Faktencheck: Hilft Hühnersuppe wirklich gegen Erkältung?
Hühnersuppe gilt als bewährtes Hausmittel bei Erkältungen. Doch was sagt die Wissenschaft? Wir klären, ob die Suppe tatsächlich die Genesung unterstützt oder ob sie eher für Wärme und Wohlbefinden sorgt.
„Iss deine Suppe, dann wirst du schneller gesund!“ Diesen Satz kennen viele aus der Kindheit. Doch steckt mehr dahinter als bloße Fürsorge? Ist Hühnersuppe tatsächlich ein wirksames Mittel gegen Erkältungen – oder nur ein wohltuender Mythos? Ein Blick auf die Fakten.
Traditionelles Hausmittel mit langer Geschichte
Hühnersuppe wird seit Jahrhunderten in vielen Kulturen als Heilmittel geschätzt. Schon der persische Arzt Avicenna und der jüdische Gelehrte Maimonides empfahlen sie bei Atemwegserkrankungen. In den USA trägt sie den Spitznamen „Jewish Penicillin“. Die Gründe liegen auf der Hand: Sie ist leicht verdaulich, liefert Flüssigkeit und Nährstoffe – alles Faktoren, die bei Krankheit wichtig sind. Doch eine historische Empfehlung ersetzt keine wissenschaftliche Evidenz.
Was sagt die Forschung?
Die Studienlage ist überschaubar, aber interessant. Eine Übersichtsarbeit analysierte vier randomisierte Studien mit insgesamt rund 340 Teilnehmenden. Ergebnis: Der Verzehr von Suppe – darunter auch klassische Hühnerbrühe – konnte die Krankheitsdauer um durchschnittlich ein bis zweieinhalb Tage verkürzen und die Symptomschwere leicht reduzieren. Zudem zeigten einige Untersuchungen einen Rückgang von Entzündungsmarkern wie Interleukin-6 und CRP. Allerdings: Die Effekte sind moderat, die Studien klein und methodisch heterogen. Ein Wundermittel ist die Suppe nicht, aber sie kann unterstützend wirken.

Foto: iStock / Cook Shoots Food
Mögliche Wirkmechanismen
Warum könnte Hühnersuppe helfen?
- Flüssigkeit und Wärme: Heiße Brühe fördert die Durchblutung, befeuchtet Schleimhäute und erleichtert das Abfließen von Schleim – ähnlich wie andere warme Getränke.
- Nährstoffe: Hühnerfleisch liefert Proteine und Zink, Gemüse bringt Vitamine und sekundäre Pflanzenstoffe.
- Entzündungshemmende Effekte: Laborstudien zeigen, dass Bestandteile der Suppe die Aktivität bestimmter Immunzellen (Neutrophile) hemmen können. Ob dieser Effekt klinisch relevant ist, bleibt offen.
Empfehlung für die Beratung in der Apotheke
Für Apothekenmitarbeiterinnen gilt: Hühnersuppe ist kein Ersatz für evidenzbasierte Therapie, aber sie kann als ergänzende Maßnahme empfohlen werden. Vorteile: Sie ist kostengünstig, kulturell akzeptiert, praktisch nebenwirkungsfrei und fördert das Wohlbefinden. Wichtig ist, realistische Erwartungen zu kommunizieren: Die Suppe lindert Symptome leicht, verkürzt die Erkrankung möglicherweise minimal, heilt aber keine Erkältung. Bei anhaltenden Beschwerden oder Fieber sollte immer ärztlicher Rat eingeholt werden.
Fazit
Hühnersuppe ist kein Mythos, aber auch kein medizinisches Wundermittel. Sie bietet Wärme, Flüssigkeit und Nährstoffe – und kann die Genesung etwas unterstützen. Wer sie empfiehlt, tut nichts falsch, solange klar ist: Sie ersetzt keine Therapie, sondern ergänzt sie.