Pflanzliche Erkältungssalben: Duftende Hilfe mit Grenzen

Erkältungssalben mit ätherischen Ölen können Beschwerden wohltuend lindern. In der Beratung zählen jedoch Produkt, Alter und Anwendung – besonders bei Kindern.

Wenn die Nase dicht ist und der Husten quält, greifen viele Kundinnen und Kunden gern zu Erkältungssalben. Beim Einreiben verdunsten die enthaltenen ätherischen Öle durch die Körperwärme und werden eingeatmet. Ihr Duft kann das Gefühl vermitteln, freier atmen zu können. Je nach Präparat sollen sie zudem festsitzenden Schleim lösen und Hustenbeschwerden lindern. Sie behandeln jedoch lediglich die Symptome, dass sie den Infekt verkürzen, ist nicht belegt. Für Eukalyptusöl beruht die Anwendung bei einem Erkältungshusten vor allem auf langjähriger traditioneller Erfahrung. 

Was steckt in den Salben? 

Häufig enthalten die Präparate Eukalyptusöl beziehungsweise dessen Hauptbestandteil 1,8-Cineol, Kiefern- oder Fichtennadelöl sowie Pfefferminzöl oder Menthol. Manche Produkte kombinieren diese Stoffe mit Kampfer oder Terpentinöl. Die Mischungen unterscheiden sich deutlich – und damit auch die Altersgrenzen, Dosierungen und Gegenanzeigen. „Pflanzlich“ bedeutet dabei nicht automatisch „sanft“. Vor allem Kampfer, Menthol sowie Eukalyptus- und Pfefferminzöl können bei Säuglingen und kleinen Kindern gefährliche Atemreaktionen auslösen. Unverdünnte ätherische Öle gehören deshalb weder in die Nase noch auf die Haut eines Kindes. Empfohlen werden sollten nur Präparate, die ausdrücklich für das jeweilige Alter zugelassen sind. 

Ein Blick in die aktuelle Packungsbeilage ist unverzichtbar. Drei Beispiele zeigen, wie unterschiedlich die Vorgaben ausfallen: 

  1. Pinimenthol® Erkältungsbalsam mild enthält Eukalyptus- und Kiefernnadelöl; auf Menthol als Wirkstoff wird verzichtet. Zum Einreiben ist er ab zwei Jahren vorgesehen: Morgens und abends kommen etwa fünf Zentimeter Salbenstrang auf Brust oder Rücken. Inhalieren ist erst ab sechs Jahren erlaubt. Bei Zwei- bis Fünfjährigen darf der Balsam nicht im Gesicht angewendet werden. Sinnvoll ist hier das Einreiben des Rückens, damit nichts über die Hände in Augen oder Nase gelangt. 

  1. Bronchoforton® Salbe kombiniert Eukalyptus-, Fichtennadel- und Pfefferminzöl. Sie darf ab vier Jahren auf Brust oder Rücken angewendet werden: Vier- bis Sechsjährige erhalten ein bis zwei Zentimeter, Sechs- bis Zwölfjährige ein bis drei Zentimeter und Jugendliche ab zwölf Jahren sowie Erwachsene drei bis fünf Zentimeter – jeweils zwei- bis viermal täglich. Eine Dampfinhalation ist erst ab sechs Jahren erlaubt. 

  1. Transpulmin® Erkältungsbalsam für Kinder enthält pro Gramm 100 Milligramm Eukalyptusöl und 30 Milligramm Kiefernnadelöl. Einreiben ist ab zwei Jahren viermal täglich, Inhalieren ab sechs Jahren dreimal täglich vorgesehen. Ein guter Hinweis für eure Beratung: Die Zentimeterangabe hängt hier auch von der Tubengröße ab, weil die Öffnungen unterschiedlich weit sind. Kundinnen und Kunden sollten daher die Dosiertabelle ihrer eigenen Packung verwenden. 

Richtig einreiben und inhalieren 

Erkältungssalben gehören in der jeweils empfohlenen Menge auf intakte Haut an Brust und/oder Rücken. Augen, Schleimhäute, Wunden und entzündete Hautstellen müssen ausgespart bleiben. Ob eine Anwendung unter der Nase zulässig ist, regelt die jeweilige Packungsbeilage. Bei kleinen Kindern ist das Gesicht immer tabu. Nach dem Auftragen ist das Händewaschen wichtig. 

Ist eine Inhalation laut Beipackzettel erlaubt, soll heißes, aber nicht mehr kochendes Wasser verwendet werden. Die Schüssel muss kippsicher stehen, Kinder benötigen durchgehend Aufsicht. Außerdem sollte ausdrücklich auf die Verbrühungsgefahr hingewiesen werden. Mehrere Produkte mit ätherischen Ölen, etwa Salbe, Erkältungsbad und Inhalat, sollten nicht unkritisch kombiniert werden. 

Diese Fragen gehören in die Beratung 

Frage nach Alter, gewünschter Anwendung, Dauer der Beschwerden und Begleitmedikation. Wichtig sind außerdem Asthma, Keuchhusten, Pseudokrupp, besonders empfindliche Atemwege, frühere Krampfanfälle, Hautschäden sowie Schwangerschaft oder Stillzeit. Die konkreten Ausschlüsse sind produktabhängig und viele Erkältungssalben sind in Schwangerschaft sowie Stillzeit nicht oder nur nach ärztlicher Rücksprache geeignet. 

Bei Atemnot, Fieber, eitrigem oder blutigem Auswurf sowie anhaltenden oder zunehmenden Beschwerden ist ärztlicher Rat gefragt. Auch bei der Anwendungsdauer gilt der Beipackzettel: Transpulmin® für Kinder nennt ohne ärztlichen Rat drei bis fünf Tage, Bronchoforton® höchstens fünf Tage; bei Pinimenthol® soll spätestens bei Beschwerden über eine Woche ärztlich abgeklärt werden. Wurde eine größere Menge verschluckt, sollte sofort ein Giftinformationszentrum kontaktiert werden. Bei Atemnot, Krämpfen oder Bewusstseinsstörungen gilt: 112 wählen.