Wochenrückblick: Neues Arzneimittel bei Wochenbettdepression
Grippeimpfung, Wochenbettdepression, Arzneimittel-Zuzahlungen und alarmierende Erkenntnisse zu Hitze und Krebsrisiken: Die wichtigsten Gesundheits- und Apothekenthemen der Woche kompakt zusammengefasst.
Höhere Vergütung sichert Grippeimpfungen in Apotheken ab
Die Grippeschutzimpfungen in Apotheken sind für die Saison 2026/2027 finanziell abgesichert: Ab dem 1. September 2026 steigt die Vergütung für die Durchführung und Dokumentation einer Impfung um 3 Prozent auf 11 Euro. Grundlage ist eine 2025 zwischen DAV und GKV-Spitzenverband vereinbarte Vergütungsregelung mit festen Anpassungskriterien. Der Deutsche Apothekerverband betont, dass die höhere Vergütung die gestiegenen Kosten in den Apotheken berücksichtigt und so das Impfangebot stärkt. Gesetzlich Versicherte ab 18 Jahren können sich weiterhin kostenlos in der Apotheke impfen lassen, sofern sie einer Risikogruppe angehören oder ihre Krankenkasse die Impfung generell übernimmt. Rund 15.000 Apothekerinnen und Apotheker sind inzwischen für Schutzimpfungen qualifiziert; in der Saison 2025/2026 wurden in etwa 1.700 Apotheken rund 218.000 Grippeimpfungen durchgeführt.
ABDA aktualisiert Informationsblatt zu Arzneimittel-Zuzahlungen
Die ABDA hat ihren Handzettel zu Arzneimittel-Zuzahlungen nach Inkrafttreten des GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetzes überarbeitet. Das Informationsmaterial soll Apothekenteams bei der Beratung von Patientinnen und Patienten unterstützen und erläutert anhand eines Beispiels die Berechnung von Zuzahlungen sowie die Voraussetzungen für eine Befreiung. Außerdem weist der Handzettel darauf hin, dass Apotheken die gesetzlich vorgeschriebenen Zuzahlungen erheben müssen und die eingenommenen Beträge vollständig an die Krankenkassen weitergeleitet werden. Der aktualisierte Handzettel steht in den Formaten A4 und A5 zum Download und Ausdruck bereit.
Neues Arzneimittel soll Wochenbettdepression schneller lindern
Mit Zuranolon (Zurzuvae™) steht erstmals eine neue Therapieoption für Frauen mit Wochenbettdepression (postpartaler Depression) zur Verfügung, die schneller wirken soll als herkömmliche Antidepressiva. Die Erkrankung zählt zu den häufigsten Komplikationen nach einer Schwangerschaft und betrifft bis zu 20 % der Mütter. Sie kann die Bindung zwischen Mutter und Kind beeinträchtigen und in schweren Fällen mit Suizidalität einhergehen. Da klassische Antidepressiva oft erst nach mehreren Wochen wirken, gilt eine rasche Behandlung als besonders wichtig.
Der neue Wirkstoff setzt an GABA-A-Rezeptoren an und ahmt die Wirkung des Schwangerschaftshormonderivats Allopregnanolon nach, dessen Spiegel nach der Entbindung stark abfällt und als möglicher Auslöser der Erkrankung gilt. Die Behandlung dauert 14 Tage und erfolgt einmal täglich. Allerdings sind einige Vorsichtsmaßnahmen zu beachten: Während der Therapie darf nicht gestillt werden, eine zuverlässige Verhütung ist erforderlich, und Wechselwirkungen mit bestimmten Arzneimitteln sowie Grapefruitprodukten müssen berücksichtigt werden. Zurzuvae™ kann als Monotherapie oder in Kombination mit einer oralen antidepressiven Therapie angewendet werden.
Studie: Armut verstärkt die Folgen von Hitze
Eine aktuelle Untersuchung der OTH Regensburg zeigt, dass Menschen mit geringem Einkommen überdurchschnittlich stark von Hitze betroffen sind. Ursache sind unter anderem schlechtere Wohnbedingungen wie kleine, schlecht gedämmte oder stark aufgeheizte Wohnungen sowie ein begrenzter Zugang zu Grünflächen und anderen kühlenden Aufenthaltsorten. Die Auswertung von Sozial- und Klimadaten für Regensburg belegt, dass sich soziale Benachteiligung und hohe Wärmebelastung in mehreren Stadtquartieren überschneiden. Gleichzeitig erschweren finanzielle, bürokratische und mobilitätsbedingte Hürden den Zugang zu entlastenden Angeboten. Die Forschenden kommen zu dem Schluss, dass die gesundheitlichen und sozialen Folgen von Hitze nicht nur von den Temperaturen, sondern auch von Einkommen, Wohnsituation und gesellschaftlicher Teilhabe abhängen.
RKI korrigiert Zahlen nach oben: Hitze fordert deutlich mehr Todesopfer
Das Robert Koch-Institut (RKI) hat seine Schätzung der hitzebedingten Sterbefälle in Deutschland für die extreme Hitzewelle Ende Juni 2026 deutlich nach oben korrigiert. Statt der zunächst angenommenen rund 5.000 Todesfälle geht das Institut nun von etwa 9.600 hitzebedingten Sterbefällen allein in der Woche vom 22. bis 28. Juni aus. Bis zum 26. Juli summiert sich die Zahl auf rund 11.900 Todesfälle und liegt damit bereits über den Jahreswerten aller bisherigen Jahre seit 2016. Besonders betroffen waren ältere Menschen: Mehr als die Hälfte der Todesfälle entfiel auf die Altersgruppe der über 84-Jährigen. Weiterhin fällt auf, dass mehr Männer als Frauen verstorben sind.
Als Ursachen nennt das RKI die außergewöhnlich hohen Temperaturen mit Spitzenwerten von über 40 °C sowie anhaltend warme Nächte. Die Behörde betont, dass Hitze meist nicht direkt zum Tod führt, sondern bestehende Erkrankungen etwa des Herz-Kreislauf-Systems, der Lunge oder der Nieren verschärft. Angesichts der Rekordwerte fordern Gesundheitsorganisationen und Ärztinnen und Ärzte mehr Maßnahmen zum Hitzeschutz, darunter klimafeste Pflegeeinrichtungen, Schulen und Krankenhäuser sowie einen nationalen Hitzeaktionsplan.
DKFZ: Übergewicht als Krebsrisiko bislang wohl deutlich unterschätzt
Übergewicht und Adipositas könnten für deutlich mehr Krebserkrankungen verantwortlich sein als bisher angenommen. Zu diesem Ergebnis kommt eine Analyse des Deutschen Krebsforschungszentrums (DKFZ) auf Basis von Daten von mehr als 458.000 Menschen aus der britischen UK Biobank. Während frühere Schätzungen davon ausgingen, dass zwei bis acht Prozent aller Krebsfälle auf Übergewicht zurückzuführen sind, kommen die Forschenden unter Berücksichtigung aussagekräftigerer Maße für Körperfett sowie methodischer Verzerrungen auf einen Anteil von bis zu 11,5 %. Besonders relevant erwiesen sich dabei Taillenumfang und Taille-Hüft-Verhältnis, die das Krebsrisiko besser abbilden als der häufig verwendete Body-Mass-Index (BMI). Die Ergebnisse deuten zudem darauf hin, dass Frauen und jüngere Erwachsene stärker betroffen sein könnten. Das DKFZ sieht darin ein weiteres Argument für verstärkte Maßnahmen zur Vorbeugung und Behandlung von Übergewicht, da dessen Bedeutung für die Krebsprävention bislang offenbar unterschätzt wurde.