Wochenrückblick: Von Sonnencrememythen bis Gewitterasthma

Lieferengpässe, Sonnenmythen, Gewitterasthma, Minijobs, Mariendistel und Herzrisiken durch Nasenspray: Diese Woche zeigt, wie vielfältig Beratung in der Apotheke ist.

Neverending Story: Lieferengpässe

Lieferengpässe bleiben eines der Themen, das Apothekenteams im Alltag am stärksten beschäftigt. Eine aktuelle Civey-Umfrage im Auftrag von Pharma Deutschland zeigt, wie sehr das Problem inzwischen auch bei Patientinnen und Patienten angekommen ist: Fast jeder zweite Befragte gab an, im vergangenen halben Jahr ein gewünschtes Arzneimittel in der Apotheke nicht erhalten zu haben.

Für die Teams vor Ort ist das keine Überraschung - hinter jeder nicht lieferbaren Packung stehen Beratung, Recherche, Rücksprache mit Praxen, Austauschregeln und häufig auch Frust am HV-Tisch. Gleichzeitig sinkt offenbar das Vertrauen in die Stabilität der Versorgung. Für Apotheken kann das ein Anlass sein, die eigene Leistung im Engpassmanagement noch sichtbarer zu machen.

Sonnencrememythen im Fokus

Auch die Sommerberatung rückte in dieser Woche stark in den Fokus. Die Tagesschau griff verbreitete Mythen rund um Sonnencreme auf, etwa die Behauptung, Sonnenschutzmittel seien grundsätzlich gesundheitsschädlich oder krebserregend.

Für Apotheken ist das ein dankbarer Beratungsanlass: Sonnenschutz bleibt ein wichtiger Bestandteil der Hautkrebsprävention. Gleichzeitig sollte klar kommuniziert werden, dass Sonnencreme allein nicht ausreicht. Schatten, geeignete Kleidung, Kopfbedeckung, Sonnenbrille und das Meiden der Mittagssonne gehören ebenso dazu. Gerade bei Kindern, Menschen mit heller Haut, immunsupprimierten Patientinnen und Patienten oder bei photosensibilisierenden Arzneimitteln lohnt sich eine gezielte Beratung.

Was ist Gewitterasthma?

Passend zur aktuellen Wetterlage wurde zudem über Gewitterasthma berichtet. Dabei können bei hoher Pollenbelastung und starken Gewittern kleinste allergene Partikel entstehen, die tief in die Atemwege gelangen. Besonders gefährdet sind Menschen mit Heuschnupfen oder Asthma. Für die Beratung in der Apotheke vor Ort wichtig: Bei angekündigten Gewittern und hoher Pollenlast sollten Betroffene möglichst drinnen bleiben, Fenster schließen und ihre Asthma- beziehungsweise Notfallmedikation griffbereit halten. Plötzlich auftretende Atemnot, pfeifende Atmung oder starke Hustenanfälle nach einem Gewitter gehören ärztlich dringend abgeklärt.

Kommt das Aus für Minijobber?

Ein arbeitsmarktpolitisches Thema könnte gravierende Folgen für viele Apothekenteams haben: Die Rentenkommission diskutiert derzeit, Minijobs weitgehend einzuschränken oder abzuschaffen. Begründet wird das unter anderem damit, dass eine solche geringfügige Beschäftigung häufig keine Brücke in die reguläre Arbeit ist, was bei der Schaffung der Minijobs eigentlich erhofft wurde, sondern langfristig prekär bleibt und kaum Rentenansprüche entstehen lässt.

Für Apotheken wäre eine solche Änderung definitiv relevant, denn viele Betriebe nutzen Minijobs für flexible Arbeitszeiten, Botendienste, Reinigung, Lager, Überbrückung der Urlaubszeiten oder Unterstützung im Backoffice. Eine Reform könnte also auch Personalplanung und Kostenstrukturen verändern.

Wirkmechanismus von Silymarin geklärt

Pharmazeutisch spannend war schließlich eine Meldung zur Mariendistel. Forschende konnten den molekularen Wirkmechanismus von Silymarin weiter aufklären. Demnach wirken Bestandteile des Silymarin-Komplexes selektiv antagonistisch an nukleären Leber-X-Rezeptoren. Diese Rezeptoren sind unter anderem am Fettstoffwechsel der Leber beteiligt. In Zellversuchen konnte Silymarin die durch einen LXR-Agonisten ausgelöste Lipidakkumulation deutlich reduzieren.

Für die Beratung der Patienten ist wichtig: Mariendistelpräparate sind keine Lifestyle-Entgiftungskur, sondern Arzneimittel beziehungsweise Präparate mit konkreten Einsatzgebieten und Grenzen. Die neuen Daten liefern aber auf jeden Fall einen interessanten mechanistischen Baustein für eine Pflanze, die in der Lebertherapie schon lange eine Rolle spielt.

Nasenspray: seltene, aber ernste Herz-Kreislauf-Risiken

In dieser Woche wurde ein Fallbericht zu einem oxymetazolinhaltigen Nasenspray bekannt. Beschrieben wurde ein schwerer Verlauf mit Herzstillstand nach massiver Überdosierung: Der Patient soll das Spray innerhalb von zwei Stunden mehr als zehnmal angewendet haben. Fachlich wichtig ist die Einordnung: Abschwellende Nasensprays gelten bei korrekter, kurzfristiger Anwendung als sicher. Dennoch können Alpha-Sympathomimetika wie Oxymetazolin oder Xylometazolin durchaus auch systemisch wirken und in seltenen Fällen Herzklopfen, Tachykardie, Hypertonie oder Arrhythmien auslösen.

Für die Beratung  ist es wichtig, auf eine altersgerechte Dosierung, maximal wenige Tage Anwendung und besondere Vorsicht bei Hypertonie oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen hinzuweisen.