Schleimhäute: Die unsichtbaren Bodyguards

Schleimhäute sind zentrale Schutzsysteme unseres Körpers – sensibel gegenüber Klima, Hormonen und Medikamenten. Mit gezielten Pflegetipps und Beratung lässt sich Trockenheit vorbeugen und die Abwehr stärken.

Schleimhäute (Mukosa) – die vielseitige Schutzbarriere

Schleimhäute sind spezialisierte Gewebe, die die inneren Oberflächen des Körpers auskleiden und sowohl Schutz- als auch Sekretionsfunktionen übernehmen. Sie bestehen aus einem Epithel, einer Basalmembran und einer darunterliegenden Bindegewebsschicht (Lamina propria). Intakte Schleimhäute sind stets feucht, enthalten schleimproduzierende Becherzellen und häufig Drüsen. Als Teil des mukosa-assoziierten Immunsystems bilden sie die erste Barriere gegen Keime und Schadstoffe, befeuchten, filtern und schützen. Ihre komplexe Aufgabe macht sie jedoch empfindlich gegenüber inneren und äußeren Einflüssen, die ihr Gleichgewicht stören können.

Überblick: Vorkommen und Funktion der Schleimhäute

Atemwege

  • Ort: Nasenhöhle, Nasennebenhöhlen, Rachen, Luftröhre, Bronchien
  • Typ: Respiratorisches Epithel (mehrreihiges Flimmerepithel mit Becherzellen)
  • Funktion: Luftbefeuchtung, Erwärmung, Reinigung durch Schleim und Flimmerhärchen

 

Verdauungstrakt

  • Ort: Mundhöhle, Speiseröhre, Magen, Dünn- und Dickdarm
  • Typen:
    o    Mundhöhle und Speiseröhre: Mehrschichtiges unverhorntes Plattenepithel
    o    Magen: Einschichtiges Zylinderepithel mit Drüsen
    o    Darm: Einschichtiges Zylinderepithel mit Mikrovilli und Becherzellen
    o    Funktion: Schutz vor mechanischer Belastung, Sekretion von Schleim und Enzymen, Resorption

 

Urogenitaltrakt

  • Ort: Harnröhre, Harnblase, Vagina, Gebärmutter
  • Typen:
    o    Harnwege: Übergangsepithel (Urothel)
    o    Vagina: Mehrschichtiges unverhorntes Plattenepithel
    o    Gebärmutter: Einschichtiges Zylinderepithel
  • Funktion: Schutz vor Infektionen, Anpassung an Dehnung (z. B. Blase)

 

Augen und Ohren

  • Ort: Bindehaut des Auges, Mittelohr
  • Typ: Meist einschichtiges oder mehrschichtiges Epithel mit Schleimdrüsen
  • Funktion: Feuchthalten, Schutz vor Fremdkörpern

 

Nasen- und Mundnebenhöhlen

  • Ort: Nasennebenhöhlen, Mundhöhle
  • Typ: Respiratorisches Epithel bzw. Plattenepithel
  • Funktion: Schleimproduktion, Immunabwehr

 

Welche Einflussfaktoren beeinflussen die Schleimhäute negativ?

Umweltfaktoren

  • Trockene Luft (z. B. Heizungsluft, Klimaanlagen) → Entziehung von Feuchtigkeit und Austrocknung der Schleimhaut → Brennen, erhöhte Infektanfälligkeit
  • Bildschirmarbeit und niedrige Luftfeuchtigkeit → fördern das „trockene Auge
  • Rauch und Schadstoffe (Zigarettenrauch, Abgase) → Reizung und Entzündung
  • Staub und Allergene (Pollen) → Überlastung, allergische Reaktionen

 

Infektionen

 

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Medikamente

  • Antibiotika → Dysbalance der Darmflora, Pilzüberwucherung
  • Antihistaminika, abschwellende Nasensprays → Austrocknung
  • Chemotherapie → Schleimhautentzündungen (Mukositis)
  • Antihypertensiva und Antidepressiva → können Mundtrockenheit verursachen
  • Diuretika, PPI oder Antidepressiva können ebenfalls Schleimhäute austrocknen

 

Lebensstil

  • Rauchen und Alkohol → Schleimhautreizungen, erhöhtes Krebsrisiko.
  • Unausgewogene Ernährung → Vitaminmangel (z. B. Vitamin A, C, B-Komplex) schwächt Regeneration

 

Erkrankungen / Hormonstatus

  • Autoimmunerkrankungen (z. B. Morbus Crohn, Sjögren-Syndrom) → chronische Entzündung, Trockenheit
  • Diabetes → erhöhte Infektanfälligkeit
  • Hormonelle Veränderungen (z. B. Östrogenmangel in der Menopause) → Trockenheit der Vaginalschleimhaut, erhöhte Infektneigung
  • Schilddrüsenstörungen können die Schleimhäute ebenfalls beeinflussen.

 

Mechanische Reize

  • Übermäßiges Putzen der Nase, Zähneknirschen, schlecht sitzende Prothesen → Mikroverletzungen
  • Operationen oder Strahlentherapie → Schleimhautschäden

 

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Empfehlungen zur Unterstützung der Schleimhäute

Die Schleimhäute sind ein zentraler Schutzmechanismus des Körpers und benötigen ausreichend Feuchtigkeit, eine ausgewogene Ernährung sowie die Vermeidung schädlicher Einflüsse. Empfehlenswert sind täglich 1,5 bis 2 Liter Flüssigkeit, eine gute Raumluftfeuchtigkeit und sanfte Hygiene. Vitamine wie A und C, Zink sowie Omega-3-Fettsäuren unterstützen die Regeneration und Abwehrkräfte. Stressreduktion, ausreichend Schlaf und Bewegung stärken zusätzlich die Immunabwehr. Schädliche Faktoren wie Rauchen, Alkohol, Schadstoffe und austrocknende Medikamente sollten nach Möglichkeit vermieden werden.

Bei Trockenheit helfen spezielle Präparate: Nasensprays oder Spülungen mit Kochsalzlösung, Dexpanthenol-haltige Präparate für die Nasenschleimhaut, Speichelersatzmittel und zuckerfreie Lutschpastillen bei Mundtrockenheit sowie Tränenersatzmittel mit Hyaluronsäure für die Augen. Für den Intimbereich eignen sich feuchtigkeitsspendende Gele oder Cremes mit Hyaluronsäure oder Milchsäure, bei starken Beschwerden auch lokale Östrogenpräparate nach ärztlicher Verordnung. Wichtig ist, reizende Zusatzstoffe wie Duftstoffe oder aggressive Konservierungsmittel zu vermeiden und bei chronischer Trockenheit ärztlichen Rat einzuholen.