Gefährliche Schönheiten

Teil II unserer Serie über Giftpflanzen zeigt, wie faszinierend und gefährlich heimische Arten sein können. Entdecke, welche Pflanzen echte Risiken bergen und warum sie nicht unterschätzt werden sollten.

Giftpflanzen sind nicht nur exotische Erscheinungen – viele wachsen direkt vor unserer Haustür. Manche locken mit leuchtenden Farben oder süßem Geschmack, doch ihre Inhaltsstoffe können lebensbedrohlich sein. In Teil II (hier kommst du zu Teil I) unserer Serie stellen wir weitere heimische Pflanzen vor, die besondere Vorsicht erfordern. Bleib dran, denn Wissen schützt! 

Pfaffenhütchen (Euonymus europaeus) 

 Foto: iStock / Klaus Brauner

Knallpinke Kapseln mit orangenen Beeren in der Mitte – so zeigen sich die Früchte des Pfaffenhütchens und gerade Kinder sind fasziniert davon. Blätter, Rinde und Samen enthalten das Alkaloid Evonin. Erst nach circa 15 Stunden kommt es zu den ersten Vergiftungssymptomen wie Erbrechen, Durchfall und Magenkrämpfen. Nach der Aufnahme von hohen Dosen drohen Herzrhythmusstörungen sowie Leber- und Nierenschäden.

Tollkirsche (Atropa belladonna)


Foto: iStock / Werner Weidinger

Die Tollkirsche ist eine bis zu 2 m hohe Wildstaude, die in Laub- und Mischwäldern vorkommt. Das Nachtschattengewächs bildet im Spätsommer schwarze kirschähnliche Früchte, die heimtückischerweise einen angenehmen süßlichen Geschmack haben. Cave: Bereits 3–4 Beeren können für ein Kind tödlich sein. Die gesamte Pflanze enthält hochgiftige Alkaloide wie Atropin, Scopolamin oder L-Hyoscyamin. Erste Symptome einer Vergiftung sind erweiterte Pupillen, Rötung des Gesichts und trockene Schleimhäute. Weiterhin folgen Sprachstörungen bis zum vollständigen Sprachverlust, Stimmungsschwankungen, Halluzinationen und Bewegungsdrang, bis hin zu Atemlähmung, Koma und Herz-Kreislauf-Versagen.

Eisenhut (Aconitum napellus)

Foto: iStock / typo-graphics

Der blaue oder gelbe Eisenhut gilt als eine der giftigsten Pflanzen in Europa. Bereits geringe Mengen können für einen Erwachsenen tödlich sein. Zu beachten ist, dass das Kontaktgift bereits über Haut und Schleimhäute aufgenommen wird. Eisenhut enthält einen Cocktail aus verschiedenen Diterpen-Alkaloiden, das bekannteste ist Aconitin. Bereits das Gärtnern ohne Handschuhe kann leichte Vergiftungserscheinungen wie Taubheitsgefühle oder Herzklopfen verursachen. Nach Aufnahme einer tödlichen Dosis kommt es zu Atemlähmung und Herzversagen.

Seidelbast (Daphne mezereum) 

 Foto: iStock / fotolinchen 

In Samen und Rinde des echten Seidelbastes befinden sich die Giftstoffe Mezerin und Daphnetoxin. Auffällig sind die rosa-lila Blüten, die einen intensiven und wohlriechenden Duft verströmen. Im Juli und August bildet der Strauch intensivrote Beeren, die in Form und Farbe roten Johannisbeeren ähneln und somit Kinder besonders anziehen. Bereits 4–5 Beeren können für Kinder tödlich sein. Nach Aufnahme von Pflanzenteilen kommt es zu Brennen im Mund und einer Zungenschwellung, die von Erbrechen, Krämpfen, Kopfschmerzen, Schwindel und Durchfall begleitet werden. Außerdem können Körpertemperatur und Puls rasch ansteigen und schlußendlich zu einem Kreislaufversagen führen.

Rizinus (Ricinus communis)

Foto: iStock / fotolinchen

Ähnlich wie die Tollkirsche birgt Rizinus zwei Gefahren. Die roten und haarigen Samenhüllen sehen unheimlich toll aus und wirken somit anziehend auf Kinder und die gefährlichen Samen haben einen angenehmen Geschmack. Leider enthalten die Samen das hochgiftige Eiweiß Ricin. Bereits 25 mg (enthalten in einem Samen!) gelten bereits als tödlich. Typische Abwehrreaktionen wie Erbrechen, Durchfall und Magenkrämpfe treten auf. Diese werden begleitet von Schwindeln, Nierenentzündungen und Thrombosen und nach circa zwei Tagen tritt der Tod ein.

Fazit

Viele heimische Pflanzen gelten als mehr oder weniger giftig. Meistens schrecken sie durch einen bitteren Geschmack ab oder lösen rasch Erbrechen und Durchfall aus, sodass der Körper keine kritische Giftmenge aufnimmt und schwere Vergiftungen selten sind. Schon Paracelsus wusste: „Die Dosis macht das Gift.“