Arzneihefe – das Allroundtalent bei Diarrhö
Reisediarrhö, Antibiotika-assoziierter Durchfall oder Magen-Darm-Infekte: Arzneihefe gilt in der Offizin als bewährtes Mittel. Wie sie wirkt, wie sie angewendet wird und worauf zu achten ist, kannst du hier nachlesen.
Arzneihefe ist nicht gleich Backhefe
Die Arzneihefe Saccharomyces boulardii (auch Saccharomyces cerevisiae HANSEN CBS 5926) ist ein spezieller Stamm der bekannten Back- und Bierhefe. Trotz genetischer Verwandtschaft unterscheiden sich die Hefen deutlich in ihren physiologischen Eigenschaften.
Entdeckt wurde Saccharomyces boulardii bereits 1920 vom französischen Wissenschaftler Henri Boulard auf den Schalen tropischer Früchte in Indochina.
Zum Einsatz kommt sie zur symptomatischen Behandlung akuter Durchfallerkrankungen sowie zur Vorbeugung und Behandlung von Reisediarrhö und Durchfällen unter Sondenernährung. In vielen Ländern wird sie zudem routinemäßig zur Prävention Antibiotika-assoziierter Diarrhö (AAD) eingesetzt. Auch bei chronischer Akne findet sie als adjuvante Therapie Verwendung.
So wirkt Saccharomyces boulardii
Arzneihefe wird in gefriergetrockneter (lyophilisierter) Form eingesetzt. Dadurch bleibt sie stabil gegenüber Magensäure, Gallenflüssigkeit und Wärme. Als Hefepilz ist sie unempfindlich gegenüber Antibiotika und passiert den Verdauungstrakt lebend. Im Darm entfaltet sie ihre probiotische Wirkung: Sie besiedelt die Darmwand temporär, hemmt das Wachstum pathogener Keime und unterstützt deren Ausscheidung. Gleichzeitig kann sie eine gesunde Darmflora fördern und das Immunsystem stärken.
Anwendung: Das ist zu beachten
Nach ärztlicher Rücksprache kann Saccharomyces boulardii bereits ab einem Alter von sechs Monaten eingesetzt werden. Ohne ärztliche Verordnung ist die Abgabe in der Regel für Kinder ab zwei Jahren möglich.
Die Präparate sind als Kapseln oder Granulat erhältlich. Können Kinder Kapseln noch nicht schlucken, lassen sich diese öffnen und der Inhalt in lauwarme Speisen oder Getränke (z. B. Joghurt, Fruchtmus oder Wasser) einrühren. Wichtig: Die Mischung darf weder zu heiß noch eiskalt sein, und die komplette Dosis sollte eingenommen werden.
Je nach Indikation beträgt die Dosierung bis zu dreimal täglich 250 mg, entsprechend 1–3 Kapseln oder Beuteln.
Sicherheit und Kontraindikationen
Arzneihefe gilt insgesamt als gut verträglich. Dennoch gibt es wichtige Einschränkungen:
Schwerkranke und immunsupprimierte Patient:innen – insbesondere mit Zentralvenenkatheter – dürfen Saccharomyces boulardii nicht anwenden. Es besteht das Risiko einer Fungämie, die im schlimmsten Fall tödlich verlaufen kann. Auch bei der Handhabung in der Nähe gefährdeter Personen ist Vorsicht geboten, da Kontaminationen über Hände oder die Raumluft möglich sind.
Präparate im Überblick
In Deutschland sind verschiedene Arzneimittel mit Saccharomyces cerevisiae HANSEN CBS 5926 erhältlich, darunter Perenterol®, Yomogi®, Eubiol® und Perocur®. Sie unterscheiden sich in Darreichungsform, Packungsgröße und Zusatzstoffen.
| Handelsname | Hersteller | Darreichungsform | Dosis | Stückzahl | Besonderheit |
| Perenterol® forte | Medice | Hartkapseln | 250 mg | 10, 20, 50, 100 30 | im Glas im Blister |
| Perenterol ® Junior | Medice | Pulver | 250 mg | 10, 20 | mit Zuckern und Aroma |
| Eubiol® | Pädia | Hartkapseln | 250mg | 10, 20, 50 | im Blister |
| Yomogi® | Ardeypharm | Hartkapseln | 250 mg | 10, 20, 50, 100 | im Blister |
| Perocur® | Hexal | Hartkapseln | 250 mg | 10, 20, 50 | im Blister |
Darüber hinaus existieren zahlreiche Nahrungsergänzungsmittel mit Arzneihefe – entweder als Monopräparat oder in Kombination mit weiteren Inhaltsstoffen.