Zu wenig im Speicher: Eisenmangel bei Frauen

Eisenmangel trifft viele Frauen – doch wann helfen Nahrungsergänzungsmittel, und wann ist ein Arzneimittel nötig? Erfahre hier, worauf es in der Apotheke bei Beratung, Interaktionen und Ursachen ankommt.

Eisenmangel ist bei Frauen besonders häufig, weil der Bedarf und die Verluste je nach Lebensphase stark schwanken. Für menstruierende Frauen empfiehlt die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) 16 mg Eisen pro Tag, für nicht menstruierende jüngere Frauen 11 mg und für Schwangere 27 mg. Besonders relevant sind starke Monatsblutungen, Schwangerschaft, Stillzeit sowie eine geringe Eisenzufuhr über die Ernährung. Bei prämenopausalen Frauen sind Menstruationsverluste, Schwangerschaft und eine unzureichende Zufuhr die häufigsten Ursachen eines Eisenmangels.

Was in der Apotheke beachtet werden sollte

Für Apothekenteams ist es wichtig, zwischen einem Verdacht und einer gesicherten Diagnose zu unterscheiden. Müdigkeit, Belastungsminderung, Blässe, Haarausfall oder Restless-Legs-Beschwerden können zwar grundsätzlich zu einem Eisenmangel passen, beweisen ihn aber nicht. Für die Labordiagnostik ist Ferritin der wichtigste Marker, weil es die Eisenspeicher am besten abbildet. Werte unter 30 µg/l sprechen bei Erwachsenen für einen absoluten Eisenmangel. Gleichzeitig ist Ferritin ein Akut-Phase-Protein und kann bei Entzündung, Infektion oder chronischer Erkrankung falsch hoch erscheinen. Dann hilft die Transferrinsättigung weiter. Eine niedrige Transferrinsättigung zusammen mit Ferritin unter 30 µg/l stützt die Diagnose zusätzlich.

Im Apothekenalltag sollte Menstruation nicht vorschnell als alleinige Erklärung akzeptiert werden. Wiederkehrender oder ausgeprägter Eisenmangel, Beschwerden trotz Therapie, fehlende Menstruation, höheres Alter oder Warnzeichen wie gastrointestinale Symptome gehören ärztlich abgeklärt. Hinzu kommt: Zöliakie findet sich in 3 bis 5 % der Fälle von Eisenmangelanämie; bei prämenopausalen Frauen mit Eisenmangelanämie wird deshalb eine serologische Zöliakie-Abklärung empfohlen. Gerade bei rezidivierendem Mangel ist das für die Beratung relevant.

(Bildquelle: istock/Tempura)

Wem empfiehlt man was?

Bei gesichertem Eisenmangel ist ein Arzneimittel mit Eisen die erste Wahl, nicht irgendein Nahrungsergänzungsmittel. Leitlinien empfehlen initial ein orales Eisenpräparat, typischerweise als Eisen(II)-salz wie Sulfat, Fumarat oder Gluconat, einmal täglich. Bei schlechter Verträglichkeit kann auf jeden zweiten Tag reduziert oder auf ein anderes Präparat gewechselt werden. Nach der Normalisierung der Werte sollte die Behandlung noch etwa drei Monate fortgeführt werden, um die Speicher aufzufüllen. Intravenöses Eisen ist eine Option, wenn orale Präparate nicht vertragen werden, nicht wirken oder rasch substituiert werden muss. Nahrungsergänzungsmittel können allenfalls im Grenzbereich oder zur Vorbeugung eine Rolle spielen.

Für die Beratung ist die richtige Einnahme entscheidend. Orales Eisen wird am besten nüchtern aufgenommen. Wenn es den Magen reizt, ist die Einnahme mit oder nach dem Essen ein pragmatischer Kompromiss. Tee, Kaffee, Milch, Eier und calciumreiche Produkte verschlechtern die Aufnahme und sollten zeitlich versetzt eingenommen werden. Vitamin C dagegen kann die Resorption verbessern. Typische unerwünschte Wirkungen sind Übelkeit, Bauchbeschwerden, Obstipation, Diarrhoe und dunkel verfärbter Stuhl. Diese Nebenwirkungen sind häufig der Grund, warum Frauen die Präparate absetzen – hier kann die Apotheke durch Einnahmeberatung, Dosisanpassung oder Präparatewechsel viel bewirken.

Problematische Interaktionen mit Medikamenten

Eisen vermindert die Resorption von Levothyroxin, daher sollte zwischen beiden Einnahmen mindestens vier Stunden liegen. Ebenfalls relevant sind Tetracycline wie Doxycyclin, Chinolone wie Ciprofloxacin, Bisphosphonate, Antazida sowie Calcium-, Magnesium- und Zinkpräparate. Auch Cholestyramin, Levodopa, Methyldopa, Penicillamin, Mycophenolat und Integrasehemmer wie Dolutegravir oder Bictegravir können ein Problem darstellen. Praktisch heißt das: Medikationsplan aktiv prüfen und Einnahmeabstände konkret benennen.

Und welche Medikamente sind „Eisenräuber“? Der Begriff ist umgangssprachlich, aber für die Beratung nützlich. Protonenpumpenhemmer wie Omeprazol oder Pantoprazol senken die Magensäureproduktion und können dadurch die Eisenaufnahme verschlechtern. Das kann einen Eisenmangel begünstigen und die Wirkung oral eingenommener Eisenpräparate abschwächen. NSAID wie Ibuprofen, Diclofenac oder ASS können okkulte gastrointestinale Blutungen verursachen und so einen Mangel begünstigen.

Antikoagulanzien und Thrombozytenaggregationshemmer „verbrauchen“ Eisen zwar nicht direkt, können aber Blutverluste aus bestehenden Läsionen verstärken. Genau hier liegt die Stärke der Apotheke: Symptome ernst nehmen, Selbstmedikation nicht bagatellisieren, Interaktionen erkennen und Frauen mit Verdacht auf relevante oder wiederkehrende Defizite konsequent eine ärztliche Abklärung empfehlen.