Fasten als spirituelle Brücke
Dieses Jahr überschneiden sich christliche und muslimische Fastenzeiten mehrere Wochen lang. Beide betonen Verzicht, Besinnung und Gemeinschaft – mit eigenen Regeln, Symbolen und gesundheitlichen Aspekten.
Wenn zwei Fastenzeiten aufeinandertreffen
2026 überschneiden sich die christliche Fastenzeit und der islamische Ramadan über mehrere Wochen – ein seltenes Zusammentreffen zweier religiöser Traditionen, die viel gemeinsam haben: Verzicht, Besinnung, Gemeinschaft und Mitgefühl. In vielen Apotheken zeigt sich diese Zeit auch im Arbeitsalltag, denn nicht nur Kundinnen und Kunden fasten, sondern oft auch Teammitglieder. Das schafft eine besondere Atmosphäre des gegenseitigen Verständnisses und der Rücksichtnahme. Gleichzeitig lohnt ein Blick darauf, wo sich die beiden Fastenformen ähneln, wo sie sich unterscheiden und welche gesundheitlichen Aspekte Apothekenteams beachten sollten.
Die christliche Fastenzeit beginnt dieses Jahr am 18. Februar (Aschermittwoch) und endet am 2. April mit dem Beginn des Gründonnerstags. Ramadan startet ebenfalls 18. Februar und endet am 19. März. Rund vier Wochen laufen beide Fastenzeiträume parallel. Laut Professor Dr. Wolfgang Reinbold, Vorstandsmitglied im Haus der Religionen in Hannover, kommt es sehr selten vor, dass die christliche und muslimische Fastenzeit exakt am selben Termin beginnen. Dies komme etwa alle 33 oder 34 Jahre vor, sagte er gegenüber dem Tagesspiegel.
Während die christliche Fastenzeit fest im Kirchenjahr verankert ist, richtet sich der islamische Fastenmonat nach dem Mondkalender, weshalb sich der Zeitraum jedes Jahr leicht verschiebt.
Spirituelle Bedeutung in Christentum und Islam
Im Christentum gilt die Fastenzeit als Phase der inneren Umkehr, der Vorbereitung auf Ostern und der Besinnung auf das Wesentliche. Die Zahl 40 erinnert an biblische Zeiten der Prüfung und Erneuerung. Viele Christinnen und Christen verzichten auf bestimmte Lebensmittel oder Genussmittel, reduzieren Konsumgewohnheiten und widmen sich stärker dem Gebet, der Reflexion und guten Taten.
Im Islam wiederum gilt Ramadan als der Monat, in dem der Koran offenbart wurde. Fasten bedeutet, den Alltag bewusst zu entschleunigen, die eigene Disziplin zu stärken und sensibler für die Bedürfnisse anderer zu werden. In beiden Religionen verbindet das Fasten Rückzug, Konzentration auf das Wesentliche, die Pflege der Gemeinschaft und den Gedanken der Nächstenliebe.
Unterschiedliche Fastenregeln
Während Christinnen und Christen individuelle Fastenregeln befolgen, verzichten Musliminnen und Muslime täglich von der Morgendämmerung bis zum Sonnenuntergang auf Essen, Trinken und Geschlechtsverkehr. Der Tag beginnt mit Suhoor, einer frühen Mahlzeit, und endet mit dem Fastenbrechen Iftar. Vom fasten befreit sind unter anderem Kranke, Reisende, menstruierende Personen sowie Schwangere und Stillende; versäumte Tage können später nachgeholt oder durch eine Spende ausgeglichen werden.
Christliche Fastenregeln variieren stark nach Konfession: Während viele Gläubige Genussmittel reduzieren, kennen strengere Traditionen – wie die orthodoxe – lange Phasen ohne tierische Produkte und mit reduziertem Mahlzeitenumfang.
Gesundheitsaspekte beim christlichen Fasten
Christliches Fasten kann belastend werden, wenn es sehr streng ausgelegt ist. Besonders in der orthodoxen Tradition wird über mehrere Wochen vollständig auf tierische Produkte verzichtet, häufig auch auf Öl. In bestimmten Phasen sind die Mahlzeiten zudem stark reduziert. Dies kann zu Mangelerscheinungen, Elektrolytstörungen, Herzrhythmusstörungen, Kreislaufproblemen oder Schwäche führen. Menschen mit Diabetes, Herz‑Kreislauf‑Erkrankungen, Depressionen, geschwächtem Immunsystem oder Essstörungen sollten nur in Absprache mit medizinischem Fachpersonal fasten. Für Apothekenteams ist es wichtig, auf richtige Einnahmezeiten hinzuweisen, bei empfindlichen Wirkstoffen auf ausreichende Magenfülle zu achten und an eine gute Flüssigkeitsversorgung zu erinnern.

Gemeinsam durch die Fastenzeit: Christen und Muslime teilen eine Mahlzeit – ein Zeichen von Verbundenheit, Respekt und gelebter Nächstenliebe. ( Foto: iStock / mgstudyo)
Gesundheitsaspekte beim muslimischen Fasten
Auch das islamische Fasten stellt den Körper vor Herausforderungen. Der lange Verzicht auf Essen und Trinken kann zu Dehydrierung, Schwindel, Müdigkeit, Konzentrationsschwierigkeiten und Unterzuckerungen führen. Umso wichtiger ist es, zwischen Abendessen und Morgendämmerung auf eine gesunde Lebensmittelauswahl und ausreichende Flüssigkeitszufuhr zu achten. So kann sich der Körper schneller und gesünder an das Fasten anpassen. Detaillierte Ernährungstipps findest du hier.
Bei chronischen Erkrankungen wie Diabetes steigt das Risiko für gefährliche Blutzuckerschwankungen, da Stoffwechsel und Mahlzeitenrhythmus verschoben sind. Menschen mit Typ‑1‑Diabetes sind besonders gefährdet, aber auch Menschen mit Typ‑2‑Diabetes sowie Herz‑ oder Nierenerkrankungen benötigen eine medizinische Einschätzung.
Mit einem guten Diabetesmanagement können jedoch häufig auch Betroffene fasten. Es kann sogar bestimmte gesundheitliche Vorteile haben – aber nur unter klar definierten Bedingungen und nicht für alle Patient:innen. Um Muslimen mit Diabetes das Fasten während des Ramadan zu ermöglichen und gleichzeitig das Risiko für gesundheitliche Komplikationen zu verringern, veröffentlichten die International Diabetes Federation (IDF) und die Diabetes and Ramadan (DAR) International Alliance im Jahr 2016 eine entsprechende Leitlinie.
Apothekenteams können Betroffene unterstützen, indem sie auf angepasste Einnahmezeiten zwischen Suhoor und Iftar hinweisen, ausreichende Flüssigkeitszufuhr während der Nacht betonen und wichtige Warnsignale wie Schwindel oder Unterzuckerung erklären.
Fazit: Bewusste Fürsorge in beiden Religionen
Fasten kann körperlich wie spirituell bereichernd sein: Der Stoffwechsel wird entlastet, die Achtsamkeit steigt, viele Menschen erleben ein bewussteres Verhältnis zu Ernährung und Lebensstil. Gleichzeitig erfordert Fasten – egal in welcher Tradition – Rücksicht auf die eigene Gesundheit. Für Apotheken ist diese Zeit eine Gelegenheit, Patientinnen und Patienten sensibel und kompetent zu begleiten, Risiken zu mindern und die Arzneimitteltherapie sicher zu gestalten. So wird die Fastenzeit für alle Beteiligten zu einer Phase bewusster Fürsorge – für sich selbst, für andere und für die Gemeinschaft.
Weitere interessante Informationen zu dem Thema findest du hier:
- Ramadan im Apothekenalltag: Tipps für Fastende
- Arzneimittel und Ramadan: Wissenswertes zur Fastenzeit
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