Hopp, hopp in den nächsten Job?!

Wenn sich eine Tür schließt, geht eine andere auf. Aber gilt das auch für die Jobsituation in den Apotheken? Die Apothekenspitzel:in checkt die Lage.

Unruhe im Team 

„Wir brauchen mehr“, tönt es am Montagmorgen durch die Apotheke, als ich mit meiner Kaffeetasse überpünktlich zehn Minuten vor Öffnung aus dem Pausenraum in die Offizin trete. 

Mein Chef schwelgt in seinen Visionen: mehr Kund:innen, mehr Rezepte, mehr Zusatzverkäufe. 

Aber ganz ehrlich: Woher nehmen und nicht stehlen, wenn sich gleich zwei weitere Apotheken in unmittelbarer Nachbarschaft befinden? 

Auf die Erwiderung meiner Kollegin, dass mehr Gehalt auch nicht schlecht wäre, erntet sie einen wütenden Blick und die Mahnung, sie müsse doch mittlerweile wissen, wie schlecht die Zeiten seien. 

Ganz ehrlich: Das klingt nicht gut und fühlt sich langsam auch nicht mehr gut an. Immer mehr unerreichbare Vorgaben und Forderungen, aber nur wenig bis gar keine Wertschätzung. Die Stimmung im Team verschlechtert sich merklich. Ich fürchte, mein „Verfallsdatum“ in dieser Apotheke ist bald erreicht. Zeit für Veränderung! 

Auf zu neuen Ufern – wirklich? 

Doch ist das wirklich so einfach, wie gedacht? 

Immerhin waren die Arbeitszeiten mit einer 4-Tage-Woche und nur einem Samstag pro Monat wirklich gut, und die Apotheke liegt nur zwei Straßen von meinem Zuhause entfernt. Die Schule und der Kindergarten meiner Kinder sind ganz in der Nähe, sodass ich im Fall der Fälle schnell vor Ort wäre. 

Die Kolleg:innen sind, abgesehen von unserem Asphaltier, eigentlich auch ganz nett. Wir haben uns immer gut verstanden. 

Aber in letzter Zeit komme ich immer öfter frustriert nach Hause und habe ständig das Gefühl, meine Leistung genüge nicht, obwohl ich wirklich mein Bestes gebe. Ich bin schließlich nicht mit dieser Apotheke verheiratet. Andere Mütter haben schließlich auch hübsche Söhne – äh, Apotheken. 

Los geht's mit der Jobsuche 

Unauffällig schlage ich in der Mittagspause die aktuelle PZ auf. Da gibt es doch haufenweise Stellenangebote, sogar nach Postleitzahlen sortiert. 

Wie Sie sehen, sehen Sie allerdings nichts. Gerade mal zwei Anzeigen am anderen Ende der Republik. So weit weg wollte ich dann doch nicht. In der aktuellen DAZ sieht es leider auch nicht besser aus. 

Als meine Kollegin fragt, ob ich einen neuen Job suche, wiegele ich schnell ab: „Nein, nein, ich wollte nur nachschauen, ob die AMK-Meldungen bereits bearbeitet sind.“ Puh, das war knapp. Noch ist nichts spruchreif, also bleiben meine Lippen erst einmal versiegelt. 

Abends öffne ich zu Hause die Homepage der Apothekerkammer. Da müsste sich doch eine passende Stellenanzeige für mich finden lassen. Was die Quantität der Anzeigen betrifft, bin ich mehr als zufrieden. Aber die Qualität ... 

Etliche Anzeigen sind bereits mehr als ein halbes Jahr alt. Das ist mehr als verdächtig. Dennoch finde ich ein paar interessante Jobangebote. Gott sei Dank habe ich morgen frei. Dann werde ich mal nachfragen. Schnell überarbeite ich noch meinen Lebenslauf und vervollständige meine Bewerbungsunterlagen. 

Neuer Tag, neues Glück? 

Wo immer möglich, durchforste ich die Homepages der infrage kommenden Apotheken. Ich schaue mir die Räumlichkeiten, die Mitarbeitenden und vor allem die Apothekenleitungen an. Dadurch wird meine Liste schnell kleiner. Ziemlich klein sogar. Nach einer Stunde Internetrecherche bleiben gerade einmal zwei Apotheken übrig, die in die engere Wahl kommen. 

Meine Oma hat immer gesagt: Man muss mit den Leuten reden! Also greife ich zum Telefon und wähle die erste Nummer. 

Es läutet durch. Keiner geht ran. 

Als ich es später erneut versuche und der abgehetzten Mitarbeiterin am anderen Ende der Leitung erzähle, dass ich wegen der Stellenanzeige anrufe, sagt sie nur: „Ach, das hat sich erledigt, wir haben schon jemanden gefunden. Wir haben wohl vergessen, die Stellenanzeige herauszunehmen.“ 

Das würde sie später erledigen, wenn sie die Zeit dazu finde. 

Oh je, was für ein Stress. Und schade. Oder auch nicht? 

In der nächsten Apotheke, die ich anrufe, meldet sich die Inhaberin persönlich. Sie suche dringend jemanden, da eine Mitarbeiterin schwer erkrankt sei und die andere eigentlich nicht mehr als 20 Stunden arbeiten möchte. 

Ich könnte gerne sofort anfangen, müsste aber mindestens 30 Stunden und eigentlich jeden Samstag arbeiten. Bezahlen könne sie allerdings nur Tariflohn. 

„Sie wissen doch, wie schlecht die Zeiten sind!“ 

Ich bedanke mich für das Angebot, lehne aber dennoch ab. Ich will schließlich nicht vom Regen in die Traufe kommen, und das wäre schon ein sehr, sehr kleines Team. Da muss schon alles passen. 

Gut Ding will Weile haben 

Ja, so habe ich mir meinen freien Tag nicht vorgestellt. 

Aber gut, dann muss ich wohl noch ein bisschen warten, bis der neue, richtige Job und ich uns finden. 

Also abwarten und Tee, äh Kaffee trinken. Und bis dahin: Augen zu und durch! 

 

AMIRA fragt: Die Apothekenspitzel:in hält weiter Augen und Ohren offen und lässt sich vor allem nicht unterkriegen, auch wenn die Zeiten schlecht sind. Hast du ähnliche Erfahrungen gemacht? Schreib deine Erlebnisse in die Kommentare! 

Mehr Lesestoff aus unserer Kolumne gefällig? Dann schau hier und begleite die Apothekenspitzel:in in ihrem abwechslungsreichen Alltag.