Das kleine 1x1 der Laborwerte

Laut dem Apothekenversorgungs-Weiterentwicklungsgesetz (ApoVWG) ist es möglich, Kund:innen in Apotheken venös Blut abzunehmen und zur Auswertung ins Labor zu schicken. Doch was bedeuten die gängigsten Blutwerte eigentlich?

Klein, aber aussagekräftig: das kleine Blutbild

Am häufigsten ordnen Ärzt:innen in Deutschland ein kleines Blutbild an. Es bietet einen ersten Überblick über die Blutzellen und unterstützt sowohl die Diagnostik als auch die Verlaufskontrolle von Erkrankungen. Dafür ist nur eine kleine Blutmenge nötig, idealerweise im Nüchternzustand (ca. zwölf Stunden Nahrungskarenz). Bestimmt werden rote Blutkörperchen (Erythrozyten), weiße Blutkörperchen (Leukozyten) und Blutplättchen (Thrombozyten).

Die Analyse erfolgt automatisiert in modernen Laborgeräten, teilweise ergänzt durch mikroskopische Untersuchungen. Reicht die Aussagekraft nicht aus, kann ein Differentialblutbild erstellt werden, das die verschiedenen Leukozyten genauer aufschlüsselt.
Zusätzlich werden folgende Parameter bestimmt:

  • Hämoglobin (roter Blutfarbstoff)
  • Hämatokrit (Volumenanteil der Erythrozyten)
  • MCH (Hämoglobingehalt in einem Erythrozyten)
  • MCHC (durchschnittlicher Gehalt von Hämoglobin in den roten Blutkörperchen)
  • MCV (durchschnittliches Erythrozytenvolumen)

 

 

Parameter

Frauen

Männer

Erythrozyten

4,1–5,1 Mio./µl

4,5–5,9 Mio./µl

Hämoglobin (Hb)

12–16 g/dl

13,5–17,5 g/dl

Hämatokrit (Hkt)

36–46 %

40–52 %

Leukozyten

4,0–10,0 Tsd./µl

4,0–10,0 Tsd./µl

Thrombozyten

150–400 Tsd./µl

150–400 Tsd./µl

MCV

80–96 fl

80–96 fl

MCH

28–34 pg

28–34 pg

MCHC

32–36 g/dl

32–36 g/dl

 

Was Blutwerte leisten und wo ihre Grenzen liegen

Ein kleines Blutbild kann Hinweise geben auf:

  • Erkrankungen des Knochenmarks
  • Autoimmunerkrankungen
  • Krebserkrankungen (z. B. Leukämien)
  • Infektionen (z. B. Virusinfekte)
  • Herz-, Leber-, Nieren- oder Lungenerkrankungen
  • Erkrankungen der Blutzellen (z. B. Anämien)
  • Gefäßerkrankungen

 

Aber: Blutwerte allein liefern selten eine vollständige Diagnose. Sie sind wichtige Puzzleteile – die endgültige Einordnung erfolgt immer im ärztlichen Gesamtkontext.

Weitere wichtige Laborwerte im Überblick

CRP (C-reaktives Protein)

Ein Eiweiß im Blutplasma, das bei Entzündungen, Infektionen oder Traumata ansteigt.

HbA1c (Langzeitblutzucker)

Gibt den durchschnittlichen Blutzuckerspiegel der letzten drei Monate an und liefert Hinweise auf Diabetes mellitus.

Eisenstatus

Zu niedrige Eisenwerte können Müdigkeit und Antriebslosigkeit verursachen und unbehandelt zu Anämie führen. Relevant sind unter anderem Eisen, Hämoglobin, Ferritin und Transferrin.

Leberwerte

Dazu gehören ALT, AST, Gamma-GT, alkalische Phosphatase (AP), Bilirubin und der Quick-Wert. Sie helfen, Leber-, Gallen- und Gerinnungsstörungen zu erkennen.

Blutfettwerte

Erhöhte Werte (Triglyceride, Gesamtcholesterin, LDL) bzw. zu niedriges HDL erhöhen das Risiko für Herzinfarkt und Schlaganfall.

Harnsäure

Erhöhte Werte können auf Nierenprobleme oder Hyperurikämie (Gicht) hinweisen.

Schilddrüsenwerte

T3, T4 und TSH ermöglichen die Beurteilung der Schilddrüsenfunktion.

Vitamine

Wichtige Parameter sind z. B. Vitamin D, B12 und Folsäure – insbesondere zur Erkennung von Mangelzuständen.

„Kennen Sie sich mit Blutwerten aus?“

Diese Frage hören Apothekenteam häufig im Berufsalltag. Die Antwort lautet: Ja, meistens schon. 

Aber: Die Rolle des pharmazeutischen Personals besteht darin, Werte einzuordnen, Unsicherheiten zu nehmen und grobe Orientierung zu geben. Die Diagnose selbst gehört weiterhin in ärztliche Hand.