Wochenrückblick: Stromausfall, Teilzeittrend und Reformforderungen

Stromausfall legt Berliner Apotheken lahm, E‑Rezept‑Automat schließt Versorgungslücke, neue Steuer- und Sozialregeln treten in Kraft – diese und weitere News findest du zusammengefasst im Wochenrückblick.

Stromausfall in Berlin: Apotheken im Ausnahmezustand

Der großflächige Stromausfall im Südwesten Berlins – ausgelöst durch einen Brandanschlag auf eine Kabelbrücke über den Teltowkanal – hat seit dem 3. Januar bereits etwa 45 000 bis 50 000 Haushalte und rund 2 200 Betriebe in den Bezirken Nikolassee, Zehlendorf, Wannsee und Lichterfelde lahmgelegt. Die Bundeswehr unterstützte mit Notstromaggregaten, um insbesondere Pflegeeinrichtungen und kritische Infrastruktur zu versorgen, während Notunterkünfte und Wärmestuben eingerichtet wurden. Für Apotheken war die Lage besonders herausfordernd: Elektronische Kassensysteme, Lagerverwaltungen und Kühlschränke fielen aus, sodass die Versorgung mit Arzneimitteln nur eingeschränkt möglich war. 

Die Berliner Apothekerkammer wies zudem darauf hin, dass die Pflicht zum Notdienst nicht automatisch entfalle. Der Betrieb mehrerer Apotheken in Steglitz-Zehlendorf war beeinträchtigt, einige konnten nur eingeschränkt arbeiten, während umliegende Apotheken in angrenzenden Regionen unterstützend eingesprungen sind. Laut Betreiber Stromnetz Berlin ist die vollständige Wiederherstellung der Stromversorgung abgeschlossen. Insgesamt zeigt die Situation, wie systemrelevant Apotheken im Krisenfall sind – und wie dringend es ist, Notfallpläne und technische Reservelösungen auch für diesen Bereich vorzuhalten.

Innovativer E‑Rezept-Automat schließt Versorgungslücke in Weissach

In Weissach (Kreis Böblingen), einem Ort, der seit fünf Jahren ohne eigene Apotheke ist, hat Apotheker Manuel Caneri einen innovativen E‑Rezept-Automaten im lokalen Supermarkt installiert. Wie der Südwestrundfunk (SWR) berichtet, können Kund:innen ihre Gesundheitskarte einlesen und automatisch sehen, ob verschreibungspflichtige Medikamente vorliegen. Diese können sie dann direkt nach Hause bestellen – mit telefonischer Beratung durch die Apotheke und Lieferung meist am selben Tag. 

Diese Lösung entstand aus der Unsicherheit vieler Patient:innen, ob ihr Hausarzt das Rezept bereits auf die Karte übertragen hat – und trifft laut Bürgermeister Millow auf positive Resonanz. Der regionale Apothekerverband bewertet den Automat als übergangsweise Unterstützung der Arzneimittelversorgung in strukturschwachen Regionen, betont aber, dass er die klassische Apotheke nicht ersetzen könne.

Versorgungsalarm in Westfalen-Lippe: 28 % weniger Apotheken in 20 Jahren

Die Apothekerkammer Westfalen-Lippe meldet, dass im Jahr 2025 allein 43 Apotheken geschlossen haben – dem stehen lediglich sechs Neueröffnungen gegenüber – und warnt vor akuter Gefährdung der Arzneimittelversorgung. In den vergangenen zwei Jahrzehnten ist die Zahl der Apotheken von 2.245 auf 1.613 gesunken, was einem Rückgang von 28 % entspricht. Haupttreiber dieses Trends sei die fehlende Honorarerhöhung für Apotheken: Viele Schließungen folgten unmittelbar auf die Ankündigung, entsprechende Erhöhungen nicht umzusetzen. Die Kammer fordert deshalb die Politik erneut nachdrücklich dazu auf, die versprochenen Fördermaßnahmen jetzt endlich umzusetzen.

Steuer- und Sozialanpassungen für Arbeitskräfte, Familien und Ehrenamtliche

Zum Jahresbeginn 2026 treten mehrere wichtige Änderungen in Kraft: Der gesetzliche Mindestlohn steigt von 12,82 auf 13,90 Euro pro Stunde – ein Plus von etwa 8,4 % – und zugleich wird die Minijob-Grenze von 556 auf 603 Euro monatlich angehoben, damit Minijobber trotz höherem Stundenlohn renten- und versicherungsfrei bleiben. Für Familien gibt es ebenfalls Entlastung: Das Kindergeld erhöht sich um 4 Euro auf 259 Euro pro Kind und Monat, während der steuerliche Kinderfreibetrag um 156 Euro steigt – auf 6.828 Euro jährlich. 

Darüber hinaus werden in der Steuerpolitik der ermäßigte Mehrwertsteuersatz von 7 % auf Speisen dauerhaft eingeführt und der Grundfreibetrag auf 12.348 Euro (Einzel) bzw. 24.696 Euro (Paare) angehoben. Auch der Solidaritätsfreibetrag wird erhöht. Ehrenamtliche profitieren von steuerfreien Pauschalen: Die Übungsleiterpauschale steigt auf 3.300 Euro, die Ehrenamts-Pauschale auf 960 Euro. Die reguläre Rentenanpassung im Sommer 2026 liegt voraussichtlich bei etwa 3,7 %.

Teilzeittrend verändert Apothekenalltag – Flexibilität statt Vollzeit

Die Studie „Apothekenmonitor 2025“ der Treuhand Hannover zeigt, dass Teilzeitarbeit in Apotheken längst zur Norm geworden ist: Nur etwa die Hälfte der Mitarbeitenden unter 30 Jahren arbeitet Vollzeit (38–40 Std./Woche), bei den über 40-Jährigen sind es sogar nur rund 20 %. Gleichzeitig geht die durchschnittliche Wochenarbeitszeit mit dem Alter deutlich zurück. Das stärkt zwar die Work-Life-Balance und Mitarbeiterzufriedenheit, erschwert aber den ohnehin angespannte Personalsituation – besonders, weil erfahrene Kolleg:innen im Rezeptur- und Beratungsbereich fehlen. 

Vor diesem Hintergrund empfiehlt die Treuhand eine umfassende Neuorganisation der Arbeitsabläufe: Moderne Dienstplanung, transparente Kommunikation und digitale Tools sollen helfen, die komplexen Dienstpläne effizienter zu gestalten. Teilzeitkräfte sollen als Chance betrachtet werden – durch gezielte Einbindung in Entscheidungsprozesse, Aufgabenrotation und ergonomische Arbeitsgestaltung kann sowohl Flexibilität als auch Kontinuität im Apothekenbetrieb gewährleistet werden. 

Bundesärztekammer erklärt 2026 zum Schlüsseljahr für ein krisenfestes Gesundheitswesen

Die Bundesärztekammer sieht in 2026 ein entscheidendes Jahr, um das deutsche Gesundheitswesen zukunftsfest zu gestalten. Präsident Dr. Klaus Reinhardt betonte auf der Neujahrspressekonferenz, dass dringend notwendige Reformen in der Finanzierung, Leistungsteuerung und Entlastung der Beschäftigten umgesetzt werden müssen. Besonders im Fokus steht die Stabilisierung der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV): Um Beitragssatzsteigerungen zu verhindern, fordert die Ärzteschaft kurzfristige milliardenschwere Entlastungen durch den Bund – vor allem durch die Übernahme versicherungsfremder Leistungen für Bürgergeldempfänger:innen. 

Mittelfristig drängt die Bundesärztekammer auf tiefgreifende Strukturreformen: Eine medizinisch sinnvolle Neuordnung der Krankenhauslandschaft, eine bessere Koordination der Versorgung sowie verbindliche Primärärzt:innenmodelle für den ambulanten Bereich stehen im Zentrum. Weitere vorgeschlagene Maßnahmen umfassen die Absenkung der Umsatzsteuer auf Arzneimittel, zweckgebundene Abgaben auf Alkohol, Tabak und Zucker sowie eine stärkere Fokussierung auf Prävention und Bekämpfung von Volkskrankheiten. Dr. Reinhardt unterstrich, dass 2026 zum Wendepunkt werden könne – vorausgesetzt, die Politik entscheidet konsequent, praxisnah und mit Gestaltungswillen.