Rx-Beratung: Unterteilung von Antibiotika und ihre Wirkweisen

In der Apotheke hast du tagtäglich mit Rx-Arzneimitteln wie Antibiotika zu tun. Wir bieten dir mit einem zweiteiligen Repetitorium die Möglichkeit, dein Wissen zu wiederholen und zu vertiefen.

Als Antibiotika bezeichnet man niedermolekulare Verbindungen, bei denen bereits geringe Konzentrationen dafür ausreichen, das Wachstum von Mikroorganismen zu hemmen (bakteriostatisch) oder diese sogar abzutöten (bakteriozid). Gegen Viren sind sie unwirksam. Antibiotika können sowohl lokal als auch systemisch zum Einsatz kommen.

Sie unterscheiden sich darin, dass es sich bei manchen um natürlich gebildete Stoffwechselprodukte von Pilzen oder Bakterien handelt, während andere dagegen (teil-)synthetisch oder gentechnisch hergestellte Chemotherapeutika sind. Während die Bezeichnungen früher streng in Antiinfektiva, Chemotherapeutika und Antibiotika getrennt wurden, ist diese Unterteilung heutzutage unüblich. Alle werden inzwischen unter dem Begriff Antibiotika zusammengefasst.

Wirkweisen von Antibiotika: Unterteilung

Es gibt eine Vielzahl an Unterteilungsmöglichkeiten. Eine davon ist die Einteilung nach ihrem Wirkort, also ihrem Angriffspunkt an den jeweiligen Mikroorganismen und dem jeweiligen Wirkmechanismus.

1)    Hemmung der bakteriellen Zellwand-Biosynthese

  • ß-Lactam-Antibiotika. Ihnen gemein ist chemisch gesehen ein sogenannter Beta-Laktam-Ring. Zu ihnen gehören beispielsweise die Penicilline und die Cephalosporine. Für die Cephalosporine gibt es mehrere Einteilungsmöglichkeiten, etwa die Einteilung in oral appizierbare oder intravenös applizierbare Cephalosporine. Oder auch die Unterscheidung in 1. bis 5. Generation. Sie wirken bakterizid. Die Entwicklung über die verschiedenen Generationen hinweg, bewirkte eine Erweiterung bzw. Verschiebung des Wirkspektrums vom zuerst grampositiven auch hin zum gramnegativen Bereich. Ebenfalls zu den Beta-Lactam-Antibiotika gehören die Monobaktame und Carbapeneme.
  • Fosfomycin gehört zur Gruppe der Epoxidantibiotika und wird meist als Granulat oder Pulver zur Einmaltherapie bei Blaseninfektionen eingesetzt. Die Einnahme sollte idealerweise zwei bis drei Stunden vor oder nach der einer Mahlzeit erfolgen. Sinnvoll ist die Einnahme zur Nacht, damit das Antibiotikum Zeit hat, über Nacht in der Blase zu wirken.
  • Vancomycin, Teicoplanin: Die Glykopeptidantibiotika wirken gegen grampositive Keime und sind als Reserveantibiotika bekannt. Sie werden hauptsächlich gegen spezielle multiresistente Keime eingesetzt.
  • Bacitracin: Der Wirkstoff gehört zwar zu den Polypeptidantibiotika (siehe folgenden Abschnitt), wirkt aber über die Hemmung der Zellwandsynthese und wird topisch verwendet.

 

2)    Hemmung der Plasmamembranfunktion der Bakterien

  • Daptomycin
  • Gramicidin
  • Polymyxin
  • Colistin
  • Streptomycin
  • Tyrocidin/Tyrothricin. Der Tyrothricin-Zusatz in Lutschtabletten bei Erkältungen wird häufig kritisch gesehen, da diese meist durch ein Virus hervorgerufen wird. Antibiotika helfen also in diesem Fall gar nicht, und schädigen eher noch zusätzlich die physiologische Mundflora.

 

3)    Hemmstoffe der ribosomalen Proteinbiosynthese 

  • Aminoglykosid-Antibiotika: Gentamycin, Neomycin und Kanamycin. Diese Vertreter der Aminoglykosid Antiiotika werden meist nur lokal eingesetzt, da sie systemisch irreversible Schädigungen des Gleichgewichts- und Gehörsinnes und der Niere hervorrufen können. In der Intensivmedizin kommen auch systemische Aminoglykosid-Antibiotika zum Einsatz, welche wegen ihrer geringen therapeutschen Breite sehr exakt dosiert werden müssen.
  • Chloramphenicol und seine Derivate
  • Clindamycin
  • Makrolidantibiotika: Azithromycin, Clarithromycin, Roxithromycin und Erythromycin. Erythromycin ist das älteste Makrolidantibiotikum. Die neuere Generation wie Azithromycin hat eine deutlich bessere Gewebegängigkeit und Halbwertszeit, daher muss es nur zwischen drei und fünf Tagen lang eingenommen werden.
  • Oxazolidinione: Linezolid und Tedizolid
  • Tetracycline: Doxycyclin und das Reserveantibiotikum Tigecyclin. Hier wird meist am 1. Behandlungstag die doppelte Dosis zur Einnahme empfohlen, um eine Anreicherung des Wirkstoffes in den Zellen zu erreichen. 

 

4)    Hemmstoffe des Folsäure-Stoffwechsels

  • Sulfamethoxazol (Gruppe der Sulfonamide) – in Kombination mit Trimethoprim als Cotrimoxazol
  • Sulfadiazin (Gruppe der Sulfonamide). Die Kombination von Sulfamethoxazol mit Trimethoprim ist sehr effektiv, da das Wirkspektrum verbreitert wird. Die Bildung von Resistenzen verzögert sich und die Wirksamkeit ist ebefalls deutlich verbessert. Die Einnahme sollte nach dem Essen erfolgen.

 

5)    Hemmung der Zellteilung der bakteriellen DNA 

  • Gyrase-Hemmer (bakterizide Wirkung) wie Ciprofloxacin, Moxifloxacin und Levofloxacin
  • Metronidazol
  • Nitrofurantoin