Jetlag – innere Uhr auf Reise

Jetlag kann Fernreisen ausbremsen. Hier findest du Tipps für die innere Uhr am Zielort und wissenswerte Informationen rund um Biorhythmus, Melatonin-Sprays und Reiseberatung.

Wenn die innere Uhr noch nicht angekommen ist

Die Reisezeit rückt näher – und damit auch die Nachfrage nach Mitteln gegen Jetlag in der Apotheke. Besonders nach Langstreckenflügen über mehrere Zeitzonen kann der Schlaf-Wach-Rhythmus aus dem Takt geraten. Typisch sind Einschlafprobleme, nächtliches Aufwachen, Tagesmüdigkeit, Konzentrationsstörungen, Kopfschmerzen, Verdauungsbeschwerden und das Gefühl, körperlich zwar angekommen zu sein, innerlich aber noch in einer anderen Zeitzone zu stecken.

Die Ursache dafür ist keine einfache Reisemüdigkeit, sondern eine vorübergehende Desynchronisation der inneren Uhr. Der wichtigste Taktgeber des Körpers ist Licht: Es beeinflusst über den Nucleus suprachiasmaticus im Gehirn die Ausschüttung von Melatonin und damit den zirkadianen Rhythmus. Je mehr Zeitzonen überflogen werden, desto deutlicher können die Beschwerden ausfallen. Reisen nach Osten werden häufig als belastender empfunden, weil der Körper früher schlafen und aufstehen muss; bei Reisen nach Westen wird der Tag dagegen verlängert, was vielen leichter fällt.

Vorbereitung ist die halbe Landung

Für Apothekenteams ist Jetlag deshalb ein dankbares Thema in der Reiseberatung. Schon vor dem Abflug können Kundinnen und Kunden ihren Rhythmus leicht anpassen: Wer nach Osten reist, geht an den Tagen vorher etwas früher ins Bett; bei Reisen nach Westen kann ein späteres Zubettgehen helfen. Im Flugzeug sollte die Uhr auf die Zielzeit gestellt werden. Nach der Ankunft gilt: möglichst rasch lokale Essens-, Schlaf- und Aktivitätszeiten übernehmen. Wer am Zielort direkt wichtige Termine, sportliche Aktivitäten oder ein dichtes Reiseprogramm geplant hat, sollte außerdem einen Puffer einbauen. Bei längeren Fernreisen können ein bis zwei ruhige Ankunftstage helfen, bevor volle Leistungsfähigkeit gefragt ist.

Melatonin: Zeitgeber statt Einschlafhilfe

Melatoninpräparate, darunter Sprays, Tropfen, Weichgummis oder Tabletten, werden häufig nachgefragt. Wichtig ist die Einordnung: Melatonin ist kein klassisches Schlafmittel, sondern ein Zeitgeber. In der EU ist für Nahrungsergänzungsmittel die Aussage zugelassen, dass Melatonin zur Linderung subjektiver Jetlag-Empfindungen beitragen kann – bei mindestens 0,5 mg kurz vor dem Schlafengehen am ersten Reisetag sowie an den folgenden Tagen nach der Ankunft. Für die Verkürzung der Einschlafzeit liegt die Dosierung bei 1 mg kurz vor dem Schlafengehen.

In der Beratung sollte außerdem klar zwischen verschreibungspflichtigen Melatonin-Arzneimitteln und frei verkäuflichen Nahrungsergänzungsmitteln unterschieden werden. Melatoninhaltige Arzneimittel sind in Deutschland verschreibungspflichtig. Ein Beispiel ist Melatonin Vitabalans 5 mg, das zur kurzzeitigen Behandlung von Jetlag bei Erwachsenen zugelassen ist.

Frei verkäufliche Produkte sind dagegen Nahrungsergänzungsmittel und durchlaufen keinen Arzneimittelzulassungsprozess. Gerade bei Sprays lohnt ein genauer Blick: Wie viel Melatonin enthält ein Sprühstoß? Wie viele Sprühstöße entsprechen der gewünschten Menge? Sind Kennzeichnung, Anwendungshinweise und Produktqualität plausibel? Tests haben gezeigt, dass bei frei verkäuflichen Melatonin-Sprays unter anderem Gehaltsabweichungen, unvollständige Kennzeichnung und problematische Zusätze vorkommen können.

Auch die Zielgruppe ist wichtig: Bei Kindern und Jugendlichen, Schwangeren und Stillenden, bei Epilepsie, Autoimmunerkrankungen, Lebererkrankungen oder regelmäßiger Arzneimitteleinnahme sollte Melatonin nicht beiläufig empfohlen werden. Mögliche unerwünschte Effekte sind etwa Tagesmüdigkeit, Benommenheit, Kopfschmerzen oder eine verminderte Aufmerksamkeit – relevant auch für Mietwagen, Straßenverkehr und berufliche Termine nach der Ankunft.

Nichtmedikamentöse Maßnahmen und Beratungs‑Check

Neben Melatonin bleiben nichtmedikamentöse Maßnahmen ein zentraler Punkt in der Beratung. Helles Tageslicht am Zielort hilft, die innere Uhr neu zu stellen. Abends sollte grelles Licht, auch von Bildschirmen, reduziert werden. Kurze Nickerchen können sinnvoll sein, sollten aber nicht zu lang ausfallen, damit der Nachtschlaf nicht leidet. Alkohol ist im Flugzeug und am ersten Abend ungünstig, weil der Schlaf dadurch weniger erholsam sein kann. Koffein kann tagsüber helfen, sollte aber am Nachmittag und Abend zurückhaltend eingesetzt werden. Ausreichend trinken, leichte Mahlzeiten zur Ortszeit und Bewegung nach der Ankunft unterstützen die Anpassung zusätzlich.

Ein kurzer Beratungs-Check: Wohin geht die Reise, wie viele Zeitzonen werden überflogen, wann kommt die Person an, bestehen Vorerkrankungen oder Dauermedikationen, und wird ein Melatoninprodukt sicher dosiert? Damit wird aus der Nachfrage nach einem „Jetlag-Spray“ eine fundierte Reiseberatung mit realistischen Erwartungen: Ein Jetlag lässt sich oft abmildern, aber nicht immer verhindern.