Wochenrückblick: Rossmann rüttelt am OTC‑Markt

Rossmann plant OTC‑Versand, die Apothekenreform sorgt für Diskussionen, ein Mietstreit legt eine Apotheke lahm, telefonische AU gerät unter Druck – dazu PTA‑Debatten und AMK-Meldungen – hier kommt dein Wochenrückblick.

Rossmann steigt in den OTC‑Versand ein

Der Drogeriekonzern Rossmann plant den Einstieg in den Versand rezeptfreier Arzneimittel und folgt damit dem Beispiel von dm, das seinen OTC-Versand bereits gestartet hat. Laut einem Bericht der Lebensmittelzeitung sollen die Vorbereitungen bei Rossmann „auf Hochtouren“ laufen, inklusive des Aufbaus einer eigenen Online-Apotheke, deren Versand aus den Niederlanden erfolgen soll. Rossmann-Geschäftsführer Raoul Roßmann bestätigte, dass das Projekt höchste Priorität im laufenden Jahr habe und insbesondere die IT‑Infrastruktur derzeit im Fokus stehe. Das Sortiment soll neben klassischen OTC-Produkten auch exklusive Apothekenartikel umfassen, um die eigene App zu stärken und neue Umsatzpotenziale im Gesundheitssegment zu erschließen.

BAK: Apothekenreform als Chance, Finanzierungsprobleme bleiben ungelöst

Die Bundesapothekerkammer (BAK) sieht im Regierungsentwurf zur Apothekenreform wichtige Impulse für die Weiterentwicklung des Berufsstands und eine stärkere Ausrichtung auf pharmazeutische Leistungen wie Beratung, Medikationsanalysen und die Betreuung chronisch Erkrankter. Präsident Dr. Armin Hoffmann betonte beim pharmacon-Kongress die Rolle der Apotheken als niedrigschwellige Gesundheitsanlaufstellen und zentrale Stützen im Versorgungssystem, forderte jedoch gleichzeitig eine verlässliche und auskömmliche Vergütung sowie echten Bürokratieabbau. Scharf kritisierte er die weiterhin bestehende Unterfinanzierung der Apotheken und erteilte Plänen für Apotheken ohne Apotheker eine klare Absage, da diese die Arzneimitteltherapiesicherheit gefährden und das Fremdbesitzverbot unterlaufen könnten.

Mietstreit eskaliert: Radeburger Apotheke seit Silvester ohne Wasser 

Im sächsischen Radeburg soll die Löwen‑Apotheke seit dem 30. Dezember ohne fließendes Wasser dastehen, nachdem der neue Vermieter die Versorgung abgestellt habe. Nach MDR‑Informationen müsse das Team um Inhaber Jens Rudolph deshalb improvisieren: Mitarbeiterinnen würden täglich Wasser von zuhause mitbringen, Nachbarn unterstützten mit Kanistern, und umliegende Geschäfte würden ihre Toiletten zur Verfügung stellen. Trotz dieser behelfsmäßigen Lösungen stünden die Hygieneanforderungen und damit die Betriebserlaubnis im Fokus der Landesdirektion, die nach einem Hinweis des Vermieters geprüft habe, ob die Apotheke geschlossen werden müsse. Die Behörde habe jedoch akzeptiert, dass die Apotheke den Betrieb unter strengen Auflagen aufrechterhalten könne.

Der Konflikt solle auf einen länger schwelenden juristischen Streit um Mieterhöhungen, ausstehende Zahlungen und eine strittige Kündigung zurückgehen. Während Apotheker Rudolph betone, weiterhin regulärer Mieter zu sein und deshalb Anspruch auf Wasser zu haben, verweise der Anwalt des Eigentümers laut MDR auf eine Entscheidung des Landgerichts Dresden, die das Mietverhältnis als beendet ansehe und das Abstellen des Wassers rechtfertigen könne. Am kommenden Montag soll eine Entscheidung fallen. Unabhängig vom Ausgang habe die Familie Rudolph bereits ein neues Objekt am Marktplatz gefunden und plane den Umzug im Juni, womit auch die Wasserversorgung wieder gesichert wäre.

Telefonische Krankschreibung erneut auf dem Prüfstand

Die telefonische Krankschreibung sorgt derzeit wieder für politische Kontroversen. Auslöser sind Äußerungen von Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU), der den aus seiner Sicht hohen Krankenstand in Deutschland kritisiert und dabei auch die seit Dezember 2023 dauerhaft erlaubte telefonische Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung (AU) als möglichen Faktor nennt. Bundesgesundheitsministerin Nina Warken (CDU) kündigte daraufhin an, die bestehenden Regeln zu überprüfen und möglichen Missbrauch auszuschließen. 

Ärzteverbände und Krankenkassen halten dagegen: Nach ihren Auswertungen habe die Telefon‑AU keinen messbaren Einfluss auf den Anstieg der Krankheitstage und entlaste insbesondere in der Erkältungssaison die Praxen. Während Arbeitgeber eine Abschaffung fordern, warnen Hausärzte vor vollen Wartezimmern und einem Rückschritt bei Bürokratieabbau – die Debatte dürfte die Gesundheitspolitik auch in den kommenden Wochen beschäftigen.

PTA-Beruf zwischen Anerkennung und Reformbedarf

In ihrer Pressemitteilung zieht die Apothekengewerkschaft ADEXA eine gemischte Bilanz zur Aufwertung des PTA‑Berufs und blickt auf die Perspektiven für 2026. Positiv bewertet wird, dass pharmazeutisch‑technische Assistent:innen seit 2025 stärker im Fokus der Berufspolitik stehen und von Bundesgesundheitsministerin Nina Warken ausdrücklich als „wichtige Berufsgruppe in der Apotheke“ anerkannt werden. Gleichzeitig kritisiert ADEXA, dass sich diese Wertschätzung bislang kaum in konkreten gesetzlichen Verbesserungen niederschlägt: Im Entwurf des Apothekenversorgung‑Weiterentwicklungsgesetzes fehlen sowohl eine längst überfällige Honorarerhöhung als auch klare Konzepte zur Qualifikationsförderung von PTA. 

Die Gewerkschaft fordert daher eine strukturelle Aufwertung des Berufs – mit erweiterten Kompetenzen, verbindlichen Karrierewegen, angemessener Vergütung und neuen Qualifizierungsmodellen wie einem praxisorientierten Aufbaustudium. Voraussetzung dafür seien rechtlich und tariflich abgesicherte Rahmenbedingungen, damit neue Aufgaben nicht zulasten der Beschäftigten gehen, sondern den Beruf langfristig attraktiver machen und die Arzneimittelversorgung sichern.

Mounjaro® KwikPen®: Änderung soll Verwechslungen vermeiden

Der Hersteller Lilly informiert über eine technische Anpassung des Mounjaro® KwikPen®, bei der nach der letzten – vierten – Dosis künftig kein sichtbares Restvolumen mehr im Pen verbleibt. Hintergrund ist, dass der bisherige Pen durch eine produktbedingte Überfüllung nach korrekter Anwendung noch Wirkstofflösung zeigte, was bei vielen Patient:innen den Eindruck einer zusätzlichen verfügbaren Dosis erweckte. In der Folge kam es zu Irritationen und teils zu riskanten Manipulationsversuchen, etwa durch das Aufziehen der Restmenge mit einer Spritze; hierzu gingen bei der Arzneimittelkommission der Deutschen Apotheker (AMK) insgesamt 775 Meldungen ein. 

Die modifizierten Pens sollen voraussichtlich ab Januar 2026 ausgeliefert werden, allerdings werden übergangsweise sowohl alte als auch neue KwikPen®-Versionen parallel im Markt sein. Die AMK bittet Apothekenteams daher um besondere Aufmerksamkeit und eine gezielte Patientenberatung in der Umstellungsphase, um Medikationsfehler zu vermeiden, und dankt zugleich für das konsequente Meldeverhalten, das diese Anpassung im Sinne des Patientenschutzes ermöglicht hat.

Mometason‑Nasensprays: Häufige Sprühprobleme meist Anwendungsfehler

Die AMK weist weiterhin darauf hin, dass es bei Mometason‑haltigen Nasensprays vermehrt zu Beanstandungen wegen eingeschränkter Sprühfunktion kommt. In einer Auswertung von Januar 2017 bis September 2025 wurden 208 entsprechende Meldungen erfasst, darunter auch zu nicht verschreibungspflichtigen Präparaten und zu Produkten von insgesamt 17 Herstellern. Zwar bestätigten sich in acht Fällen tatsächliche herstellungsbedingte Qualitätsmängel, in der Mehrzahl der Untersuchungen konnten diese jedoch ausgeschlossen werden. Hersteller führen die Probleme überwiegend auf Anwendungs‑ und Pflegefehler zurück, etwa auf unzureichendes Schütteln der thixotropen Suspension, fehlende Reinigung des Nasenstücks oder auf Manipulationen mit spitzen Gegenständen, die den feinen Sprühmechanismus dauerhaft beschädigen können. 

Die AMK empfiehlt Apothekenteams daher, bei Reklamationen zunächst die durchgeführte Reinigung und Handhabung zu erfragen, dies in der Meldung zu dokumentieren und bei der Abgabe gezielt zur korrekten Anwendung und regelmäßigen Reinigung der Sprühvorrichtung gemäß Gebrauchsinformation zu beraten, um Medikationsfehler zu vermeiden.