Wochenrückblick: Insgesamt dritte erfolgreiche HIV-Heilung, baldige Lockerungen der Corona-Maßnahmen und Neues aus der Apotheke

In den USA wurde die weltweit erste Heilung einer Frau von HIV verzeichnet, Neues zu E- und T-Rezepten, Lockerungen der Corona-Maßnahmen angekündigt und Infos zum Drei-Stufen-Plan – ist bald ein Ende in Sicht?

Neues zu den T-Rezepten

Bislang war der/die verschreibende Ärzt:in dafür verantwortlich, den Patient:innen eine aktuelle Gebrauchsinformation des Fertigarzneimittels mitzugeben, wenn dieses den Wirkstoff Lenalidomid enthält (zurzeit nur ”Revlimid” von Celgene). Dies musste er anschließend auch auf dem T-Rezept-Formular bestätigen. Das wird sich nun ändern: Ab jetzt sind die abgebenden Apotheken beim Aushändigen des Medikaments an die Patient:innen dafür zuständig. Der Bundesrat stimmte dieser Änderung der Arzneimittelverschreibungsverordnung am 11. Februar 2022 zu.  

Die Änderung hängt damit zusammen, dass in absehbarer Zeit Generika mit dem Wirkstoff Lenalidomid auf den Markt kommen werden. Aufgrund der Rabattverträge, die dann greifen werden, weiß der/ die Ärzt:in bei der Ausstellung des T-Rezeptes nicht, welche Firma letztendlich in der Apotheke ausgewählt wird. Daher liegt die Verantwortung für die Weitergabe der Gebrauchsinformation künftig bei dem oder der aufsichtführenden Apotheker:in. Neue T-Rezeptvorlagen werden derzeit erstellt und gedruckt. Der oder die verschreibende Ärzt:in kann – bis die neuen Formulare auf dem Markt sind – bei den alten Formularen den Satzteil „…sowie die aktuelle Gebrauchsinformation des entsprechenden Fertigarzneimittels…“ streichen. 

Drei-Stufen-Plan zum ”Freedom-Day”

Ein Ende der Corona-Maßnahmen in Deutschland ist in Sicht: Zum sogenannten Freedom-Day am 20. März 2022 sollen die meisten Maßnahmen enden – so wurde es in der letzten Bund-Länder-Konferenz beschlossen (16.02.2022). Kurz danach stellte Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) den Drei-Stufen-Plan vor, der die Vorgehensweise vorgibt. 

  • Stufe 1:Stufe 1: Die Kontaktbeschränkungen für Geimpfte und Genesene im Privatbereich fallen weg und im Einzelhandel werden die Zugangsbeschränkungen bis auf die Maskenpflicht aufgehoben. Dies soll von den Ländern bereits in den kommenden Tagen umgesetzt werden. 
  • Stufe 2:Stufe 2: Ab dem 4. März sollen Clubs und Diskotheken ihre Tore wieder öffnen und für Gastronomie und Hotelübernachtungen gilt dann wieder die 3-G-Regelung.  
  • Stufe 3:Stufe 3: Die Schutzmaßnahmen – laut Infektionsschutzgesetz – gelten bis zum 19. März, daher fallen erst ab dem 20. März die tiefergreifenden Schutzmaßnahmen weg. An der Maskenpflicht, geltend beispielsweise in öffentlichen Verkehrsmitteln und Innenräumen sowie in Arztpraxen oder Krankenhäusern, wird aber weiterhin festgehalten – solange dies aufgrund des Infektionsgeschehens nötig sein wird. 

Erste Frau offiziell von HIV geheilt

Die erste Frau gilt offiziell als von HIV geheilt – nach zwei Männern nun der insgesamt dritte Fall weltweit. Ermöglicht hat diese spektakuläre Heilung (wissenschaftlich korrekt: Remission) eine neue Form der Stammzelltherapie. Die Patientin aus den USA war im Jahr 2013 HIV-positiv diagnostiziert worden, 2017 wurde zusätzlich noch eine akute myeloische Leukämie (AML) festgestellt. Aus diesem Grund war eine Stammzelltransplantation vonnöten. Das war bei den vorherigen zwei Fällen ähnlich: Zusätzlich zu ihrer HIV-Infektion lagen Blutkrebserkrankungen vor und die zwei Männer erhielten ebenfalls jeweils eine Stammzelltransplantation.

Die Patientin bekam eine Stammzelltransplantation von zwei verschiedenen Spendern: Die 64-Jährige erhielt eine Knochenmarkspende von einem Verwandten und eine Nabelschnurspende eines nicht verwandten Neugeborenen aus einer Blutbank. Das Besondere: Das Baby ist sozusagen von Natur aus immun gegen das HI-Virus. Grund: Es liegt eine seltene Mutation vor. Die Rezeptoren, die das HI-Virus zwingend benötigt, um in die T-Helferzellen einzudringen, sind so verändert, dass das Eindringen nicht mehr gelingt. Da Stammzellen aus Nabelschnurblut allerdings länger brauchen, bis sie nach der Transplantation in einen fremden Körper voll funktionsfähig sind, war eine zusätzliche Knochenmarkspende nötig, umso das Immunsystem, welches durch das HIV stetig schwächer wird, schneller zu entlasten.

Leider ist dies eine sehr risikoreiche Therapie, und stellt keine Option für die breite Masse der Erkrankten dar. Für HIV-Patient:innen, bei denen aufgrund einer Blutkrebserkrankung eine Indikation für eine Stammzelltransplantation vorliegt, könnte diese Methode im Einzelfall jedoch eine mögliche Behandlungsform sein.

Rote-Hand-Brief zu Mavenclad® (Cladribin-Tabletten)

Der Wirkstoff Cladribin wird für erwachsene Menschen mit hochaktiver, schubförmig verlaufender Multipler Sklerose (MS) verordnet. Er wirkt immunsuppressiv. Da in der Vergangenheit unter der Therapie teilweise schwerwiegende Leberschäden auftraten, informiert nun der Hersteller Merck Healthcare Germany GmbH in Abstimmung mit der Europäischen Arzneimittelagentur (EMA) und dem Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) mittels eines Roten-Hand-Briefes darüber.

Vor Beginn der Behandlung sollte in jedem Fall eine umfassende Anamnese des Patienten/der Patientin hinsichtlich vorbestehender Lebererkrankungen oder früherer Leberschädigungen mit anderen Arzneimitteln erhoben werden. Außerdem sollten maßgebliche Blutwerte vor Beginn der Einnahmephasen jeweils in Jahr 1 und Jahr 2 bestimmt werden. Während der Behandlung sollten zusätzlich Leberfunktionstests durchgeführt werden. Entwickelt ein:e Patient:in tatsächlich eine Leberschädigung, sollte die Einnahme des Medikamentes unterbrochen oder abgebrochen werden. 

Omikron-Booster kommt später als ursprünglich geplant

Obwohl der Booster-Impfstoff gegen die Omikron-Variante des Corona-Virus bereits für Ende März angekündigt war, wird es nun wohl länger dauern. Ugur Sahin, BioNTech-Chef, erklärte, dass der angepasste Booster erst im April oder Mai ausgeliefert werde. Die Europäische Arzneimittelagentur (EMA) müsse nämlich länger als geplant auf die Daten warten, die sie zur Zulassung benötigt. 

Bei Moderna geht man sogar von August für die Auslieferung des Omikron-angepassten Impfstoffes aus. Selbst die Hersteller scheinen – gemessen an ihren aktuellen Aussagen – nicht sicher, ob man jetzt überhaupt noch einen solchermaßen modifizierten Impfstoff benötigt, da der Peak der Erkrankungen weltweit bereits überschritten zu sein scheint und die Welle abflacht.  

Neues vom E-Rezept

Nachdem es in den letzten Wochen still um das Thema E-Rezept wurde und seine offizielle Einführung sich auf unbestimmte Zeit verschob, gibt es jetzt wieder Neuigkeiten mit Blick auf die fortlaufende Testphase: Der GKV-Spitzenverband meldete in der vergangenen Woche, dass nun alle 97 Gesetzlichen Krankenkassen E-Rezepte abrechnen können, zudem wurden Qualitätskriterien definiert. Die Gematik plant mindestens 30.000 E-Rezepte erfolgreich abrechnen zu können. Im Weiteren haben die Krankenkassen eine enge Zusammenarbeit mit Apotheken zugesichert, damit technische Fehler bei der Abrechnung nicht zur Retaxierung führen (Verweigerung der Zuschläge bzw. der Erstattung von Arzneimitteln, die durch den oder die Apotheker:in bereits abgegeben wurden).

An die Testphase soll sich die flächendeckende Einführung anschließen. Bevor die TI-Anwendung von Gematik flächendeckend und deutschlandweit zum Einsatz kommt, gibt es noch einiges zu tun: Denn bis dato wurden erst 1.765 E-Rezepte eingelöst (TI-Dashboard Gematik, Stand 18.02.2022). Zum Hintergrund: Die Gematik trägt die Gesamtverantwortung für die Telematikinfrastruktur (TI), die zentrale Plattform für digitale Anwendungen im deutschen Gesundheitswesen.

Die aktuelle Anzahl der eingelösten E-Rezepte ist in dem TI-Dashboard auf der Webseite der Gematik auch einsehbar: https://www.gematik.de/telematikinfrastruktur/ti-dashboard

Apotheken sollen länger impfen

Die Impfungen gegen das Coronavirus in den Apotheken, Zahn- und Tierarztpraxen haben vor über zehn Tagen begonnen. In einem Gesetzesentwurf schlagen nun sieben Bundestagsabgeordnete von SPD, Grünen und FDP vor, den Zeitraum des Impf-Angebots zu verlängern. Bislang ist diese Möglichkeit auf das Jahr 2022 begrenzt. Die Abgeordneten wünschen sich, die Regelung bis Ende 2023 zu verlängern, mit der Option bei Bedarf die Impfmöglichkeiten sogar nochmal um ein weiteres Jahr auszudehnen. Zudem sprechen sie sich für eine allgemeine Impfpflicht von allen erwachsenen Personen ab Oktober 2022 aus.