Gerbstoffe – das zieht!

Gerbstoffe sind mehr als Ledermacher – sie wirken adstringierend, entzündungshemmend und keimabwehrend. In der Apotheke begegnen sie uns täglich, ob in Tees, Cremes oder Badezusätzen. Ein Überblick über ihre Vielfalt.

Gerbstoffe – was steckt dahinter?

Chemisch gesehen handelt es sich um Polyhydroxyverbindungen, die in vielen Pflanzen natürlich vorkommen oder synthetisch hergestellt werden können. Diese wirken adstringierend (zusammenziehend) und austrocknend, da sie mit Proteinen und anderen Stoffen schwer lösliche Verbindungen eingehen. Man vermutet, dass Gerbstoffe auf Haut- und Schleimhäuten eine abdichtende, wasserunlösliche Koagulationsmembran bilden, die reizmildernd, sekretions- und entzündungshemmend wirken. Das Eindringen von Keimen wird verhindert und die oberflächliche Durchblutung wird gehemmt. Es werden zwei große Gruppen unterschieden: pflanzliche und synthetische Gerbstoffe.

Pflanzenpower mit Zieh-Effekt

Pflanzliche Gerbstoffe gehören zu den sekundären Pflanzenstoffen. Es gibt beispielsweise Tannine, die zu den Polyphenolen zählen. Sie kommen in schwarzem Tee, in Kaffee, in (Rot)Wein, in Hamamelisblättern oder -rinde, in Eichenrinde, u. a. vor. Gallotannine finden sich in Eichenblättern. Catechine gehören zu den Flavonoiden und sind in grünem Tee enthalten. Proanthocyanidine (OPC) finden sich in Traubenkernen und Ellagitannine in Granatäpfeln.

Weitere in der Pharmazie gebräuchliche Gerbstoffdrogen sind Brombeerblätter, Heidelbeeren, Salbeiblätter, Rhabarberwurzel, Walnussblätter, Tormentillwurzelstock.

Gerbstoffe dienen der Pflanze als Schutz vor Schädlingen, Bakterien sowie vor dem Eindringen von zu viel Nässe und der Ausbreitung von Fäulnis. Sie kommen mehr oder weniger in allen Pflanzenteilen vor, beispielsweise in Rinde, Wurzel, Blättern, Früchten oder Samen. Werden gerbstoffhaltige Stoffe verzehrt, kann man die astringierende und trocknende Wirkung im Mund deutlich spüren. Allerdings sind nicht alle Gerbstoffe automatisch zum Verzehr geeignet. Pflanzliche Gerbstoffe finden hauptsächlich bei Hämorrhoidalleiden, Entzündungen im Mund- und Rachenraum oder Durchfallerkrankungen Verwendung.

Laborlieblinge mit Gerbwirkung

Aldehyde wie Formaldehyd, Kaliumpermanganat, dreiwertige Chromsalze, Zirkoniumsalze sowie weitere Metallsalze (Zink-, Eisen-, Silber-, Gold- und Titansalze) haben eine Gerbwirkung. Medizinisch bzw. pharmazeutisch verwendet werden aber vor allem bestimmte Aluminiumsalze wie Alaun, Aluminiumchlorid, essigsaure Tonerde oder Aluminiumlactat. Einsatzgebiete sind zum Beispiel Hyperhidrose, Entzündungen der Mundschleimhaut, Juckreiz, Schwellungen sowie Blutstillung.

Auch bekannt ist Tamol®, hinter dem sich der sperrige chemische Name „Phenol-Methanal-Harnstoff-Polykondensat-Natriumsalz, sulfoniert“, verbirgt. Dieser wirkt adstringierend, schmerzlindernd und entzündungshemmend und wird in Form von Teilbädern, Cremes, oder Lotionen bei nässenden und juckenden Hauterkrankungen bereits ab Säuglingsalter eingesetzt.

Der Wirkstoff Tannin-Eiweiß stoppt den Durchfall und vermeidet Flüssigkeitsverlust. Er dichtet die gereizte Darmschleimhaut mit einem Schutzfilm ab, so dass das Austreten von Flüssigkeit und das Eindringen von Keimen vermindert wird. Kombiniert mit dem desinfizierenden und krampflösenden Ethacridinlactat wird dieser Effekt noch verstärkt.

Policresulen wirkt antiseptisch und desinfizierend auf Schleimhäuten, kommt jedoch nur selten zur Anwendung.

Eher obsolet ist die Verwendung von basischem Bismutgallat, da es bei längerer Anwendung zu Überempfindlichkeitsreaktionen kommen kann.

Gerbstoffe – was die Offizin bietet

Wirkstoff

Präparat

Hersteller

Indikation

Hamamelisblätter oder -rinde

Hametum® Hämorrhoidensalbe oder Suppositorien

 

Hametum® Wund- und Heilsalbe

Dr. Wilmar Schwabe

 

 

 

 

Hämorrhoidalleiden

 

 

 

Wunden

 

faktu® lind Salbe oder Zäpfchen

Dr. Kade

Hämorrhoidalleiden

 

Haenal® fact

Strathmann

Basisches Bismutgallat

Mastu® Hämorrhoidenzäpfchen

Stada

Hämorrhoidalleiden

Rhabarberwurzel

(+Salicylsäure)

Pyralvex®

Cooper Consumer Health

 

Entzündungen von Zahnfleisch und Mundschleimhaut

Tannin

Tannalbin®

Medice Arzneimittel

Durchfallerkrankungen

Tannin (+Ethacridinlactat)

Tannacomp®

Phenol-Methanal-Harnstoff-Polykondensat-Natriumsalz, sulfoniert

Tannosynt® Creme, Badezusatz, Lotio

Almirall Hermal

 

Hauterkrankungen mit Entzündungen, Nässen und Juckreiz an schwer erreichbaren Stellen

Tannolact® Badezuatz, Creme, Fettcreme

Galderma Laboratorium

Aluminiumchlorid

 

Aluminiumchlorid Hexahydrat

Mallebrin® Konzentrat zum Gurgeln

 

Rezeptur nach NRF

Hermes Arzneimittel

 

Herstellung in der Apotheke

Entzündungen von Zahnfleisch und Mundschleimhaut

Hyperhidrose

Policresulen

Albothyl® Konzentrat oder Vaginalzäpfchen

Takeda Pharma

Antiseptikum zur vaginalen Anwendung


Auch diverse gerbstoffhaltige Teedrogen sind in der Apotheke erhältlich – sowohl zur Einnahme (z. B. Brombeerblätter, Himbeerblätter, Salbeiblätter oder getrocknete Heidelbeeren als auch zur äußerlichen Anwendung (Eichenrinde, Hamamelisblätter oder Walnussblätter).