PMOS: Mehr als ein Zyklusproblem

PMOS (bis vor kurzem noch PCOS) wird immer mehr bei Frauen im gebärfähigen Alter diagnostiziert. Doch was steckt hinter der Hormonstörung, die etwa jede zehnte Frau betrifft?

Klara fühlt sich hilflos und ist nach ihrem Besuch bei der Frauenärztin ihres Vertrauens ein wenig überfordert. Warum? Die 20-Jährige bekommt seit knapp einem halben Jahr nicht mehr ihre Periode. In den ersten Monaten denkt sie sich noch: „Wie cool! Mal eine Pause von den monatlichen Schmerzen, eigentlich doch praktisch!“ Doch nach einiger Zeit wandelt sich die anfängliche Euphorie in Besorgnis um, denn dann wird ihr klar: „Irgendwas kann da doch nicht stimmen und muss schief laufen in meinem Körper!“ Zudem wird ihre Akne immer schlimmer. Deshalb vereinbart sie einen Termin bei ihrer Frauenärztin und erhält dort nach einem Ultraschall die Diagnose „Polyendokrines metabolisches Ovarsyndrom“ – kurz PMOS.  

Was hinter dieser Diagnose steckt 

PMOS war bis vor wenigen Monaten noch unter PCOS (Polyzistisches Ovarialsyndrom) bekannt und beschreibt eine Hormonstörung bei Frauen im fruchtbaren Alter. Weltweit sind etwa 170 Millionen Frauen davon betroffen, viele nicht diagnostiziert. Bei der hormonellen Störung liegt ein Ungleichgewicht zwischen weiblichen und männlichen Geschlechtshormonen vor, was zu einer eingeschränkten oder sogar fehlenden Eizellreifung führt, da das Hormon Testosteron dominanter als Östrogen und Progesteron ist.  

Als Folge können kleine zystenähnliche Eibläschen an den Eierstöcken auftreten, was durch einen gynäkologischen Ultraschall festgestellt werden kann, wie auch in Klaras Fall.  

PMOS – Symptome und Ursachen 

PMOS verursacht eine seltene und unregelmäßige Periode oder sogar das gänzliche Ausbleiben der Regelblutung, wie bei Klara. Zudem haben einige Betroffene vermehrte Körperbehaarung, insbesondere an Kinn, Oberlippe, Brust und Co. Auch Begleiterscheinungen wie Akne, Haarausfall, Übergewicht, Depressivität und ein unerfüllter Kinderwunsch können auf die Hormonstörung hinweisen.  

Die exakte Ursache ist bislang unklar. Es ist jedoch wahrscheinlich, dass PMOS aus einer Wechselwirkung zwischen dem Hormonstoffwechsel und dem Zuckerstoffwechsel und erblich bedingten Einflüssen resultiert. Auch eine Insulinresistenz begünstigt PMOS. 
 

Behandlung von PMOS und Lebensstil mit der Hormonstörung 

Bisher ist PMOS leider nicht heilbar. Daher ist es das Ziel, die Symptome und Beschwerden weitestgehend zu lindern und einen regelmäßigen Zyklus zu fördern. Zudem soll verhindert werden, dass mögliche Folgeerkrankungen entstehen. 

Die konkrete Behandlung richtet sich zudem auch nach individuellem Fall: Eine Frau mit Adipositas sollte so beispielsweise ihr Gewicht reduzieren. Eine Frau in Klaras Alter, die (noch) keinen Kinderwunsch hat, könnte die Einnahme eines oralen Kontrazeptivums in Erwägung ziehen. Wichtig: Jeder Fall ist unterschiedlich. Genaue Maßnahmen sollten immer ärztlich abgeklärt werden.  

In jedem Fall ist es sinnvoll, sich viel zu bewegen und Sport zu treiben. Vor allem Kraftsport, Schwimmen und Radfahren sind gute Optionen. Zudem sollte die Ernährung umgestellt werden: ballaststoffreiche, zuckerarme Speisen mit möglichst viel Gemüse und gesunden Kohlenhydratquellen sind hier das A und O.  

Mögliche Folgeerkrankungen bzw. Beschwerden sind Adipositas, Insulinresistenz, Diabetes mellitus Typ 2, Bluthochdruck, Veränderungen der Blutfettwerte sowie ein höheres Risiko für Schlaganfälle und Herzinfarkte.  

Warum die Namensänderung? 

PCOS wurde in diesem Jahr in PMOS unbenannt, da die Bezeichnung irreführend ist. PCOS gibt Anlass zu denken, dass es sich lediglich um krankhafte Zysten an den Eierstöcken handelt. Die Erkrankung umfasst jedoch einen viel größeren Rahmen und ist im Wesentlichen ein hormonelles Ungleichgewicht, oft von Stoffwechselproblemen begleitet. Die zystenähnlichen Eibläschen können auftreten, müssen es jedoch nicht und können genau so auch bei Frauen auftreten, die kein PMOS haben. 

Zurück zu Klara 

Klaras Fall ist keine Seltenheit, denn immer mehr junge Frauen berichten von der Diagnose PCOS bzw. PMOS. Häufig klagen sie bereits jahrelang zuvor über Symptome. Da die Hormonstörung nicht heilbar ist und Medikamente lediglich Symptome bekämpfen, kann dies betroffene Frauen zusätzlich psychisch belasten. 

Dennoch versucht Klara positiv zu bleiben, entschließt sich für eine gesündere Ernährung und dem Schwimmen eine Chance zu geben. Währenddessen bleibt sie im Austausch mit ihrer Frauenärztin wegen der Möglichkeit eines oralen Kontrazeptivums. 

 

AMIRA fragt: Hattest du schon Kundinnen in deiner Apotheke, die dich zum Thema nach Rat und geeigneten Präparaten gefragt haben?  

Möchtest du mehr über die Regelblutung lernen? Dann schau mal hier in unserem Artikel „Die Macht des Zyklus“ oder hier für eine Übersicht über Periodenprodukte vorbei.