Wochenrückblick: MedCanG, ChatGPT, erstes Liraglutid-Generikum

Von Cannabis-Debatte und Apothekensterben über neue Generika und Milliarden-Sparpotenzial bis hin zu KI im Gesundheitsbereich und Werbeverbot für Junkfood: Hier kommen die wichtigsten Themen und Kontroversen.

MedCanG im Gesundheitsausschuss

Bei der Anhörung zum novellierten Medizinalcannabisgesetz (MedCanG) im Gesundheitsausschuss des Bundestags rückte, wie die Pharmazeutische Zeitung berichtet, die Werbung für Cannabisprodukte in den Mittelpunkt – aus Sicht der ABDA sogar „das Hauptproblem“. Die Standesvertretung unterstützt verschärfte Regelungen, einschließlich eines vollständigen Versandverbots für Cannabisblüten und Cannabisextrakte, um Missbrauch einzudämmen. André Said von der Arzneimittelkommission der Deutschen Apotheker (AMK) betonte, dass seit der Teilfreigabe im April 2024 ein deutlicher Mehrverbrauch bei Selbstzahlern zu beobachten sei, was auf eine Vermischung von medizinischem und freizeitlichem Konsum hindeute. Das geplante Versandverbot sei daher ein „probates Mittel“, die Patientensicherheit zu erhöhen. 

Demgegenüber warnt der Verband Cannabis‑versorgender Apotheken (VCA), dass besonders spezialisierte Vor-Ort-Apotheken in ihrer Versorgung gefährdet sein könnten, wenn der Versand untersagt werde. VCA-Geschäftsführerin Christiane Neubaur weist darauf hin, dass nicht jede Apotheke über das nötige fachliche Know-how verfüge und mobile, schwerkranke Patienten auf den Botendienst angewiesen seien – eine Versorgungslücke, die durch ein Pauschalverbot entstehen könnte. Während die ABDA jedoch davon überzeugt ist, dass das bestehende Apothekennetz mit Botendienst die Versorgung sichern könne, bleibt der Kontroverspunkt, wie die Arzneimittelkompetenz in der Fläche am besten gewährleistet wird.

AMIRA fragt: Wie häufig betreust du in der Apotheke Cannabispatient:innen? Wie stehst du zu einem Versandverbot für Medizinalcannabis?

Apothekenzahl auf historischem Tiefstand – ABDA warnt vor gefährlicher Versorgungslücke

Die Zahl der Apotheken in Deutschland ist 2025 erneut deutlich gesunken: Zum Jahresende gab es bundesweit nur noch 16.601 Apotheken, das sind 440 weniger als 2024. Damit wurde der niedrigste Stand seit fast 50 Jahren erreicht. „Die Zahl der Apotheken sinkt immer weiter. Das heißt, dass immer mehr Menschen immer weitere Wege bis zur nächsten Apotheke zurücklegen müssen“, warnt ABDA-Präsident Thomas Preis. Besonders für ältere oder immobile Patientinnen und Patienten sei das eine große Belastung, selbst wenn Botendienste helfen.

Preis kritisiert zudem die fehlende Anpassung des Fixhonorars: „Seit der letzten Erhöhung des Festhonorars im Jahr 2013 sind die Kosten in den Apotheken um 65 % gestiegen. Dass genau in diesem Zeitraum das Apothekensterben immer dramatischere Dimensionen erreicht, ist daher nicht verwunderlich.“ Trotz einer im Koalitionsvertrag vorgesehenen Erhöhung auf 9,50 Euro sei diese im aktuellen Reformvorhaben nicht berücksichtigt – für Preis „vollkommen unverständlich“.

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Erstes Liraglutid-Generikum bei Adipositas verfügbar

Seit dem 1. Januar 2026 ist mit Nevolat® von Zentiva das erste Generikum des Wirkstoffs Liraglutid in Deutschland erhältlich. Der Fertigpen bietet eine kostengünstige Alternative für die GLP-1-Therapie bei Adipositas (BMI ab 30) sowie bei Übergewicht mit Begleiterkrankungen (BMI ab 27). Damit wird die Behandlung für viele Patientinnen und Patienten, die sich die „Abnehmspritze“ bisher nicht leisten konnten, deutlich zugänglicher.

Nevolat® ist rezeptpflichtig und wird zu einem Preis von 79 Euro für 3 x 3 ml angeboten (5er-Pack: 129 Euro). Die Anwendung entspricht dem Originalprodukt des Erstanbieters (Saxenda®, Novo Nordisk), was die Umstellung erleichtert. Damit schafft Zentiva eine wirtschaftliche Option im Selbstzahlermarkt und erweitert die Versorgungsmöglichkeiten für Betroffene erheblich.

Milliarden-Einsparpotenzial bei Arzneimittelpreisen laut TK

Laut kürzlich erschienen Pressemitteilung der Techniker Krankenkasse (TK) besteht bei Arzneimittelausgaben enormes Einsparpotenzial, würde man in Deutschland die Preise der 30 umsatzstärksten Medikamente an internationale Referenzländer wie Norwegen, Südkorea oder Japan anpassen – allein hierdurch ließen sich jährlich rund 4,37 Mrd. Euro einsparen. 

Die zehn umsatzstärksten Einzelpräparate verursachten im Jahr 2024 einen durchschnittlichen Apothekenverkaufspreis von knapp 4.300 Euro, machten über 11 % der GKV-Gesamtausgaben aus, waren jedoch nur für 1 % der Packungen verantwortlich. 

Besonders patentrechtlich geschützte Medikamente – etwa neue Demenztherapien mit Jahreskosten über 40.000 Euro – treiben die Kosten deutlich: Sie repräsentieren nur 7 % der Packungen, verursachen aber fast 54 % der Ausgaben. 

Die TK nennt drei kurzfristig umsetzbare Maßnahmen, mit denen sich insgesamt bis zu 11 Mrd. Euro jährlich sparen ließen: 

  • Reduzierung der Mehrwertsteuer von 19 % auf 7 % (ca. 7 Mrd. Euro) 
  • Erhöhung des Herstellerabschlags auf patentgeschützte Medikamente auf 17 % (ca. 3 Mrd. Euro) 
  • Einführung von Arzneimittel-Fokuslisten (ca. 1 Mrd. Euro) 

 

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ChatGPT startet spezialisierten Gesundheitsbereich

OpenAI hat zum 7. Januar in den USA einen neuen, abgeschotteten Bereich namens „ChatGPT Gesundheit“ vorgestellt, der speziell auf Gesundheitsfragen zugeschnitten ist. Nutzer können künftig eigene medizinische Daten, etwa aus Fitness‑Trackern, Wellness‑Apps oder elektronischen Patientenakten, hochladen, um gezieltere und kontextbezogene Antworten zu erhalten. Der Bereich entstand in Zusammenarbeit mit mehr als 260 Ärzt:innen aus 60 Ländern über einen Zeitraum von zwei Jahren; Feedback aus über 600.000 Modell-Chats half, die Qualität der Antworten zu verbessern. 

ChatGPT Gesundheit soll die medizinische Versorgung unterstützen, beispielsweise durch Erklärungen von Laborwerten oder Vorbereitung auf Arztgespräche, aber ausdrücklich keine Diagnosen stellen oder Behandlungen ersetzen. Da hochsensible Gesundheitsdaten verarbeitet werden, sind Gespräche in diesem Bereich stärker geschützt und verschlüsselt; zudem fließen sie nicht ins KI‑Training ein.

Großbritannien verbietet Werbung für Süßigkeiten & Junkfood

Die britische Regierung hat ab dem 5. Januar ein umfassendes Werbeverbot für ungesunde Lebensmittel erlassen: Fernsehwerbung für Süßigkeiten, Chips, Eis und stark zucker-, fett- oder salzhaltige Produkte ist nun nur noch nach 21 Uhr erlaubt, während Online-Werbung komplett untersagt ist. Ziel ist es, Kinder wirksamer vor Fettleibigkeit und den Folgen für den NHS zu schützen – die Maßnahme ergänzt die bereits bestehende Zuckersteuer auf gesüßte Getränke und das Verbot von Rabattaktionen wie „2 für 1“ bei Junkfood. Erwartet werden signifikante Rückgänge bei Kalorienzufuhr, Übergewicht und langfristig entlastete Gesundheitskosten.

AMIRA will’s wissen: Was hältst du von diesem strengeren Werbeverbot – schützt es Kinder effektiv, oder setzt es an der falschen Stelle an? 

Apotheken Umschau feiert 70. Geburtstag

Die Apotheken Umschau feiert ihr 70-jähriges Jubiläum und blickt in einer Sonderausgabe auf sieben Jahrzehnte medizinischen Fortschritts und gesellschaftlicher Entwicklungen zurück. Das Magazin betont seine Rolle als verlässliche Quelle für evidenzbasierte Gesundheitsinformationen und zeigt, wie sich Diagnostik, Therapien und Leitlinien im Laufe der Zeit verändert haben. Neben historischen Rückblicken werden aktuelle Themen wie Digitalisierung, Prävention und neue Therapieformen aufgegriffen. Die Redaktion unterstreicht ihren Anspruch, komplexe Inhalte verständlich aufzubereiten und Orientierung zu bieten, während der Wort & Bild Verlag die Weiterentwicklung des Angebots mit digitalen Formaten und Sonderausgaben ankündigt.