Die PTA von morgen: Klasse 3 als Nachwuchsbörse
Am Bundesweiten Vorlesetag verlässt die Apothekenspitzel:in den HV und geht in die Schule. Vorlesen, Gesundheitswissen teilen – und vielleicht schon heute die Fachkräfte von morgen neugierig machen.
Es war einmal … eine PTA in der Schule
„Du gehst am 20. November in die Grundschule – das heißt natürlich, nur wenn du einverstanden bist.“ Miri sagte das in einem Ton, als hätte sie soeben den Dienstplan geändert und mich in die Filiale geschoben. „Warum?“ Sie grinste. „Du sollst etwas vorlesen.“ Ich sah sie an. „Ich kann Kindern sehr viel über halbfeste Zubereitungen erzählen.“ „Bitte nicht.“
Am 20. November ist Bundesweiter Vorlesetag. Und diesmal sollen auch Apotheken mitmachen: raus aus der Offizin, rein in die Schule, eine Geschichte vorlesen und dabei ganz nebenbei zeigen, wer wir eigentlich sind. Meine erste Reaktion war trotzdem sehr apothekentypisch. „Wann sollen wir das denn noch machen?“
Wer hat denn noch Zeit für sowas?
Zwischen Lieferengpässen, Rezepturen, Impfungen, Telefon und dem Kunden, der „nur ganz kurz“ wissen möchte, welche seiner 14 Tabletten er morgens nehmen soll, wirkt ehrenamtliches Vorlesen zunächst wie Punkt 37 auf einer ohnehin überfüllten To-do-Liste.
„Was liest man da überhaupt?“, fragte ich. „Etwas über Gesundheit. Ernährung. Medizin. Vielleicht darüber, wie der Körper funktioniert. Vielleicht denken wir uns aber auch alle zusammen eine Apothekengeschichte aus? Wäre doch was für die nächste Teamsitzung!“
„Also nicht die Fachinformation von Ibuprofen?“ „Eher nicht.“ Schade. Kapitel 4.8 hätte bestimmt Spannung erzeugt. Je länger wir darüber redeten, desto besser gefiel mir allerdings tatsächlich die Idee. Denn Kinder wissen erstaunlich wenig darüber, was in einer Apotheke eigentlich passiert. Für manche verkaufen wir Pflaster und Hustenbonbons, andere glauben vermutlich, wir holen fertige Medikamente einfach aus geheimnisvollen Schubladen.
Wer weiß, was in einer Apotheke passiert?
Dass PTA und Apotheker:innen Rezepturen herstellen, Ausgangsstoffe prüfen, beraten, Wechselwirkungen erkennen und manchmal viele Minuten lang telefonieren müssen, damit am Ende überhaupt das richtige Arzneimittel beim richtigen Menschen landet – wann sollen Kinder das denn erfahren, wenn wir es ihnen nie erzählen?
„Das ist Nachwuchswerbung“, sagte Miri. „Das Kind in Klasse drei soll sich also gleich für die PTA-Schule anmelden?“ fragte ich. Sie zuckte mit den Achseln. „Man muss früh anfangen.“
Ganz so schnell dürfte es nicht gehen. Aber vielleicht erinnert sich ein Kind ein paar Jahre später tatsächlich daran, dass da einmal jemand aus der Apotheke in der Schule war. Spätestens beim Schülerpraktikum ist die Apotheke dann vielleicht mehr als der Ort, an dem Mama Nasenspray kauft. Und selbst wenn daraus nie eine PTA, PKA oder Apothekerin wird, haben wir etwas gewonnen.
Ein Kind, das weiß, warum Antibiotika nicht gegen Erkältungsviren helfen. Eines, das versteht, weshalb Medikamente keine Bonbons sind. Oder einfach eines, das nach der Geschichte zu Hause ein Buch aufschlägt.
Ein einfaches Motto: „Ich lese vor – du auch?“
Der Bundesweite Vorlesetag heißt dieses Jahr „Ich lese vor – du auch?“. Das ist erfreulich unkompliziert. Man braucht keinen Messestand, keine Hochglanzbroschüre und keine Werbegeschenke. Man braucht lediglich eine schöne Geschichte, ein bisschen Zeit und jemanden, der sie vorliest.
„Und wenn die Kinder Fragen stellen?“, fragte ich. Miri grinste. „Dann beantwortest du sie.“ Das machte mir mehr Sorgen als das Vorlesen -Kinderfragen haben schließlich keine Fachinformation. Ich sehe mich schon vor 25 Achtjährigen. „Kann man von zu vielen Gummibärchen krank werden?“ „Warum schmeckt Medizin immer eklig?“ „Habt ihr in der Apotheke Gift?“ Und garantiert: „Wie alt bist du?“
Vielleicht ist genau das der Charme daran. Für eine Stunde erklären wir nicht die Apotheke – wir zeigen sie. Und wenn dabei am Ende ein Kind sagt: „Das will ich später auch mal machen“, wäre das ziemlich schön. Ich habe Miri übrigens zugesagt ... und die Fachinformation bleibt natürlich in der Apotheke.