Handy in der Offizin: Digitaler Helfer oder Störfaktor?
Die Apothekenspitzel:in hat‘s verstanden: Das Handy ist in der Apotheke nicht nur Ablenkung, sondern auch ein Arbeitsmittel. Entscheidend ist nicht das Gerät, sondern wie man es nutzt.
Das Handy am Arbeitsplatz
Es gibt Themen in der Apotheke, bei denen man ziemlich schnell merkt, wer eher im Team „praktisch“ und wer im Team „grundsätzlich dagegen“ spielt. Das Handy am Arbeitsplatz gehört für mich eindeutig dazu.
Kaum liegt irgendwo ein Smartphone in Sichtweite, ist die Sache emotional aufgeladen. Für die einen ist es ein Arbeitsmittel, für die anderen der Anfang vom beruflichen Sittenverfall. Dabei möchte man einfach nur schnell einen Rückruf prüfen, eine Fachinformation nachsehen oder erreichbar bleiben, falls die Schule anruft. In meiner Apotheke arbeiten viele Mütter. Unser Chef hat uns deshalb erlaubt, das Handy während der Arbeit zu nutzen – natürlich so, dass die Arbeit darunter nicht leidet. Allein das klingt in manchen Apotheken vermutlich schon wie eine Form von Anarchie. Bei uns ist es einfach pragmatisch.
Wie wird es genutzt: beruflich oder privat?
Denn natürlich geht es nicht darum, während der Rezeptkontrolle heimlich die Urlaubsbilder der Cousine anzuschauen oder zwischen zwei Kundengesprächen noch schnell durch soziale Medien zu scrollen. Es geht um etwas viel Unaufgeregteres: um Erreichbarkeit und Effizienz. Und manchmal auch einfach darum, sich den Arbeitsalltag nicht unnötig kompliziert zu machen.
Einige Dinge gehen über das Handy tatsächlich schneller als über den normalen Weg. Rückrufe über die App zum Beispiel, oder der Zugriff auf Fachinformationen, oder das schnelle Checken von Infos aus dem DAC/NRF, wenn man in der Rezeptur steht. Ja, theoretisch kommt man auch anders an diese Informationen. Praktisch ist das Handy manchmal einfach flotter. Vor allem dann, wenn der PC gerade wieder beschlossen hat, sein Eigenleben auszuleben und in genau dem Moment hängt, in dem man eigentlich beraten möchte, oder wenn mal wieder alle verfügbaren Bildschirme von den Kolleg:innen belegt sind.
Ich nutze das Handy manchmal auch, um die Beratung bei einem PC-Streik fortzuführen. Nicht heimlich, sondern ganz offen. Ich erkläre der Kundin oder dem Kunden dann, dass ich über mein Handy Zugang zu einem Fachportal habe und dort kurz etwas nachschaue. Denn man darf nicht unterschätzen, wie merkwürdig das auf Kundenseite wirken kann: Da steht man im HV und plötzlich zieht jemand sein Smartphone aus der Kitteltasche. Ohne Erklärung sieht das schnell nach Desinteresse aus. Mit Erklärung ist es einfach moderner Arbeitsalltag.
Sind Handys immer unprofessionell?
Und genau da liegt für mich der entscheidende Punkt: Das Handy ist nicht automatisch unprofessionell. Unprofessionell wird es erst, wenn man es unprofessionell benutzt. Ich finde es etwas lebensfremd, so zu tun, als könne man Smartphones komplett aus dem Arbeitsalltag verbannen. Die Frage ist doch nicht, ob jemand mal aufs Handy schaut. Die Frage ist, ob es ausufert.
Selbstverständlich gibt es auch die andere Seite. Wenn jemand nur noch am Gerät herumspielt, Nachrichten tippt oder geistig schon halb im Feierabendmodus ist, dann wird aus einem nützlichen Werkzeug schnell ein echter Störfaktor. Dann nervt es das Team, dann leidet die Arbeit, dann kippt die Stimmung. Und dann haben plötzlich genau die recht, die schon immer gesagt haben: „Siehst du, deshalb sollte man Handys am Arbeitsplatz verbieten.“
In unserer Filiale wird das Thema deutlich kritischer gesehen, das mag auch eine Generationenfrage sein. Gleichzeitig dauert dort vieles aber auch länger. Rückrufe, interne Absprachen, kleine Nachfragen: Kommunikation und fachliche Erledigungen laufen noch über Zettel statt über die App. Und bei Zetteln ist es bekanntlich immer auch ein bisschen Glückssache, ob sie gelesen werden, rechtzeitig ankommen oder irgendwann unter einem Stapel Lieferscheine ihr stilles Ende finden.
Digitale Kommunikation ist schneller
Bei uns läuft Kommunikation an vielen Stellen digitaler. In der App kann man sehen, wer eine Mitteilung gelesen und verstanden hat. Das spart Nachfragen, Wege und Missverständnisse. Es ist nicht nostalgisch, aber eben praktisch. Ich finde deshalb: Das Handy ist in der Apotheke weder Heilsbringer noch Untergang des Abendlandes. Es ist einfach ein Werkzeug. Wie so oft kommt es darauf an, wer es wie benutzt.