Mein murphy Monday
Die Apothekenspitzel:in blickt auf den letzten Montag zurück: zu zweit im Dienst, mitten in der Urlaubszeit und ein Krankheitsausfall – und dann kam auch noch der gefürchtete „Bus“. Chaos vorprogrammiert.
Ab in den Urlaub!
Während einige schon zurück sind, geht es für die nächsten Kolleg:innen in den wohlverdienten Urlaub. So verabschiedete sich auch mein Kollege vergangene Woche Freitag mit einem fröhlichen „Tschüss, bis in zwei Wochen!“ von uns. Und natürlich sei ihm das gegönnt. Zwei Wochen schafft man schließlich auch zu dritt statt zu viert. Dachten wir.
Aber: falsch gedacht!
Am darauffolgenden Montag erreichte uns morgens eine Nachricht in der apothekeneigenen WhatsApp-Gruppe: Eine Kollegin war mit Fieber aufgewacht und nicht sicher, ob sie kommen kann. Wir versicherten ihr sofort, dass wir das hinbekommen und sie sich auskurieren soll.
Dann kam die Erkenntnis und direkt danach die Ernüchterung: Wir sind nur zu zweit!
Also öffneten die Chefin und ich um 8:30 Uhr pünktlich die Apotheke. Ich erledigte die E-Mails, wir machten den Wareneingang, bestückten das Abholregal und bedienten die Kund:innen, die in regelmäßigen Abständen hereinkamen. Die erste Stunde lief ruhig vor sich hin. Und dann:
Der Satz, der nicht gesagt werden darf!
Meine Chefin sprach ihn aus: „Zum Glück ist es heute etwas ruhiger!“
Oh nein. Hat sie das wirklich laut gesagt?
Kaum ausgesprochen, kündigte der Türgong den nächsten Kunden an. Ein stolzer, frischgebackener Vater legte mir ein Entlassrezept über eine Milchpumpe zum Verleih vor. Seine Frau und das Baby seien gerade nach Hause entlassen worden und nun brauche man dringend eine Pumpe.
Auf meine Frage, welches Zubehörset seine Frau benötige, antwortete er nur: „Unbedingt ein Doppelset, das hat die Nachbarin gesagt!“
Es wurde eine längere Beratung. Verordnet war nur ein Einzelpumpset, zudem handelte es sich um ein Einzelkind, und ich musste mit dem Papa auch noch Brustwarzenschablonen vergleichen. Danach erklärte ich die Handhabung, füllte den Mietvertrag aus und besprach das weitere Vorgehen.
Währenddessen bediente meine Chefin einen Kunden nach dem anderen. Ihr Kaffee, den sie sich kurz zuvor geholt hatte, wurde neben dem Computer kalt. Aber wir kennen den Spruch: Kalter Kaffee macht schön.
Nur einmal schnell ans Telefon
Während die Chefin noch im Verkauf war, ging ich ans Telefon, das seit einer halben Stunde immer wieder klingelte. Kund:innen vor Ort haben Vorrang, aber irgendwann muss man rangehen.
Am anderen Ende erkannte ich sofort die durchdringende Stimme von Frau Heinrich. Sie benötigte dringend ein Hühneraugenpflaster. Ich sagte ihr, dass wir es vorrätig haben und sie jederzeit vorbeikommen könne.
„Moment, Moment, ich hätte da noch ein paar Fragen!“, entgegnete sie. Während ich telefonierte, hörte ich mehrfach den Türgong und warf einen vorsichtigen Blick in die Offizin. Plötzlich standen sieben Kund:innen hintereinander. Weil es draußen regnete, begannen sie schon, sich ineinander zu staffeln.
Achtung: Der Bus ist da!
Wo kamen die auf einmal alle her? Wenn mehrere Kund:innen gleichzeitig kommen, wirkt es, als hätte ein Bus vor der Tür gehalten. Genau so nennen wir diesen plötzlichen Ansturm intern auch: „der Bus“. Meine Chefin arbeitete einen nach dem anderen ab, während ich noch am Telefon klärte, dass sich das Hühneraugenpflaster mit dem Allergienasenspray verträgt, ich wegen des Materials beim Hersteller nachfragen müsste und eine Lieferung erst am Nachmittag möglich wäre. Endlich legte ich auf und eilte nach vorne, um zu helfen.
Als wir alles geschafft hatten, nahm meine Chefin einen Schluck von ihrem inzwischen kalten Kaffee und sagte: „Das war jetzt wirklich ein Doppeldecker. Ich hätte wohl nicht sagen dürfen, dass es ruhig ist. Mach ich nie wieder!“
AMIRA fragt: Wie sehen deine Montage in der Apotheke aus? Schreibe deine Erlebnisse in die Kommentare!