Haarausfall bei Männern: Was die Apotheke leisten kann

Geheimratsecken, Tonsur oder plötzlich kahle Stellen? Bei männlichem Haarausfall entscheidet die Ursache über die Behandlung. So berätst du zu Minoxidil, Finasterid und Co.

Haarausfall trifft viele Männer – manche nehmen ihn gelassen, andere leiden erheblich darunter. Am häufigsten steckt eine androgenetische Alopezie dahinter. Dabei reagieren genetisch empfindliche Haarfollikel übermäßig auf Dihydrotestosteron (DHT). Die Wachstumsphase verkürzt sich, die Haare werden feiner und die Follikel bilden sich allmählich zurück. Typisch sind Geheimratsecken und eine zunehmende Lichtung im Tonsurbereich. Ein „zu hoher Testosteronspiegel“ wie es von vielen Kunden vermutet wird, ist dagegen meist nicht die Ursache. 

Nicht jeder Haarausfall ist erblich 

Bevor ein Präparat empfohlen wird, sollte nach Beginn, Verlauf und Muster gefragt werden. Entwickelt sich der Haarverlust langsam und weitgehend symmetrisch an Stirn und Hinterkopf, spricht das für die anlagebedingte Form. Plötzlicher, diffuser oder klar begrenzter kreisrunder Haarausfall gehört dagegen ärztlich abgeklärt. Das gilt ebenso bei geröteter, schuppender, schmerzender oder vernarbter Kopfhaut. 

Hilfreich ist außerdem die Frage nach vorausgegangenen Infekten mit Fieber, Operationen, starkem Stress, rascher Gewichtsabnahme, einseitiger Ernährung und neu angesetzten Arzneimitteln. Hinter diffusem Haarausfall können beispielsweise ein sogenanntes „telogenes Effluvium“, eine Schilddrüsenerkrankung oder ein Nährstoffmangel stecken. Dann muss die Ursache behandelt werden; ein Haarwuchsmittel allein hilft nicht weiter. 

Minoxidil: Geduld gehört zur Therapie 

Topisches Minoxidil ist rezeptfrei und für die androgenetische Alopezie zugelassen. Bei Männern kommen meist fünfprozentige Präparate infrage. Die Produktwahl verdient dennoch Aufmerksamkeit: Regaine® Männer Lösung ist für 18- bis 49-Jährige vorgesehen, der entsprechende Schaum erst für 21- bis 49-Jährige. Minoxidil BIO-H-TIN-Pharma® 50 mg/ml umfasst laut Packungsbeilage dagegen Männer von 18 bis 65 Jahren. 

Lösungen werden üblicherweise mit einem Milliliter morgens und abends aufgetragen. Beim Schaum entspricht eine Dosis etwa einem Gramm beziehungsweise dem Volumen einer halben Verschlusskappe. Entscheidend ist die jeweilige Gebrauchsinformation. Das Mittel gehört auf die trockene, gesunde Kopfhaut und nicht hauptsächlich ins Haar. Anschließend sollten die Hände gewaschen werden. Kinder sollten nicht mit frisch behandelten Hautstellen in Berührung kommen. 

Erste Effekte sind frühestens nach einigen Monaten zu erwarten. Zwei bis sechs Wochen nach Therapiebeginn kann der Haarverlust vorübergehend sogar zunehmen. Dieses sogenannte Shedding sollte vorab erklärt werden, damit die Behandlung nicht vorschnell abgebrochen wird. Minoxidil muss dauerhaft angewendet werden; nach dem Absetzen setzt sich der Haarverlust fort. Mehr Wirkstoff oder häufigeres Auftragen verbessert das Ergebnis nicht. 

Mögliche Nebenwirkungen und Alternativen 

Häufige Probleme sind Juckreiz, Rötung und trockene Kopfhaut. Bei Brustschmerzen, Herzrasen, Schwindel, Blutdruckabfall, unerklärlicher Gewichtszunahme oder Ödemen muss das Präparat abgesetzt und ärztlicher Rat eingeholt werden. Bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Hypertonie oder einer antihypertensiven Therapie sollte vor der Empfehlung Rücksprache angeregt werden. 

Ell-Cranell® mit Alfatradiol ist für leichte androgenetische Alopezie bei erwachsenen Männern und Frauen zugelassen. Etwa drei Milliliter werden einmal täglich mit dem Applikator auf die trockene Kopfhaut gegeben. Nach einer Besserung kann die Anwendung auf jeden zweiten bis dritten Tag reduziert werden. Ohne ärztliche Rücksprache sollte die Therapie nicht länger als ein Jahr dauern. 

Finasterid: wirksam, aber beratungsintensiv 

Der verschreibungspflichtige Wirkstoff Finasterid hemmt die Umwandlung von Testosteron in DHT. Propecia® enthält ein Milligramm pro Tablette und ist für Männer zwischen 18 und 41 Jahren in frühen Stadien zugelassen. Bis sich der Haarausfall stabilisiert, vergehen meist drei bis sechs Monate. Auch diese Behandlung wirkt nur bei fortlaufender Einnahme. 

Neben sexuellen Funktionsstörungen müssen heute Stimmungsschwankungen, Depressionen und Suizidgedanken ausdrücklich angesprochen werden. Treten psychische Veränderungen auf, soll Finasterid abgesetzt und umgehend ärztlicher Rat eingeholt werden. Schwangere dürfen zerbrochene oder zerstoßene Tabletten wegen des Risikos für einen männlichen Fetus nicht berühren. 

Nahrungsergänzung nicht auf Verdacht 

Biotin, Zink oder Eisen klingen nach einer einfachen Lösung. Ohne nachgewiesenen Mangel wird eine Supplementierung bei androgenetischer Alopezie jedoch nicht empfohlen. Erinnere Kundinnen und Kunden außerdem daran, eine Biotineinnahme vor Laboruntersuchungen anzugeben: Höhere Dosierungen können unter anderem Schilddrüsen- und Troponinwerte verfälschen. Gute Beratung bedeutet deshalb auch, realistische Erwartungen zu vermitteln. Ziel ist meist, den Haarverlust zu bremsen – nicht, eine fortgeschrittene Glatze vollständig rückgängig zu machen.