Sonnenbrand erkennen und richtig behandeln

Rötung, Schmerzen, Blasen: Sonnenbrand ist häufig, wird aber oft falsch behandelt. Hier findest du hilfreiche Informationen zur Einordnung sowie Beratungstipps zu Wirkstoffen und Therapieoptionen.

Pathophysiologie und Symptome

Ein Sonnenbrand ist eine akute entzündliche Reaktion der Haut infolge übermäßiger UV-Exposition. Vor allem UV-B-Strahlen führen zu direkten Zellschäden und zur Freisetzung entzündlicher Mediatoren, was sich klinisch als Erythem, Schmerz und Schwellung äußert. Neben den akuten Beschwerden erhöht wiederholter Sonnenbrand langfristig das Risiko für Hautkrebs und vorzeitige Hautalterung. Um die Beschwerden effektiv zu behandeln, ist es notwendig, dass Symptome und Schweregrade richtig eingeschätzt werden.

Typische Symptome sind:

  • Rötung und Überwärmung
  • Spannungsgefühl, Schmerz
  • Juckreiz
  • ggf. Blasenbildung (bei stärkerem Sonnenbrand)

 

Blasen und systemische Symptome wie Fieber oder Kreislaufbeschwerden weisen auf schwerere Verläufe hin und erfordern ärztliche Abklärung.

Akutmaßnahmen: Kühlung und Flüssigkeit

Erste Maßnahme ist das sofortige Vermeiden weiterer UV-Exposition. Kühlung (z.B. feuchte Umschläge oder kühle Duschen) reduziert die Entzündungsreaktion durch Vasokonstriktion. Eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr ist wichtig, da durch den Sonnenbrand vermehrt Flüssigkeit in die Haut verschoben wird.

Topische Therapie

Die Behandlung ist primär symptomatisch und zielt auf Regeneration und Linderung ab. Dabei können folgende Wirk- und Inhaltsstoffe helfen:

  • Dexpanthenol (Provitamin B5): fördert die Epithelisierung und Hautregeneration und verbessert die Hydratation sowie die Barrierefunktion
  • Aloe vera: kühlend, feuchtigkeitsspendend, kann subjektive Beschwerden lindern, auch wenn der Einfluss auf die Heilungsdauer begrenzt ist
  • Feuchthaltefaktoren (z.B. Glycerin, Hyaluronsäure): unterstützen die Rehydratation und stabilisieren die gestörte Hautbarriere
  • Antioxidantien (z.B. Vitamin C, E): neutralisieren freie Radikale und können Zellschäden reduzieren

 

Leichte, wasserbasierte Formulierungen (Gel, Lotionen, Schaum) sind zu bevorzugen, um Wärmestau zu vermeiden. Sie sind bei den hohen Außentemperaturen auch angenehmer auf der Haut.

Schmerz und Entzündung lindern

Zur Schmerztherapie können nichtsteroidale Antirheumatika (NSAR) wie oral eingenommenes Ibuprofen eingesetzt werden. Sie hemmen die Prostaglandinsynthese und reduzieren den Schmerz sowie die Entzündung. Paracetamol wirkt zwar nicht entzündungshemmend, bei einer Kontraindikation für NSAR kann es allerdings als Alternative eingesetzt werden, um zumindest analgetische Effekte zu erzielen.

Zur Behandlung von leichtem bis mittelschwerem Sonnenbrand eignen sich zudem rezeptfreie Corticosteroide wie Hydrocortison (Konzentrationen von 0,25 % bis 0,5 %). Sie lindern Rötungen und stoppen den Juckreiz. Eine Hydrocortison-haltige Creme wird dünn auf die Haut aufgetragen und darf nicht auf nässende oder blutige Blasen appliziert werden.

Was sollte vermieden werden?

Im akuten Stadium sollten einige Maßnahmen gezielt vermieden werden, um zusätzliche Reizungen oder Komplikationen zu verhindern. Dazu gehören insbesondere topische Lokalanästhetika, da sie ein Sensibilisierungsrisiko bergen. Ebenso ungünstig sind stark fettende, okklusive Zubereitungen, die den betroffenen Hautbereich zusätzlich belasten können. Auch alkoholhaltige oder stark parfümierte Produkte sollten gemieden werden, da sie die Haut weiter reizen. Nicht zuletzt ist es wichtig, mechanische Irritationen wie Reiben oder Kratzen zu vermeiden, um den Heilungsprozess nicht zu stören.

Beratungstipps

  • Sofortmaßnahme erklären: Sonne meiden, kühlen
  • Geeignete Produkte auswählen: leichte, feuchtigkeitsspendende Formulierungen mit Dexpanthenol
  • Schmerzmanagement ansprechen: ggf. NSAR empfehlen
  • Warnzeichen kommunizieren: Blasen, Fieber, großflächiger Befall → ärztlichen Rat einholen
  • Prävention integrieren: konsequenter Sonnenschutz (LSF ≥30)

 

Ein wichtiger Zusatznutzen: Patienten aktiv auf die langfristigen Risiken wiederholter Sonnenbrände hinweisen, um die Adhärenz beim Sonnenschutz zu verbessern.

Fazit

Der Sonnenbrand ist eine häufige, aber potenziell folgenschwere Hautschädigung. Für Apothekenteams steht eine evidenzbasierte, symptomorientierte Beratung im Vordergrund – mit Fokus auf Kühlung, geeignete Wirkstoffe und frühzeitige Erkennung schwerer Verläufe.