Wochenrückblick: Behörde warnt vor Lifestyle-Infusionen
PTA-Weiterbildung bekommt Rückenwind, das BfArM warnt vor Longevity-Infusionen, die EU will Engpässe entschärfen – dazu Safe-Space-Apotheken für Jugendliche und ein Hantavirus-Update. Hier kommt dein Wochenrückblick.
BAK: Curriculum für PTA-Weiterqualifizierung – bundesweit einheitliche Standards geplant
Die Bundesapothekerkammer hat ein wichtiges Signal für die Professionalisierung im Team gesetzt: Am 12. Mai 2026 wurde ein Curriculum verabschiedet, das den Rahmen für eine bundesweit einheitliche PTA-Weiterqualifizierung abstecken soll. Ziel ist, Kompetenzen strukturiert auszubauen und das Berufsbild zu stärken – auch mit Blick auf die Anforderungen in der öffentlichen Apotheke (Beratung, Qualität, neue Aufgaben). Wie schnell daraus konkrete Angebote werden, hängt nun von der weiteren Ausarbeitung und Umsetzung in den Kammern ab – aber die Richtung ist klar: Weiterbildung soll verbindlicher und vergleichbarer werden.
BfArM-Warnung: „Longevity-Infusionen“ – keine Evidenz, aber reale Risiken
Das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) warnt vor möglichen Gesundheitsgefahren sogenannter Drip-Spa- bzw. Longevity-Infusionen, die als Lifestyle-Trend beworben werden (z. B. „Immunsystem stärken“, „Leistung steigern“). Die Behörde betont: Für die angepriesene Wirkung gebe es keinen belastbaren Wirksamkeitsnachweis – gleichzeitig drohen insbesondere für vulnerable Personen Überdosierungen (Hypervitaminosen), Störungen des Elektrolyt- und Säure-Basen-Haushalts sowie allergische Reaktionen bis hin zum anaphylaktischen Schock.
Hinzu kommen allgemeine Risiken jeder intravenösen Anwendung (z. B. Kreislaufprobleme, im Fehlerfall Luftembolien). Wichtig für die Beratung: Diese Angebote sind in Deutschland nicht als Arzneimittel zugelassen; es gelten daher nicht automatisch die gleichen Qualitäts- und Sicherheitsstandards wie bei zugelassenen Präparaten. Das sollte potentiell interessierten Kunden die Informationen dazu erfragen mitgeteilt werden.
EU-Einigung gegen Arzneimittelengpässe: Öffentliche Förderung für Produktion soll leichter werden
Aus Brüssel kommt Bewegung im Kampf gegen Engpässe: Unterhändler von EU-Parlament und Mitgliedstaaten haben sich auf Regeln geeinigt, die es erleichtern sollen, Arzneimittelproduktion mit öffentlichen Geldern zu unterstützen – mit dem Ziel, Europa weniger abhängig von wenigen Lieferländern und außereuropäischen Lieferketten zu machen. Hintergrund sind wiederkehrende Versorgungsprobleme, u. a. durch Wirkstoffengpässe und Produktionskonzentration. Bevor die Regeln in Kraft treten, müssen sie noch von Parlament und Staaten bestätigt werden – in solchen Fällen gilt das aber meist als wahrscheinlich.
Mentale Gesundheit: „Safe-Space-Apotheken“ als niedrigschwellige Anlaufstelle für Jugendliche
Das Deutsche Schulbarometer beschreibt eine Entwicklung, die viele Lehrkräfte und Familien bestätigen: Der Anteil von Schüler*innen mit psychischen Auffälligkeiten liegt bei erschreckenden 25 %. Genau hier setzt die Initiative OurGenerationZ (OGZ) an: Apotheken sollen als Schutzräume dienen – niedrigschwellig, ohne Termin, ohne große Hürden. Jugendliche können sich (z. B. über Instagram) nach der nächstgelegenen „Safe-Space-Apotheke“ erkundigen oder direkt vorbeikommen. In der Praxis geht es nicht um Therapie, sondern um Orientierung, Gesprächsangebot und Weitervermittlung an regionale Hilfen. Für Apothekenteams ist das eine sensible Aufgabe: klare Grenzen, vertrauliche Kommunikation, und zugleich die Chance, für junge Menschen ein erster sicherer Kontaktpunkt zu sein.
Hantavirus: Ausbruch auf Kreuzfahrtschiff – und welche Therapieansätze diskutiert werden
Zwei Meldungen greifen diese Woche ineinander: Nach mehreren Infektionen mit dem Andes-Hantavirus im Umfeld eines Kreuzfahrtschiffs wurden enge Kontaktpersonen vorsorglich unter Quarantäne gestellt. Das Risiko einer Mensch-zu-Mensch-Übertragung gilt insgesamt als gering, ist aber bei bestimmten Hantavirus-Typen unter engem Kontakt dokumentiert. Das Robert-Koch-Institut (RKI) verweist in diesem Kontext auf Überwachung über Wochen, weil die Inkubationszeit lang sein kann. Parallel blickt die Fachpresse auf mögliche Therapieansätze: Diskutiert werden Strategien, die z. B. das Eindringen des Virus in Wirtszellen blockieren sollen; als Beispiel wird das aus Rotalgen bekannte Protein Griffithsin (GRFT) als potenzielles Targeting-Molekül beschrieben.
Rote-Hand-Brief zu Ontozry (Cenobamat)
Für das Antiepileptikum Ontozry® (Cenobamat) gibt es einen Rote-Hand-Brief: Es wird vor Fällen von schwerem Leberschaden bis hin zum Leberversagen gewarnt, teils im Zusammenhang mit antiepileptischer Polytherapie. Verbunden sind neue Empfehlungen zur Überwachung der Leberfunktion. Für Apotheken bedeutet das, bei der Abgabe oder einem Medikationscheck besonders auf Leber-Symptome, Komedikation und Monitoring-Hinweise zu achten, und Betroffene aktiv auf die ärztliche Kontrolle hinzuweisen.