Wochenrückblick: Neues Cannabis-Arzneimittel zugelassen
Long-COVID, Zuckersteuer, Apothekenzahlen, Cannabis-Arzneimittel, Schlaf und Nikotinabhängigkeit: Der Wochenrückblick bündelt aktuelle Themen für die Beratung.
Neues zu Long Covid
Long- und Post-COVID bleiben ein Thema, das auch in der Apotheke immer wieder Fragen auslöst. Aktuell wurde berichtet, dass vier Wirkstoffe unter definierten Bedingungen im Off-Label-Use zulasten der gesetzlichen Krankenkassen eingesetzt werden können: Metformin, Ivabradin, Agomelatin und Vortioxetin. Wichtig ist die Einordnung: Das sind keine typischen Long-COVID-Medikamente, die universell verordnet werden können, sondern Optionen für bestimmte Symptomkonstellationen, etwa Fatigue, kognitive Beschwerden oder ein posturales Tachykardie-Syndrom.
Brauchen wir eine Zuckersteuer?
Auch Prävention war in dieser Woche ein großes Thema. Die Diskussion um eine Zuckersteuer auf Softdrinks nimmt wieder Fahrt auf, weil zuckergesüßte Getränke als relevanter Risikofaktor für Adipositas und Typ-2-Diabetes gelten. Aus Public-Health-Sicht geht es nicht nur darum, einzelne Produkte teurer zu machen, sondern Hersteller zu Rezepturänderungen zu bewegen. Flüssige Kalorien werden oft unterschätzt. Gerade bei Kindern, Jugendlichen und Menschen mit Prädiabetes lohnt sich bei der Beratung zur Gewichtsabnahme der Hinweis auf das Trinken von Wasser, ungesüßtem Tee und realistische, kleine Umstellungen. Auch vermeintlich „leichte“ Getränke wie Fruchtschorlen oder Energydrinks könnt ihr in diesem Zusammenhang thematisieren.
Neues statistisches Jahrbuch der ABDA
Die ABDA hat in dieser Woche das neue Statistische Jahrbuch „Die Apotheke: Zahlen, Daten, Fakten 2026“ veröffentlicht. Es bündelt auf 128 Seiten Daten zur wirtschaftlichen Situation, zur Beschäftigung in der Pharmazie, zu Lieferengpässen, Digitalisierung, Migration und Versorgungsleistungen. Neu ist unter anderem ein stärkerer Blick auf die Nachfrage nach pharmazeutischen Dienstleistungen. Für die Branche ist das Jahrbuch mehr als Statistik: Es liefert Argumente für politische Diskussionen und zeigt, welche Leistungen Apotheken längst übernehmen. Gerade vor dem Hintergrund von Honorardebatten und Reformplänen sind solche Zahlen wichtig, weil sie die wichtige Rolle der Apotheke vor Ort sichtbarer machen.
Cannabinoidbasierte Fertigarzneimittel
Ein weiteres spannendes Thema kommt aus der Cannabinoidmedizin. Laut einer Unternehmensmeldung hat Exilby® (VER-01), ein standardisiertes cannabinoidbasiertes Fertigarzneimittel, eine europäische Zulassung zur Behandlung chronischer Kreuzschmerzen erhalten. Der Punkt ist für Apotheken vor allem deshalb interessant, weil sich der Fokus damit stärker von individuell hergestellten Cannabiszubereitungen hin zu geprüften Fertigarzneimitteln verschieben könnte. Es wird spannend, wie sich ein solches Präparat gegenüber Blüten, Extrakten und klassischen Analgetika positionieren wird.
Hilfe bei Schlaflosigkeit
Rund um das Thema Schlaf gab es diese Woche gleich zwei Beratungsaufhänger. Zum einen werden neue Melatonin-Sprays mit schneller Aufnahme über die Mundschleimhaut beworben. Solche Produkte können für Erwachsene mit Einschlafproblemen, Jetlag oder Schichtarbeit interessant sein, ersetzen aber keine Abklärung chronischer Schlafstörungen. Wichtig bleiben Dosierung, Einnahmezeitpunkt, Wechselwirkungen und der Hinweis, dass Nahrungsergänzungsmittel keine Dauerlösung sein sollten. Besonders bei länger anhaltenden Beschwerden, Tagesmüdigkeit oder Verdacht auf Schlafapnoe gehört ärztlicher Rat dazu.
Zum anderen weist die Deutsche Gesellschaft für Schlafforschung und Schlafmedizin anlässlich des Aktionstags „Erholsamer Schlaf“ auf den Zusammenhang zwischen Bewegung und Schlaf hin. Regelmäßige Aktivität kann das Einschlafen erleichtern und die Schlafqualität verbessern. Sehr intensiver Sport direkt vor dem Schlafengehen ist allerdings nicht für alle günstig. Für die Apotheke ist das ein schöner Präventionspunkt: Schlafhygiene beginnt nicht erst im Bett, sondern tagsüber. Bewegung, Licht, Stressreduktion und feste Routinen lassen sich niedrigschwellig ansprechen und gut mit Selbstmedikation verknüpfen.
Beratung bei Nikotinabhängigkeit
Schließlich wurde die Leitlinie zur Entwicklung von Arzneimitteln gegen Nikotinabhängigkeit aktualisiert. Hintergrund sind neue Konsumformen wie E-Zigaretten und Nikotinbeutel. Für eure Beratung in der Apotheke ist das relevant, weil Nikotinabhängigkeit längst nicht mehr nur klassische Zigaretten betrifft. Rauchstoppberatung, Nikotinersatz, Verhaltenstipps und die kritische Nachfrage nach neuen Produkten bleiben deshalb wichtige Aufgaben im HV. Gerade junge Menschen unterschätzen häufig, dass auch rauchfreie Produkte schnell abhängig machen können. In Studien wird Nikotin übrigens als ähnlich suchtstark eingeordnet wie Heroin oder Kokain, was den meisten Menschen gar nicht bekannt ist.