Wochenrückblick: E-T-Rezept kommt, Biosensor für Menstruationsblut

Elektronische T-Rezepte starten 2026, nächste Runde im Streit um Arzttermine, Menstruationsblut wird zu Forschungszwecken genutzt – wir versorgen dich im WRB wie gewohnt mit interessanten Meldungen der letzten Tage.

Elektronisches T-Rezept soll 2026 kommen

Die gematik hat die Spezifikation für das elektronische T-Rezept veröffentlicht. Ab 2026 sollen die bisher papiergebundenen Verordnungen für die teratogenen Wirkstoffe Lenalidomid, Pomalidomid und Thalidomid digital erfolgen. Diese Präparate unterliegen strengen Vorgaben (§ 3a AMVV), darunter die Bestätigung der Einhaltung von Sicherheitsmaßnahmen wie dem Schwangerschafts-Präventionsprogramm. Ärzte müssen zudem dokumentieren, ob eine gebärfähige Frau behandelt wird (Reichdauer max. vier Wochen) und Off-Label-Anwendungen kennzeichnen. 

Mit dem E-T-Rezept entfallen die bisherige Beantragung von Papierformularen und manuelle Prozesse, da relevante Daten künftig automatisiert über den E-Rezept-Fachdienst übermittelt werden. Dieser stellt auch die Belieferungsfrist von sechs Tagen sicher. Für Patient:innen bleibt die Einlösung in der Apotheke nahezu unverändert – nur digital, eine Versandbelieferung ist ausgeschlossen. Das E-T-Rezept soll deutliche Entlastung und mehr Sicherheit bringen.

Debatte um Arzttermine spitzt sich zu

Die Debatte um die Vergabe von Arztterminen spitzt sich zu: Verena Bentele, Präsidentin des Sozialverbands VdK Deutschland e. V., kritisierte eine „bittere Realität“ der Bevorzugung von Privatpatient:innen und fordert Kontrollen sowie Sanktionen. Sie verwies auf Daten, wonach gesetzlich Versicherte deutlich länger auf Facharzttermine warten müssten. Ärzteverbände wie SpiFa und Virchowbund wiesen die Vorwürfe als unbegründet zurück und verwiesen auf Studien, die zeigten, dass Fachärzte im Schnitt 29 Wochenstunden für GKV-Patient:innen aufwenden und rund 82 % der Kontaktzeit auf diese Gruppe entfalle. Unterschiede bei Wartezeiten seien primär strukturell bedingt: strikte Budgetierung bei GKV-Leistungen versus volle Vergütung privater Leistungen. Diese ökonomischen Rahmenbedingungen führten zu einer ungleichen Terminvergabe, nicht aber zu gezielter Diskriminierung.

Frauengesundheit: Biosensor für Menstruationsblut entwickelt

Ein interdisziplinäres Team um Professorin Dr. Inge Herrmann (Universität Zürich, ETH, Empa) hat einen innovativen Teststreifen entwickelt, der Menstruationsblut zur Früherkennung gynäkologischer Erkrankungen analysiert. Der Streifen, integriert in eine handelsübliche Damenbinde und umhüllt von Silikon, funktioniert nach dem Prinzip eines Lateral-Flow-Tests. Er detektiert spezifische Biomarker wie das Protein CA-125, das u. a. bei Endometriose und Ovarialkarzinomen erhöht sein kann.

Das Projekt MenstruAI kombiniert diesen Teststreifen mit einer KI-gestützten App, die den Test fotografisch auswertet und als Frühwarnsystem dient – eine Diagnose wird nicht gestellt. Ziel ist die Verkürzung diagnostischer Verzögerungen, die bei Endometriose-Patientinnen im Mittel mehrere Jahre betragen.

Die Machbarkeitsstudie wurde erfolgreich abgeschlossen, eine größere Feldstudie ist in Planung. Besonderer Fokus liegt auf Datensicherheit, klarer Kommunikation der Testergebnisse sowie Design-Aspekten, die in Kooperation mit der Zürcher Hochschule der Künste umgesetzt werden. Langfristig soll die Technologie auch in Ländern mit eingeschränkter Gesundheitsversorgung verfügbar sein, um dort niederschwellige diagnostische Optionen zu schaffen. Das Projekt stößt gesellschaftlich wie wissenschaftlich auf Resonanz – positiv bei Patientinnen, teils kritisch aus der Forschungsgemeinschaft. Herrmann sieht darin einen wichtigen Schritt, Forschungslücken in der Frauengesundheit zu schließen.

Weniger Stress dank mehr Wasser?

Eine Studie der Liverpool John Moores University zeigt: Geringe Flüssigkeitsaufnahme (< 1,5 l/Tag) verstärkt die Cortisolreaktion auf psychosozialen Stress. In einem Labortest wurden Teilnehmende mit niedriger Trinkmenge und solche mit hoher Zufuhr (Ø 4,4 l/Tag) verglichen. Beide Gruppen reagierten gleich stark mit Angst und erhöhter Herzfrequenz, doch bei den Wenigtrinkern stieg der Cortisolspiegel signifikant stärker. 

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Die Teilnehmenden bemerkten den Flüssigkeitsmangel nicht – Durst ist somit kein verlässlicher Indikator; die Urinfarbe bietet bessere Hinweise. Der Mechanismus: Dehydrierung stimuliert die Vasopressinfreisetzung, die nicht nur Wasser spart, sondern auch die Cortisolausschüttung fördert. Chronisch erhöhte Cortisolspiegel erhöhen das Risiko für kardiovaskuläre Erkrankungen, Nierenprobleme und Diabetes. Ausreichende Hydrierung könnte laut der Studie also eine einfache, präventive Maßnahme zur Stressreduktion sein.

AMIRA fragt: Wie viel Wasser trinkst du, um mit dem Apothekenstress zurechtzukommen?

Viel Social Media wirkt sich negativ auf psychische Gesundheit von Jugendlichen aus

Eine aktuelle Studie zur Social-Media-Nutzung und depressiven Symptomen bei Jugendlichen zeigt einen signifikanten Zusammenhang zwischen der Dauer der Social-Media-Nutzung und der Entwicklung depressiver Symptome. Die Studie, basierend auf Daten der Adolescent Brain Cognitive Development (ABCD) Study, untersuchte 11.876 Kinder im Alter von neun bis zehn Jahren über drei Jahre. Die Forschenden fanden heraus, dass eine höhere tägliche Nutzungsdauer sozialer Medien im ersten Jahr zu einem Anstieg depressiver Symptome im zweiten Jahr führte, ohne dass depressive Symptome die Social-Media-Nutzung beeinflussten. Interessanterweise machten soziodemografische Faktoren wie Geschlecht, Ethnie oder Haushaltseinkommen keinen Unterschied in den Ergebnissen.

Die Studie liefert wichtige Erkenntnisse für die klinische Praxis. Sie empfiehlt, dass Kinder- und Jugendärzte bereits im Grundschulalter das Medienverhalten ihrer Patient:innen ansprechen, insbesondere bei erhöhtem Social-Media-Konsum. Präventive Maßnahmen wie Aufklärung und die Förderung gesunder Mediennutzung könnten dazu beitragen, psychische Belastungen zu verringern. Die Forschung wirft außerdem Fragen zu kognitiven Prozessen und Kontextfaktoren auf, die den Zusammenhang zwischen Social-Media-Nutzung und Depression vermitteln. Eine frühzeitige Förderung digitaler Resilienz könnte helfen, depressive Entwicklungen zu verhindern.