Kälte: Herz-Kreislauf-System im Alarmzustand

Kälte stresst das Herz: Niedrige Temperaturen lassen Blutdruck und Infarktrisiko steigen. Warum ist winterliche Kälte besonders für Menschen mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen gefährlich? Erfahre hier mehr.

Im vorherigen Artikel haben wir beleuchtet, wie chronischer Stress das Herz‑Kreislauf‑System belastet und langfristig zum ernsthaften Risiko werden kann. Doch Stress ist nicht der einzige Faktor, der unserem Herzen zusetzt: Auch die winterliche Kälte wirkt wie ein zusätzlicher Angriff auf Gefäße, Blutdruck und Kreislauf. Deshalb widmen wir uns nun einem weiteren – oft unterschätzten – Auslöser für kardiale Belastungen: niedrige Temperaturen und ihre unmittelbaren Auswirkungen auf Herz und Gefäße.

Kälte: Gefahr fürs Herz 

Die aktuelle Winterkälte geht über das Frieren hinaus: Sie wirkt sich deutlich negativ auf das Herz-Kreislauf-System aus, insbesondere bei älteren, herzkranken oder hypertensiven Personen. Die Deutsche Herzstiftung und zusätzlich wissenschaftliche Studien belegen: Bereits niedrige Temperaturen verengen periphere Blutgefäße, was den Blutdruck steigen lässt. Der Herzmuskel muss gegen einen höheren Widerstand anpumpen – eine enorme Belastung, insbesondere bei körperlicher Anstrengung wie Schneeschippen. 

Blutdruckanstieg und Infarktrisiko

Der Mechanismus ist gut dokumentiert: Kälte führt zu Vasokonstriktion, steigert Blutdruck und Herzfrequenz und belastet damit das Herz deutlich. Auch die Deutsche Stiftung für Herzforschung, über die Herzstiftung, warnt eindringlich: „Große Kälte im Minusbereich wirkt sich auf den ganzen Organismus aus und kann bei Patienten mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen die Gefahr eines Herzinfarkts und plötzlichen Herztods erhöhen“.

Internationale Daten belegen das Risiko. Eine große Meta-Analyse zeigt: Jeder Grad Celsius Temperaturabfall erhöht die kardiovaskuläre Sterblichkeit um 1,6 % und Krankenhauseinweisungen um 1,2 %. Besonders relevante Kälteeffekte zeigen sich bei „Kälteschocks“: Extreme Wetterlagen steigern das Risiko kardiovaskulärer Ereignisse kurzfristig um bis zu 32 %. Hinzu kommt eine Untersuchung aus Schweden mit über 120.000 Fällen: Kälte und mehrtägige Kälteschübe erhöhten das Herzinfarktrisiko um ca. 10–11 % zwei bis sechs Tage später. 

Empfehlungen zur Risikominderung 

Herzkranke Menschen und Risikopatient:innen – etwa mit Bluthochdruck, Vorhofflimmern, koronarer Herzkrankheit oder Herzschwäche – sollten auf winterliche Aktivitäten gut vorbereitet werden. Schon leichte Beschwerden wie Brustdruck oder Atemnot bei Kälte müssen ernst genommen und gegebenenfalls notärztlich abgeklärt werden. Sanfte Bewegung wie Spazierengehen ist deutlich günstiger als belastendes Schneeschippen, und auch geeignete Schutzkleidung – etwa Schal vor Mund und Nase, Zwiebellook und warme Handschuhe – hilft, die Kälteeinwirkung zu reduzieren. Ebenso wichtig sind warme Innenräume, da Kälte den Blutdruck steigen lässt.

Zur Risikominderung gehört auch eine gute Medikations‑ und Vitalberatung: Blutdruckmedikamente sollten vor dem ersten Gang ins Freie eingenommen und die Werte regelmäßig kontrolliert werden. Ausreichend Flüssigkeit ist zentral, da Kälte zu Dehydration und damit zu erhöhtem Thromboserisiko führen kann. Apotheken können zudem mit Informationsmaterialien oder kurzen Checklisten unterstützen – etwa zu geeigneter Kleidung, Medikamentenroutine, Warnsignalen und wichtigen Notfallnummern.

Fazit

Winterliche Kälte ist eine unterschätzte, aber nachweislich gefährliche Belastung für das Herz. Apothekenteams können durch gezielte Beratung helfen, das Risiko zu senken.