Bakterien unter Druck

Antibiotika retten Leben – wenn sie richtig eingesetzt werden. Wie du in der Apotheke Resistenzen vorbeugst, typische Fehler vermeidest und Patient:innen sicher begleitest.

Antibiotika richtig einsetzen – Resistenzen bremsen

Antibiotika gehören zu den wichtigsten Errungenschaften der Medizin und verlieren durch Fehl- und Übergebrauch zunehmend ihre Wirkung. Weltweit sind bereits etwa ein Sechstel der bakteriellen Infektionen gegen gängige Antibiotika resistent, mehr als eine Million Menschen sterben jedes Jahr an den Folgen antimikrobieller Resistenzen. Diese Entwicklung wird vor allem durch den unsachgemäßen Einsatz von Antibiotika befeuert. Für dich in der Apotheke heißt das: Jede Verordnung ist eine Chance, Patient:innen so zu beraten, dass die Therapie optimal wirkt und Resistenzen gar nicht erst entstehen.

Warum sind Antibiotikaresistenzen so problematisch?

Jeder Einsatz von Antibiotika erzeugt einen Selektionsdruck: empfindliche Bakterien werden abgetötet, widerstandsfähige überleben und können sich ausbreiten. Werden Antibiotika unnötig, zu kurz oder in zu niedriger Dosierung eingenommen, fördert das diese Entwicklung zusätzlich. Besonders kritisch ist der wiederholte Einsatz von Breitbandantibiotika, weil sie viele verschiedene Bakterienarten auf einmal unter Druck setzen.

Für Patient:innen bedeutet das: Infektionen lassen sich schlechter behandeln, Therapien dauern länger, Komplikationen und Krankenhausaufenthalte nehmen zu. Im Extremfall helfen nur noch Reserveantibiotika – oder im schlimmsten Fall gar keine Wirkstoffe mehr.

Rationaler Einsatz: Was Leitlinien betonen

Etwa 80–85 % aller Antibiotika werden im ambulanten Bereich verordnet. Die Leitlinien des Robert Koch-Instituts (RKI) betonen deshalb, dass vor jeder Verordnung kritisch geprüft werden muss, ob wirklich eine bakterielle Infektion vorliegt. Viele Erkältungen, Bronchitiden oder akute Sinusitiden sind viral bedingt und verlaufen selbstlimitierend – hier bringt ein Antibiotikum keinen Nutzen, wohl aber Risiken.

Am Beispiel unkomplizierter Harnwegsinfektionen zeigen aktuelle Empfehlungen, worauf es ankommt: bevorzugt werden schmal wirksame Substanzen wie Fosfomycin, Nitrofurantoin, Nitroxolin, Pivmecillinam oder Trimethoprim, während Fluorchinolone wegen ihres Nebenwirkungsprofils und Resistenzrisikos zurückhaltend eingesetzt werden sollen. 

Auch wenn du in der Apotheke nicht in den Verordnungsprozess involviert bist, kannst du Patient:innen dafür sensibilisieren, dass „stärkere“ Antibiotika nicht automatisch die bessere Wahl sind, ganz besonders dann, wenn die ärztliche Beratung noch nicht erfolgt ist.
 

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Beratung in der Apotheke: kleine Tipps, große Wirkung

Kernelement ist die richtige Anwendung: 

  • Dosis, Einnahmeintervalle und Dauer strikt nach ärztlicher Vorgabe einhalten.
  • Therapie nicht vorzeitig abbrechen – überlebende Bakterien können Resistenzen weitergeben.
  • Auf Wechselwirkungen hinweisen: Einige Wirkstoffe reagieren mit Kalzium aus Milch, bestimmten Mineralwässern oder Antazida. Hier ist ein zeitlicher Abstand wichtig.


Auch andere Arzneimittel – etwa orale Kontrazeptiva oder Gerinnungshemmer – können durch Antibiotika beeinflusst werden. Ein Blick in Interaktionsprogramme gehört zur guten Routine.

Bei Trockensäften ist deine praktische Hilfe gefragt: korrekte Rekonstitution mit Leitungs- oder Trinkwasser, gründliches Schütteln, richtige Lagerung (z. B. im Kühlschrank) und begrenzte Haltbarkeit aktiv ansprechen. Gleiches gilt für die Einnahmezeiten (vor, zu oder nach dem Essen) und den Umgang mit gastrointestinalen Nebenwirkungen. 

Wichtig sind auch Hinweise zur Entsorgung: Reste niemals aufheben „für das nächste Mal“, nicht an Familienmitglieder weitergeben und nicht über die Toilette oder den Spülabfluss entsorgen, sondern über den Hausmüll gemäß kommunalen Empfehlungen. So gehst du sowohl gegen Resistenzbildung als auch gegen Umweltbelastung vor.

Was du zusätzlich mitgeben kannst

Resistenzen lassen sich nicht allein durch „richtige Einnahme“ verhindern. Mindestens genauso wichtig ist die Vorbeugung von Infektionen – durch Impfungen, gute Handhygiene und sinnvollen Umgang mit Erkältungskrankheiten. Erkläre Patient:innen, dass bei typischen Virusinfekten symptomatische Maßnahmen (z. B. Analgetika, abschwellende und befeuchtende Nasensprays, ausreichend Flüssigkeit) meist völlig ausreichen und ein Antibiotikum hier keinen Vorteil bringt.

Fasst du diese Botschaften im Beratungsalltag immer wieder auf, trägst  du entscheidend zu einem rationalen Umgang mit Antibiotika bei und hilfst mit, ihre Wirksamkeit für zukünftige Patient:innen zu bewahren.