Migräne: Wenn Kopfschmerzen das Leben ausbremsen

Migräne zählt zu den häufigsten neurologischen Erkrankungen. Die Attacken gehen weit über gewöhnliche Kopfschmerzen hinaus und können Alltag, Beruf und Lebensqualität erheblich beeinträchtigen.

Migräne betrifft Millionen Menschen 

Allein in Deutschland leiden rund zehn Millionen Menschen an Migräne. Frauen sind mit einer Prävalenz von etwa 18 % deutlich häufiger betroffen als Männer mit rund 6 %. Die Erkrankung wird meist zwischen dem 20. und 50. Lebensjahr diagnostiziert, kann jedoch schon im Kindesalter beginnen. 

Neuere Studien deuten darauf hin, dass sogar ein Zusammenhang zwischen Migräne und Säuglingskoliken bestehen könnte. Mit Beginn der Pubertät steigt die Häufigkeit insbesondere bei Mädchen und Frauen deutlich an, was auf hormonelle Einflüsse schließen lässt. 

Typische Symptome einer Migräneattacke 

Migräne ist weit mehr als ein gewöhnlicher Kopfschmerz. Die Beschwerden treten meist anfallsartig auf und äußern sich häufig durch starke, pulsierende oder pochende Schmerzen, die überwiegend eine Kopfseite betreffen. Körperliche Aktivität verstärkt die Symptome oft zusätzlich. 

Viele Betroffene leiden während einer Attacke unter Übelkeit, Erbrechen sowie einer ausgeprägten Empfindlichkeit gegenüber Licht, Geräuschen oder Gerüchen. 

Bei etwa 15–20 % der Erkrankten geht der Migräne eine sogenannte Aura voraus. Diese kann sich durch Lichtblitze, Gesichtsfeldausfälle, verschwommenes Sehen oder verzerrte Wahrnehmungen bemerkbar machen. Auch Kribbeln, Taubheitsgefühle oder Sprachstörungen sind möglich. 

Da die Symptome teilweise einem Schlaganfall ähneln, sorgen erste Aura-Erfahrungen häufig für große Verunsicherung. Meist klingen die Beschwerden nach etwa einer Stunde ab, bevor die eigentliche Migräneattacke beginnt. 

Was löst Migräne aus? 

Die genauen Ursachen der Migräne sind bis heute nicht vollständig geklärt. Fachleute vermuten ein komplexes Zusammenspiel aus genetischer Veranlagung, Veränderungen in der Schmerzverarbeitung des Nervensystems, entzündlichen Prozessen und verschiedenen Botenstoffen im Gehirn. Bekannt ist jedoch, dass bestimmte individuelle Auslöser Migräneattacken begünstigen können.  

Dazu zählen unter anderem: 

  • Stress und psychische Belastungen 
  • ein unregelmäßiger Tagesablauf 
  • Schlafmangel 
  • Flüssigkeitsmangel 
  • hormonelle Schwankungen 
  • Rauchen 
  • Wetterwechsel 
  • Reizüberflutung 
  • bestimmte Lebensmittel wie Rotwein, gereifter Käse, Schokolade oder stark verarbeitete Produkte 
  • Nicht jeder Trigger wirkt bei jedem Menschen gleichermaßen. 

 

Trigger erkennen und vorbeugen 

Ein wichtiger Schritt im Umgang mit Migräne besteht darin, persönliche Auslöser zu identifizieren. Dabei kann ein Migränetagebuch helfen, Zusammenhänge zwischen Beschwerden und möglichen Triggern sichtbar zu machen. 

Ebenso wichtig ist ein möglichst regelmäßiger Lebensstil. Ausreichend Schlaf, feste Tagesstrukturen, Stressabbau, regelmäßige Bewegung und eine ausgewogene Ernährung können dazu beitragen, die Häufigkeit von Attacken zu reduzieren. 

Außerdem sollten Betroffene auf eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr achten. Auch Magnesium kann die Migräneprophylaxe unterstützen. Häufig werden Tagesmengen von etwa 400 Milligramm empfohlen. 

Während eines akuten Anfalls empfinden viele Betroffene Ruhe, einen abgedunkelten Raum oder kühlende Umschläge an Stirn und Nacken als angenehm. Welche Maßnahmen helfen, ist jedoch individuell unterschiedlich. 

Welche Medikamente helfen? 

Zur Behandlung akuter Migräneattacken kommen häufig rezeptfreie Schmerzmittel wie Acetylsalicylsäure (ASS), Diclofenac, Ibuprofen oder Paracetamol zum Einsatz. Auch Wirkstoffkombinationen mit Koffein als Synergist sind hilfreich. 

Begleitende Übelkeit lässt sich meist mit Dimenhydrinat lindern. Bei stärkeren Beschwerden können ärztlich verordnete Medikamente wie Metoclopramid oder Domperidon sinnvoll sein. 

Speziell für Migräne entwickelt wurden sogenannte Triptane. Werden sie frühzeitig eingenommen, können sie eine Attacke abschwächen oder sogar unterbrechen. 

Moderne Möglichkeiten zur Vorbeugung 

Bei häufigen oder besonders belastenden Migräneattacken kann eine vorbeugende Therapie infrage kommen. Bewährte Wirkstoffe sind beispielsweise bestimmte Betablocker (z. B. Propranolol), Antidepressiva (z. B. Amitriptylin) oder Antiepileptika (z. B. Topiramat). 

In den vergangenen Jahren sind zudem moderne Therapieoptionen hinzugekommen. Dazu gehören Antikörpertherapien, die speziell in die Entstehungsmechanismen der Migräne eingreifen, sowie die neue Wirkstoffgruppe der Gepante, die sowohl zur Vorbeugung als auch zur Akutbehandlung eingesetzt werden kann. 

Eine weitere innovative Methode ist die sogenannte Remote Electrical Neuromodulation (REN). Dabei werden Nervenbahnen außerhalb der eigentlichen Schmerzregion elektrisch stimuliert. Das Gehirn aktiviert daraufhin körpereigene Mechanismen, die die Schmerzwahrnehmung abschwächen und Migränebeschwerden reduzieren können.