Wochenrückblick: Aufmerksamkeit kann Entzündungen abschwächen

Neue U10, Verwechslungsgefahr bei Everolimus, neue Erkenntnisse zu Aufmerksamkeit und Immunantwort, Schlafmangel in Deutschland sowie dm-Pläne für Herz-Kreislauf-Checks: Hier kommt dein Wochenrückblick.

Neue U10: Früherkennung und Impfberatung rücken stärker in den Fokus

Mit der neuen U10 haben gesetzlich versicherte Kinder im Alter von neun bis zehn Jahren künftig Anspruch auf eine zusätzliche Früherkennungsuntersuchung. Auch die J1 im Alter von 13 bis 14 Jahren wurde überarbeitet und wird künftig im Kinderuntersuchungsheft dokumentiert. Im Mittelpunkt stehen unter anderem der Impfstatus, körperliche und psychische Gesundheit sowie gesundheitliche Risiken wie Übergewicht, Bewegungsmangel und übermäßiger Medienkonsum.

Die Untersuchungen bieten eine gute Gelegenheit, Impflücken zu schließen und auf die in diesem Alter empfohlene HPV-Impfung hinzuweisen. Die U10 soll zudem frühzeitig Präventionsbedarf erkennen und Familien auf geeignete Angebote aufmerksam machen. Damit unterstreicht die Neuregelung die Bedeutung einer frühzeitigen Gesundheitsförderung – und eröffnet auch Apotheken die Möglichkeit, Familien bei Impfungen und gesundheitsförderndem Verhalten beratend zu unterstützen.

Everolimus Biocon: Verwechslungsgefahr mit dem Trockenmittel im Blister

Die Arzneimittelkommission der Deutschen Apotheker (AMK) warnt vor der möglichen Verwechslung des integrierten Trockenmittels mit den wirkstoffhaltigen Everolimus-Tabletten von Everolimus Biocon 2,5 mg, 5 mg und 10 mg. Seit April 2024 wurden sechs entsprechende (potenzielle) Anwendungsfehler gemeldet, in mindestens zwei Fällen wurde das Trockenmittel tatsächlich eingenommen. Begünstigt wird die Verwechslung dadurch, dass das feuchtigkeitsabsorbierende Mittel tablettenförmig gestaltet und direkt in den Blister integriert ist. Zudem können die kleine Schrift, die englischsprachige Kennzeichnung „DESICCANT, DO NOT EAT“ und ein missverständlich interpretierbares Scheren-Piktogramm zur Fehlanwendung beitragen.

Bis zur Umsetzung möglicher Risikominimierungsmaßnahmen bittet die AMK Apothekenteams, Patientinnen und Patienten sowie Klinikpersonal gezielt auf das Trockenmittel und dessen Position im Blister hinzuweisen. Bei der Abgabe und Beratung sollte insbesondere darauf geachtet werden, dass ausschließlich die cremefarbenen, wirkstoffhaltigen Tabletten eingenommen werden und die rote, mit „DO NOT EAT“ gekennzeichnete Trockenmitteltablette nicht geschluckt wird.

Studie: Aufmerksamkeit beeinflusst die akute Immunantwort

Eine aktuelle Studie zeigt, dass gezielte Aufmerksamkeit nicht nur die Wahrnehmung körperlicher Reize, sondern auch nachgelagerte biologische Prozesse beeinflussen kann. In drei vorab registrierten Experimenten wurde eine akute Hautentzündung untersucht. Richteten die Teilnehmenden ihre Aufmerksamkeit bewusst auf die körperlichen Empfindungen, fiel die Entzündungsreaktion im Vergleich zu einer Ablenkung deutlich geringer aus. Der Effekt zeigte sich in zwei unabhängigen Teilnehmergruppen bei rund 90 % der Probandinnen und Probanden; die Immunreaktion war unter nach innen gerichteter Aufmerksamkeit etwa 1,5-mal schwächer.

Die Forschenden identifizierten dabei zwei mögliche Mechanismen: Zum einen beeinflusste die Verarbeitung identischer sensorischer Reize die Stärke der Entzündungsreaktion, zum anderen war eine Aktivierung des parasympathischen Nervensystems über den Vagusnerv beteiligt. Die Ergebnisse liefern damit Hinweise darauf, dass Aufmerksamkeit die Immunfunktion des Körpers unmittelbar mitregulieren kann und Wahrnehmung nicht nur ein subjektives Erleben ist, sondern auch biologische Prozesse beeinflussen kann.

RKI: Menschen in Deutschland schlafen zu wenig

Eine aktuelle Auswertung des Robert Koch-Instituts (RKI) zeigt, dass viele Erwachsene in Deutschland weniger als die empfohlenen sieben Stunden pro Nacht schlafen. Nach Daten der GEDA-2023-Erhebung betrifft dies unter der Woche 39,6 % der Erwachsenen, am Wochenende sind es 22,7 %. Besonders häufig schlafen Männer zwischen 45 und 64 Jahren zu kurz: Bei ihnen liegt der Anteil bei 53,0 %. Eine kurze Schlafdauer wird in Studien unter anderem mit Bluthochdruck sowie einem erhöhten Risiko für Adipositas, Diabetes und Herz-Kreislauf-Erkrankungen in Verbindung gebracht und kann auch die Entstehung von Angststörungen und Depressionen begünstigen.

Das RKI betont, dass neben individuellen Maßnahmen wie regelmäßigen Schlafzeiten und einer geeigneten Schlafumgebung auch äußere Einflussfaktoren berücksichtigt werden sollten. Dazu zählen insbesondere nächtlicher Lärm, ungünstige Licht- und Temperatureinflüsse sowie Nacht- und Schichtarbeit. Die Ergebnisse basieren auf Angaben von 8.026 Erwachsenen ab 18 Jahren. Schlaf und Gesundheit bilden 2026 einen Themenschwerpunkt im „Journal of Health Monitoring“, in dem zuletzt auch Daten zu Ein- und Durchschlafstörungen veröffentlicht wurden.

dm plant Herz-Kreislauf-Checks in seinen Filialen

Einer dpa-Meldung zufolge will die Drogeriekette dm ihr Gesundheitsangebot um Herz-Kreislauf-Checks erweitern. Künftig sollen Kundinnen und Kunden in speziellen Kabinen mithilfe von Sensoren verschiedene Vitaldaten und gesundheitliche Parameter erfassen lassen können – ohne sich dafür ausziehen zu müssen. Einen konkreten Starttermin nannte dm-Geschäftsführer Sebastian Bayer noch nicht, rechnet aber mit einer Einführung noch im Jahr 2026. Auch ein konkreter Kooperationspartner steht bislang nicht fest.

dm baut sein Engagement im Gesundheitsbereich damit weiter aus. Neben dem seit 2025 bestehenden Versandhandel mit rezeptfreien Arzneimitteln aus Tschechien bietet die Drogeriekette in ausgewählten Filialen bereits Haut- und Blutanalysen sowie Augenscreenings an. Das Augenscreening soll von derzeit acht auf rund 30 Filialen ausgeweitet und sowohl in ländlichen Regionen als auch in Großstädten getestet werden. Die Blutanalysen sind aktuell pausiert, sollen künftig aber stärker von dm selbst gesteuert werden.