Hormone in der Rezeptur - Tipps für die Herstellung
Bei der Herstellung von Rezepturen mit Hormonen gibt es Einiges zu beachten – neben der Einhaltung strenger Sicherheitsvorschriften sind auch die richtige Auswahl der Wirkstoffe und deren Dosierungen von großer Bedeutung.
Bei den Hormonen in der Rezeptur werden vor allem Östrogene wie Estradiol und Testosteron häufig verordnet. Estradiol wird in verschiedenen Formen – als Hemihydrat, Valerat oder Benzoat – verwendet und findet sich in Cremes oder Haarspiritus, oft kombiniert mit Minoxidil, wieder. Progesteron wird dagegen eher in Cremes und Vaginalzäpfchen verarbeitet, um die Gelbkörperfunktion zu unterstützen oder zur Stabilisierung in der Frühschwangerschaft.
Arbeitsschutz & Korrekte Einwaage
Wichtig ist hier immer der Arbeitsschutz, da beispielsweise Estradiol als CMR-Stoff eingestuft wird und daher ein Krebs- oder Fortpflanzungsrisiko birgt. Deshalb musst du immer eine vollständige persönliche Schutzausrüstung, also Kittel, Handschuhe, Schutzbrille und FFP3-Maske, tragen und vor allem beim Wiegen und Überführen der Substanzen von der Wägeunterlage in die Fantaschale oder in die Drehdosierkruke besonders vorsichtig arbeiten.
Auch ist es bei den kleinen Mengen, die abgewogen werden müssen, unerlässlich, an den Einwaagekorrekturfaktor und die Rückwägung des Wiegeschälchens zu denken, damit die Rezepturen nicht unterdosiert bei den Patient:innen ankommen.
Corticosteroide in der Rezeptur
Neben den Sexualhormonen spielen auch Corticosteroide eine große Rolle in der Rezeptur. Hier gibt es verschiedene Wirkstärken, die sich sowohl in ihrer antiphlogistischen Wirkung als auch bei ihren Nebenwirkungen unterscheiden. Der therapeutische Index, der das Verhältnis von Wirkung zu Nebenwirkungen angibt, hilft dir dabei, das richtige Cortisonpräparat für den jeweiligen Fall zu erkennen. Das ist wichtig, damit du den Plausibilitätscheck korrekt durchführen kannst.
- Hydrocortison (Index: 1) ist schwach wirksam und zeigt wenige Nebenwirkungen. Es wird häufig bei Kindern und im Gesicht eingesetzt, da es ein geringes atrophogenes Potenzial besitzt.
- Triamcinolonacetonid (1,06) ist etwas stärker, birgt jedoch ein höheres Risiko für Hautatrophien und systemische Effekte und wird daher nur kurzzeitig angewendet.
- Betamethasonvalerat (1,2) ist stärker wirksam, hat aber auch ein höheres atrophogenes Potenzial und sollte nicht im Gesicht angewendet werden.
Für mittelschwere Fälle kommen Corticosteroide mit einem höheren therapeutischen Index in Betracht:
- Methylprednisolonaceponat (2,25) und Mometason (2,25) sind deutlich stärker, zeigen aber gleichzeitig nur geringe unerwünschte Wirkungen und eignen sich auch für die Langzeittherapie von Ekzemen.
Was bedeutet „atrophogenes Potential“?
Atrophogen bedeutet, dass ein Stoff oder eine Substanz die Fähigkeit besitzt, eine Atrophie zu verursachen, also den Abbau oder die Schrumpfung von Gewebe. Im Kontext der topischen Glucocorticoide bedeutet dies, dass diese Stoffe, wie auch die systemisch eingesetzten Cortisonpräparate, bei langfristiger oder falscher Anwendung das Hautgewebe verdünnen und schwächen können. Dies geschieht, weil Glucocorticoide die Kollagenproduktion in der Haut hemmen, was zu einer Ausdünnung der Hautschichten führt, insbesondere der Dermis.
Bei der Auswahl von Glucocorticoiden ist es daher wichtig, deren atrophogenes Potenzial zu berücksichtigen, da eine starke Hautverdünnung zu Nebenwirkungen wie erhöhter Verletzlichkeit der Haut und einer langsameren Wundheilung führen kann.
Zusammenfassung und praktische Tipps
Ob du nun mit Östrogenen, Testosteron oder Corticosteroiden arbeitest, der Arbeitsschutz steht an oberster Stelle. Um eine exakte Dosierung sicherzustellen und das Risiko für Eigenexposition zu minimieren, solltest du Wirkstoff-Verreibungen bevorzugen, wenn möglich. Achte außerdem beim Plausibilitätscheck auf die Auswahl der passenden Grundlage, sowohl bei Hormonen zur dermalen Anwendung als auch beispielsweise bei der Kapselherstellung. Hier sind zahlreiche Hormone inkompatibel mit dem Cellulose-Kapselfüllstoff.