenen Mangel nicht. Bei häufigen Rezidiven sollte ärztlich abgeklärt werden, ob und welche Defizite vorliegen.

Trigger auf dem Teller

Viele Patient:innen können bestimmte Lebensmittel als Auslöser benennen. Besonders häufig werden Nüsse, Tomaten, Zitrusfrüchte, Ananas, scharf gewürzte oder sehr salzige Speisen sowie Alkohol genannt. Auch histaminreiche Lebensmittel wie gereifter Käse, Salami, Fischkonserven oder Sauerkraut stehen im Verdacht, Aphthen zu begünstigen.

(Bildquelle: istock/Tetiana Strilchuk)

Histamin kann Entzündungsreaktionen verstärken und die Mundschleimhaut empfindlicher machen. Ein direkter Zusammenhang zwischen Histamin und Aphthen ist wissenschaftlich zwar noch nicht eindeutig belegt, bei Personen mit Histaminintoleranz oder individueller Empfindlichkeit kann eine histaminarme Ernährung jedoch dazu beitragen, Beschwerden und die Häufigkeit von Schüben zu reduzieren.

Für die Beratung ist daher weniger eine allgemeine Verbotsliste als die Beobachtung persönlicher Muster sinnvoll. Ein Ernährungstagebuch kann helfen, individuelle Auslöser zu erkennen.

Rolle von Zahnpasta: Natriumlaurylsulfat als Risikofaktor?

Natriumlaurylsulfat (SLS) ist ein anionisches Tensid, das in pharmazeutischen Präparaten als Emulgator sowie in Mundhygieneprodukten, insbesondere in Zahnpasten, als Schaumbilder zum Einsatz kommt. Ein Review-Artikel von 2023 zeigt, dass die Substanz zwar für eine optimierte Plaquekontrolle sowie eine Verringerung von Mundgeruch führt. Andererseits sehen die Forschenden in SLS auch einen Risikofaktor für eine verzögerte Wundheilung in der Mundhöhle sowie für rezidivierende aphthöse Stomatitis in Erscheinung treten.

(Bildquelle: istock/PeopleImages)

Es gibt laut einer Studie von 2022 begrenzte Belege dafür, dass Patient:innen mit rezidivierenden Aphthen von der Verwendung SLS-freier Zahnpasten profitieren können – sowohl hinsichtlich einer Verringerung der Anzahl und Dauer der Läsionen als auch im Hinblick auf die Schmerzintensität. Die Datenlage ist nicht vollständig einheitlich, dennoch kann bei häufigen Beschwerden ein Versuch mit einer SLS-freien Zahnpasta sinnvoll sein. Die Umstellung ist einfach und risikoarm und wird daher häufig empfohlen.

Nicht jede Aphthe ist ein Ernährungsproblem

Wiederkehrende Aphthen können auch auf Grunderkrankungen hinweisen. Dazu zählen unter anderem Zöliakie, Morbus Crohn, Colitis ulcerosa und Behçet-Syndrom. Insbesondere wenn die Läsionen häufig auftreten, ungewöhnlich groß sind oder weitere Beschwerden hinzukommen, sollte eine ärztliche Abklärung erfolgen. Wichtig für die Praxis: Wer ausschließlich auf Ernährungstipps setzt, übersieht möglicherweise relevante Warnsignale.

Was kann empfohlen werden?

Neben der symptomatischen Behandlung mit Gelen, Spülungen oder lokal schmerzlindernden Präparaten können folgende Hinweise sinnvoll sein:

  • individuell unverträgliche Lebensmittel vorübergehend meiden
  • auf ausreichend Eisen-, Vitamin-B12- und Folsäurezufuhr achten
  • bei häufigen Rezidiven mögliche Mängel ärztlich abklären lassen
  • gegebenenfalls auf SLS-freie Zahnpasten umsteigen
  • ein Ernährungs- und Beschwerdetagebuch führen

 

Fazit

Die Ernährung ist nicht die alleinige Ursache von Aphthen, kann bei manchen Betroffenen jedoch eine wichtige Rolle spielen. Besonders Eisen-, Vitamin-B12- und Folsäuremangel sollten bei wiederkehrenden Beschwerden berücksichtigt werden. Bei häufigen oder schweren Verläufen kann hinter den schmerzhaften Schleimhautläsionen auch eine behandlungsbedürftige Grunderkrankung stecken.